Name
Mahmoud Khaled
Land
Ägypten / Norwegen
Mahmoud Khaleds künstlerische Praxis setzt sich mit der Konstruktion von männlicher Identität in einer zunehmend von mittelbarem und virtuellem Austausch geprägten Gesellschaft auseinander. Seine Videos, Fotoarbeiten und Installationen porträtieren ein breites Spektrum an Gender-Identitäten von Bauchtänzern über Bodybuildern bis hin zu Stierkämpfern und erforschen an bestimmte Situationen gebundene Machtdynamiken im Cyberspace, wie sie sich beispielsweise in einem fiktiven Grindr-Chat finden. Der ägyptische Künstler arbeitet mit den Grenzbereichen und Ambivalenzen von Realität und Inszenierung und streicht dabei auch die Bedeutung von Kunst als Form des politischen Aktivismus und Raum für kritische Reflexion heraus. Ausgehend von der jeweiligen Thematik verbindet er Fotografie und Video mit skulpturalen Formen sowie Text, Sound und Alltagsgegenständen.

Auf der Istanbul-Biennale 2017 präsentierte Khaled mit Proposal for a House Museum of an Unknown Crying Man eine fiktionalisierte Auseinandersetzung mit dem Fall der sogenannten Cairo 52. Diese Bezeichnung bezieht sich auf die 52 Männer, die am 11. Mai 2001 an Bord eines schwimmenden Nachtclubs verhaftet wurden. Nach brutaler physischer und psychischer Misshandlung wurden sie wegen liederlichen und obszönen Verhaltens sowie Verunglimpfung der Religion angeklagt. Ein Pressefoto des Prozesses zeigte einen weinenden Mann, der versucht, sein Gesicht mit einem Stück weißen Stoffes zu bedecken. Das Bild wurde auf einen Schlag zu einer Ikone der ägyptischen Schwulen-Community, aufgeladen mit Bedeutung, die gar nicht unbedingt intendiert war. In dem Bemühen, einen derart signifikanten Moment in Erinnerung zu halten, erbaute Khaled ein „Hausmuseum“, das Gemälde, Skulpturen, Objekte, Fotografien sowie persönliche Gegenstände und einen Audio-Guide präsentiert, der aus der Sicht eines Nachbarn an den „unbekannten weinenden Mann“ gerichtet ist und von einem Exilantendasein an einem ungenannten Zufluchtsort erzählt. Über die fiktionale Dokumentation der Biografie dieses anonymen Mannes verhandelt der Künstler größere Fragestellungen, etwa nach der Dialektik von Enthüllen und Verbergen, den Wechselbeziehungen zwischen öffentlicher und privater Sphäre sowie der andauernden Verfolgung Homosexueller im Nahen Osten.

Es ist eben diese genaue, feinfühlige und weitsichtige Artikulation einer gesellschaftlichen wie menschlichen Verfasstheit und deren inhärenter Verletzlichkeit, die das künstlerische Werk Mahmoud Khaleds ausmacht. Die prozessorientierten und multidisziplinären Arbeiten schaffen eine Zugänglichkeit und Bedeutung, die über die unmittelbare Prekarität der verhandelten Themen hinausweist auf verbotene Liebe, umfassendes politisches Versagen und die unsichtbaren Räume, die seine Protagonisten in ihrem soziale Umfeld besetzen.

Mahmoud Khaled studierte Bildende Kunst in Alexandria, Ägypten und Trondheim, Norwegen.

Zu seinen Ausstellungen der letzten Jahre zählen: I want you to know that I am hiding something from you in der Helena Anrather Gallery, New York (2018); A New Commission for an Old State in der Gypsum Gallery, Kairo, EGY (2018); 15. Istanbul Biennale, TUR (2017); 13. Sharjah Biennale, AE (2017); Terra Mediterranea – in Action, NiMAC Arts Center, Nicosia, ZY (2017); Hips Don't Lie, Centre Pompidou, Malaga, ES (2016); Electronic Superhighway, Whitechapel Gallery, London, UK (2016); Complicity, Sultan Gallery, Kuwait, KWT (2016); On Building Nations, Edith-Ruth-Haus, Oldenburg (2016); Proposal for a Porn Company, Galpão VB | Associação Cultural Videobrasil, São Paulo, BR (2016); It's Never Too Late to Talk About Love, Nile Sunset Annex, Kairo, EGY (2014).

Text: Anja Lückenkemper

Foto: Mahmoud Khaled, Proposal for a House Museum of an Unknown Crying Man, 2017, Installationsansicht, 15. Istanbul Biennale