Common Ground: History as Material

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31.10.2019 / 19:00
Mit Alan Pauls, Don Mee Choi, Mathieu Kleyebe Abonnenc, Runo Lagomarsino

In der dritten Ausgabe der interdisziplinären Gesprächsreihe Common Ground loten Mathieu Kleyebe Abonnenc, Don Mee Choi, Runo Lagomarsino und Alan Pauls die Frage aus, wie historisches Material auf KünstlerInnen einwirkt, wenn sie in ihren Arbeiten gewalttätige Protestformen und politische Kämpfe reflektieren.
Der bildende Künstler Mathieu Kleyebe Abonnenc untersucht derzeit die Protestaktionen gegen den Film Africa Addio, die 1966 in West-Berlin vom Afrikanischen Studentenbund unddem SDS angeführt wurden. Ihre Strategien im Kampf gegen koloniale und rassistische Zuschreibungen wurden später von anderen Bewegungen in Deutschland und im Ausland aufgegriffen.
Der Autor Alan Pauls hat sich in einer Romantrilogie mit der argentinischen Stadtguerrilla der 1970er Jahre befasst; dabei reflektiert er die historische Erfahrung aus der Perspektive eines Teenagers, der zu jung ist für die direkte politische Aktion.
Die Lyrikerin Don Mee Choi recherchiert über den Gwangju-Aufstand von 1980 und die brutale Unterdrückung durch die südkoreanische Militärregierung – ein Ereignis, das seinerzeit in den Massenmedien sowohl der Bundesrepublik als auch der DDR rezipiert wurde.
In seinen Installationen, Aktionen und Filmen befasst sich der bildende Künstler Runo Lagomarsino mit den mannigfaltigen Formen der Neudeutung und Aneignung von Geschichte. Dabei rekontextualisiert er gefundenes Material, um Geschichten von Exil und Kolonialismus zu erzählen. So hat er nachverfolgt, wie Gilles Pontecorvos antikolonialer Kultfilm „Battle of Algiers“ vom US-amerikanischen Pentagon zur Schulung von Offizieren eingesetzt wurde.
Beim gemeinsamen Sichten und Deuten von Bildern und Materialien erörtern Abonnenc, Choi, Lagomarsino und Pauls die Herausforderungen, die sich bei der Auseinandersetzung mit historischen Ereignissen ergeben, die medial überrepräsentiert, idealisiert oder verschwiegen werden. Welches kritische Potenzial kann sich aus den Gegennarrativen ergeben, die sie in ihrer künstlerischen Praxis entwickeln?

Rund 20 internationale Stipendiat*innen versammeln sich pro Jahrgang unter dem Dach des Künstlerprogramms – aus den unterschiedlichsten künstlerischen Bereichen und mit ganz unterschiedlichen politischen, sozialen und geografischen Hintergründen. Trotz dieser Diversität und trotz der historisch gewachsenen Trennung in die vier Kategorien Bildende Kunst, Film, Literatur und Musik sind die Verbindungslinien mehr als offensichtlich.

Die Reihe „Common Ground“ bringt entlang dieser Schnittstellen Gemeinsamkeiten, Reibungspunkte und Übersetzungsschwierigkeiten unterschiedlicher Perspektiven und künstlerischer Positionen in einen konstruktiven Dialog.

In einer Mischung aus Werkstattgespräch und Diskussion soll damit nicht nur eine Plattform für die Stipendiatinnen entstehen, um sich über gemeinsam interessierende Themen auszutauschen. Wir wollen vor allem das Berliner Publikum einladen, mit den Künstlerinnen ins Gespräch zu kommen – und zwar nicht erst, wenn sie mit einem fertigen Werk an die Öffentlichkeit treten.

auf Englisch

Vergangen

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