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Inmitten von urbanen Alltagsszenen funkeln Katzenaugen, wachsen und faulen Früchte – Orangen, Birnen, Pfirsiche –, schwarze Hunde jagen schwarze Vögel, jemand liebt Fleischbällchen, „es rauschen die Feiertage vergangener Staaten“. Ein See führt lange Monologe, erzählt von seinem Leben – eine anthropomorphe Landschaft, auf deren Wasseroberfläche sich unser Dasein spiegelt.

Marko Pogačar wird nicht nur als Erneuerer der kroatischen Poesie beschrieben, sondern auch als eine Stimme voller Magie, die alle Grenzen hinter sich lässt und sich mit Leidenschaft und Leichtigkeit in die poetische Weltgemeinschaft einreiht. Ob der in Odessa geborene Dichter Ilya Kaminsky oder der spanische Dichter Martín López-Vega, ob der deutsche Kritiker Andreas Nentwich oder der rumänische Lyriker Claudiu Komartin – sie alle sind sich einig, dass es sich um eine herausragende Erscheinung handelt; verglichen wird er mit Rimbaud, mit Hölderlin oder Novalis, mit Joseph Brodsky und dem ungarischen Filmemacher Béla Tarr.

1984 in Split geboren, machte sich Marko Pogačar im Alter von 22 Jahren mit seinem ersten Gedichtband Pijavice nad Santa Crusom (Wirbelstürme über Santa Cruz) bemerkbar. Der slowenische Dichter Tomaž Šalamun schrieb: „Marko Pogačar ist ein Wunder.“ In seinem zweiten Gedichtband Poslanice običnim ljudima (Sendschreiben an gewöhnliche Menschen, dt. An die verlorenen Hälften, 2010) wandte sich der junge Dichter ein Jahr später „an die Schneiderinnen, an die Nachbarn, an die verschlafenen Hausfrauen“. Er verkündete seine dichterischen Botschaften mit großer Selbstverständlichkeit, so etwa in einem „an die müden Trotzkisten“ gerichteten Gedicht: „Pogačar denkt: alles ist Gott = Gott ist nichts“. Und zwei Jahre später erklärte er im dritten Gedichtband Predmeti (Gegenstände, dt. An die verlorenen Hälften, 2010): „Meine Sprache ist eine dunkle / fleischige Faust.“

Es folgten Essaybände, Erzählungen und Reiseberichte – minuziös komponierte Texte geprägt von Alltagsphänomenen und politischen Analysen, von metaphysischen Vorahnungen und symbolischen Imaginationen. Seine Gedichte und seine Prosatexte wurden in mehr als dreißig Sprachen übersetzt, er war Gast internationaler Poesiefestivals und Residence-Programme, die Spur dieser Reisen zieht sich durch seine Texte als poetische Reflexion eines melancholischen Nomaden.

Je besser der Dichter die Welt kennenlernte, desto dringlicher erschien ihm die Notwendigkeit der Rebellion: und heiß wie ein Ofen muss ein Mensch sein, / damit er die Welt um sich herum zum Schmelzen bringt, so heißt es in seinem vierten Gedichtband Crna pokrajina (2013, Schwarzes Land, 2015).

Auf seiner beharrlichen Suche nach dem authentischen Ausdruck für die Wirrungen unserer Epoche bewegt sich Marko Pogačar zwischen Umgangssprache und erhabenem Ton, Fachjargon und Psalmen, Ironie und Selbstreflexion, Popkultur und Natur, zwischen intimen Bekenntnissen und radikalen Gesten. Er ist ein Meister der präzisen Formulierungen, zugleich feiert er in seinen Texten die Sprache mit ihren Klängen und Rhythmen und verwandelt bisweilen mit spielerischer Lust politische und philosophische Inhalte in rätselhafte Melodien.

Text: Alida Bremer

Foto: Jasper Kettner


Bibliografie (Auswahl):

Pijavice nad Santa Crusom
AGM
Zagreb, 2006

Poslanice običnim ljudima
Algoritam
Zagreb, 2007
An die verlorenen Hälften
Edition Korrespondenzen
Wien, 2010 [Ü: Alida Bremer]

Bog neće pomoći (Gott will nicht helfen / God will not help)
Algoritam
Zagreb, 2012

Crna pokrajina
Algoritam
Zagreb, 2013
Schwarzes Land
Edition Korrespondenzen
Wien, 2015
[Ü: Alida Bremer]

Zemlja, zemlja (Boden, Boden / Ground, Ground)
Fraktura
Zaprešić, 2017


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