ALICJA ROGALSKA: REROUTING

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14.03.2026 - 15.03.2026
Mit Alicja Rogalska

Die neue Videoinstallation Rerouting von Alicja Rogalska (Fellow 2020) baut auf ihrer fortlaufenden Zusammenarbeit mit Berliner Fahrradkurieren auf: Arbeitsmigranten, die überwiegend aus Südasien und anderen Ländern der globalen Mehrheit stammen. Fahrradkuriere arbeiten in den Nischen bestehender Arbeitssysteme, sind mit Prekarität und hohen Anforderungen konfrontiert und stehen an der Grenze zu algorithmengesteuerten, KI-verwalteten Plattformökonomien. 

Das Video rückt spekulative Ökonomien in den Vordergrund und positioniert die Kuriere nicht einfach als Arbeitsmigranten, sondern als kritische Denker und Akteure radikaler Vorstellungskraft. Die Kuriere sind eingeladen, auf der Grundlage ihrer Lebenserfahrungen spekulative Visionen einer alternativen Wirtschaft mitzugestalten – einer Wirtschaft, die kooperativ, nachhaltig und menschlich ist und in der die urbane Logistik zum Lebenselixier einer radikal anderen Gesellschaft wird.

Samstag, 14.03. & Sonntag, 15.03., 12–19 Uhr: Videoinstallation und Filmvorführungen

Samstag, 14.03., 16 Uhr: Künstler*innengespräch mit Alicja Rogalska, Alicja Kaczmarek und Krisztina Hunya 

Sonntag, 15.03., 16 Uhr: Paneldiskussion mit Alicja Rogalska, Alicja Kaczmarek, Savio Fernandes, Dheeraj Tyagi, Beatrice Bianca Salamena, moderiert von Nick Houde

Alle Veranstaltungen auf Englisch
Eintritt frei

daadgalerie, Oranienstraße 161, 10969 Berlin

Das von Centrala Space in Auftrag gegebene Kunstwerk ist Teil von I-CLAIM, einem europäischen Forschungsprojekt, das die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeitnehmer*innen mit irregulärem Aufenthaltsstatus untersucht. In Deutschland befasst sich die von der Katholischen Fachhochschule Mainz in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Forum „Leben in Illegalität” durchgeführte Forschung mit Plattformarbeit, Migrationspolitik und den alltäglichen Realitäten von Arbeitnehmern, die sich in prekären Beschäftigungsverhältnissen zurechtfinden müssen.

Dingzapp ist ein Kollektiv aus Essenslieferanten, Künstler*innen, Filmemacher*innen und Forscher*innen, die einen fiktionalen Film über Lieferdienste in Berlin drehen. Bei beiden Veranstaltungen wird es einen Dingzapp-Merchandise-Stand geben; alle Einnahmen kommen der Produktion des Films zugute.

I-CLAIM ist ein europäisches Forschungs- und Kunstprojekt, das die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Haushalten mit irregulären Migranten in ganz Europa untersucht. Das Projekt verbindet akademische Forschung mit Auftragsarbeiten von Künstlern und untersucht, wie Migrationspolitik, prekäre Arbeitsverhältnisse und öffentliche Narrative das Alltagsleben unter Bedingungen rechtlicher Unsicherheit prägen. Durch die Zusammenarbeit mit Künstler*innen aus verschiedenen Ländern setzt I-CLAIM Forschungsergebnisse in Ausstellungen, Performances und Installationen um, die gelebte Erfahrungen in den Vordergrund stellen und eine breitere öffentliche Reflexion über Migrationspolitik und ihre sozialen Folgen anregen.

Alicja Rogalska ist eine in Berlin und London lebende Künstlerin. Ihre forschungsorientierte Praxis untersucht soziale Strukturen und die politischen Dimensionen des Alltagslebens durch kollaborative Situationen, Performances, Videos und Installationen, die gemeinsam emanzipatorische Zukunftsvisionen entwerfen. Kürzlich präsentierte sie ihre Arbeiten unter anderem in der Zachęta National Art Gallery (Warschau), im n.b.k. (Berlin), auf der Biennale Matter of Art (Prag), bei Videobrasil (São Paulo) und auf der Manifesta 14 (Prishtina). Derzeit promoviert sie im Fachbereich Kunst der Goldsmiths University of London.

Alicja Kaczmarek ist Kuratorin, Produzentin und Forscherin und arbeitet an der Schnittstelle von zeitgenössischer Kunst, Migration und sozialer Gerechtigkeit. Sie ist Gründerin und Direktorin von Centrala Space und der Polish Expats Association, die 2009 gegründet wurde, um Künstler*innen und Migrantengemeinschaften aus Mittel- und Osteuropa (CEE) in Großbritannien zu unterstützen. Seit dem Start des Galerieprogramms von Centrala im Jahr 2014 hat sie Ausstellungen, internationale Aufträge und europaweite Kooperationen kuratiert, die unterrepräsentierte Stimmen in den Vordergrund stellen und dominante kulturelle Narrative hinterfragen. Ihre Praxis verbindet künstlerisches Schaffen mit langfristiger Forschung zu Migration, Repräsentation und Kulturpolitik. Sie entwickelt partizipative, forschungsorientierte Projekte, die auf gelebten Erfahrungen und gemeinschaftsbasierten Untersuchungen aufbauen, um den öffentlichen Diskurs über Migration und Prekarität neu zu gestalten.

Krisztina Hunya ist Kuratorin und Kunsthistorikerin und lebt in Berlin. Seit 2019 ist sie Kuratorin und Projektmanagerin beim Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.), wo sie Ausstellungen mit Künstlern wie Moyra Davey, Franka Hörnschemeyer, Alicja Rogalska, Aristide Antonas und Tomas Schmit realisiert hat. Zu ihren jüngsten Projekten gehören The Ocean’s Walls (Budapest Gallery, 2024), Leaning on the Past, Working for the Future (Kunsthalle Exnergasse, 2020) und Ilona Németh: Eastern Sugar (Kunsthalle Bratislava, 2018). Außerdem hat sie an internationalen Biennalen und institutionellen Projekten mitgewirkt, darunter die 13. Gwangju Biennale. Sie hat einen MA in Kulturen des Kuratorischen von der HGB Leipzig und studierte Kunstgeschichte in Berlin und Budapest.

Nick Houde ist ein unabhängiger Forscher, Pädagoge und Autor, der in Berlin lebt. Im Laufe der Jahre hat er umfangreiche Forschungen zu Technologie und Politik durchgeführt, darunter eine eingehende ethnografische Studie über DAO-Mitarbeiter für Other Internet, und leitete die Arbeitsgruppe Vertically Integrated Unions bei Trust in Berlin. Außerdem hat er für co-matter, Serpentine Art Technologies und verschiedene Kulturinstitutionen weltweit Forschungen zur Kultur und Politik der Technologie durchgeführt. Von 2016 bis 2022 war er leitender Forscher für die Projekte „Technosphere“ und „Anthropocene“ am HKW in Berlin. Er studierte Philosophie an der European Graduate School (EGS).

Dheeraj Tyagi ist Fahrradkurier in Berlin. Er hat seinen Master in Finanzen und Investitionen an der Berlin School of Business and Innovation abgeschlossen. In seiner Heimat arbeitete er als Personalvermittler. Er setzt sich aktiv für faire Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen für Kuriere ein.

Beatrice Bianca Salamena ist Sozial- und Kulturanthropologin und lebt in Deutschland. Sie promovierte an der Universität Konstanz, wo sie eine ethnografische Studie zu Migration, Arbeit und sozialer Teilhabe durchführte. Für ihre Arbeit, die Wissenschaft, Kommunen und Zivilgesellschaft miteinander verbindet, wurde sie 2023 mit dem Transferpreis der Universität Konstanz ausgezeichnet. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Migration, Pflege und gesellschaftliche Teilhabe, wobei sie multimodale und angewandte anthropologische Methoden einsetzt. Zuletzt arbeitete sie am I-CLAIM-Projekt der Katholischen Fachhochschule Mainz und untersuchte den Alltag und die Arbeitsbedingungen von Migranten in ausbeuterischen Arbeitskontexten.

Bildnachweis: Alicija Rogalska, „Rerouting“ (2026), video still

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