Listening Session: Enigma
- daadgalerie
- Lesung
08.04.2026 / 19:00 – 21:00
Mit Ingeborg Bachmann, Nhã Thuyên
Im Oktober 2023 hat das Berliner Künstler*programm eine Gruppe von Schriftsteller*innen zu einer mehrsprachigen Leseperformance mit Musik zusammengebracht – zum 50. Todestag von Ingeborg Bachmann. Im Zentrum stand Bachmanns Gedicht Enigma, das sie in den frühen 1960er-Jahren während ihres Aufenthalts in Berlin geschrieben hat.
Jetzt erscheint Enigma als Hörstück in der Serie Bad Words. Die Veröffentlichung feiern wir mit einer Listening Session: Tanasgol Sabbagh und Fabian Saul treten live auf, das Hörstück selbst wird ebenfalls zu hören sein.
Zu hören sind Lesungen von Quinn Latimer, Snejanka Mihaylova, Mayra A. Rodríguez Castro, Tanasgol Sabbagh, Nhã Thuyên und Eugene Yiu Nam Cheung, mit weiteren Beiträgen von Jamieson Webster und Marcus Coelen sowie Musik von Fabian Saul.
Kuratiert wurde das Projekt von Mayra A. Rodríguez Castro, Fabian Saul und Mathias Zeiske
Über Enigma
Ingeborg Bachmann kam im Frühling 1963 als eine der ersten Stipendiat*innen des damals neu eingerichteten Künstlerprogramms nach West-Berlin. Über ein Jahrzehnt war die Stadt im Griff des Kalten Krieges isoliert worden. Bachmann blieb bis Ende 1965. In dieser Zeit entstanden die späteren Romane der Autorin, damals nur lose Blätter und frühe Entwürfe. Während ihres Besuchs in Berlin wandte sich Bachmann von der Lyrik ab und konzentrierte sich ganz auf Kurzgeschichten, Essays, Hörspiele und ihre Trilogie Todesarten. Trotz ihrer Hinwendung zur Prosa arbeitete sie weiter an der Komposition ihres Gedichts Enigma (1964), das in späteren Gedichtsammlungen erschien.
Ingeborg Bachmann perfektionierte Enigma über die Jahre. Die erste Zeile des Gedichts sagt eine totale Katastrophe voraus: Nichts mehr wird kommen. Dennoch bezeugen die vielen Überarbeitungen einen Wunsch nach Fortsetzung. Während sich die Versionen des Gedichts häuften, durchlebt die Autorin Phasen von Optimismus und Niederlagen. Vielleicht spiegeln ihre Versuche Wellen von historischer Gewalt wider, vielleicht um zu sagen, dass unsere Katastrophen nicht nur einmal geschehen. Sie sind wiederkehrend, gegenwärtig und brechen sich. Schließlich fordern Bachmanns Zeilen die Leser*innen auf, einer Hoffnung zu lauschen, die nur in der Musik gefunden werden kann.
Veranstaltung auf Englisch und Deutsch
Freier Eintritt
daadgalerie
Oranienstraße 161
Berlin-Kreuzberg