Frankreich, Bildende Kunst, 1974

Robert
Filliou

Robert Filliou (geb. 1926 in Sauve, Südfrankreich, gest. 1987 im Kloster Chanteloube bei Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil, Dordogne) war 1974 Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD (BKP). 1943 hatte er sich dem Widerstand gegen die deutschen Besatzer, der Résistance, angeschlossen und wurde noch während des Krieges Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs. Er gilt als einer der Hauptvertreter der Fluxus-Bewegung, seine künstlerische Entwicklung beruht außerdem auf einer intensiven Beschäftigung mit dem Zen-Buddhismus. Erste Versuche seiner „poésie visuelle“ zeigte er 1960 auf dem Avantgarde Festival in Paris. 1963 datierte Filliou den Geburtstag der Kunst auf den 17. Januar – und legte dieses Datum als ihren millionsten Geburtstag fest, der seither jährlich begangen wird. Im Winter 1963 entwickelte er in Paris zusammen mit dem Architekten Joachim Pfeufer das Projekt POIPOIDROM, eine sprachlich inspirierte Mischung aus Objekt, Installation und Performance, die eine Kette von (Sinn-)Fragen im Dialog stellt. Mit dem POIPOIDROM waren Filliou und Pfeufer 1972 Teilnehmer der documenta 5 in der Abteilung Individuelle Mythologien.

Bereits vor seinem BKP-Stipendium war Filliou, der seinen Wohnsitz 1969 von New York nach Düsseldorf verlegt hatte, in Berlin als Künstler in Erscheinung getreten: 1971 hatte er eine Einzelausstellung in der Galerie René Block, 1973 zeigte er während des inzwischen legendären Festivals Aktionen der Avantgarde (ADA) ein Environment mit Notenständern „für telepathische Musik“ auf dem Dachgarten der Akademie der Künste in Westberlin. Eines seiner ersten für Berlin geplanten Projekte war die festliche Begehung des 1.000.011. Geburtstags der Kunst am 17. Januar 1974. Zur Eröffnung des Kunsthauses Bethanien sollte ein Fass Bier angestochen werden und am Mariannenplatz ein Volksfest mit dem Ausruf „Happy Birthday to Art!“ gefeiert werden. Parallel sollten ähnliche Arrangements in der Akademie der Künste (West), im Literarischen Colloquium, im Büro des DAAD, im Haus am Waldsee etc. stattfinden.

Im September 1974 eröffnete mit Unterstützung des BKP die Einzelausstellung Erforschung des Ursprungs an der Städtischen Kunsthalle Düsseldorf. Die gleichnamige monumentale Installation von insgesamt 85 Metern Länge bestand aus drei perlenschnurartig aufgehängten Bändern mit Symbolen, Zeichen und Schrift in drei Sprachen, die einem individuell ausgelegten taoistischen Philosophem folgten – den Prinzipien „gut gemacht“, „schlecht gemacht“ und „nicht gemacht“. Die Arbeit wurde im Januar 1975 im Rahmen der Ausstellung des BKP, Duane Hanson, Franz Gertsch, Robert Filliou, in der Akademie der Künste (West) erstmals auch in Berlin gezeigt, und anschließend in einer Einzelausstellung im Kunstmuseum Luzern. Parallel zur BKP-Ausstellung in der Akademie der Künste zeigte Filliou 1975 in der Galerie René Block seine False Fingerprints – Miniaturvitrinen mit gefälschten Fingerabdrücken von den „Großen der Welt“ als „einen Beitrag zum Dynamismus eines ewigen Netzwerks“. 1985 wurde nach der Konzeption Robert Fillious die Hamburger Kunstwoche in eine „Artists in Space and Peace Biennale“ umbenannt. Diese „Friedensbiennale“ fand im Dezember 1985 unter dem Titel Dem Frieden eine Form geben. Zugehend auf eine Biennale des Friedens / For an Art-of-Peace Biennale unter der Organisation von René Block, seit 1982 Leiter des BKP, und der Beteiligung von weiteren ehemaligen und aktuellen BKP-Stipendiaten im Hamburger Kunstverein und im Kunsthaus statt.

Robert Filliou war Teilnehmer der documenta 5 und 6 (1972, 1977) und von Skulptur Projekte Münster (1987).

Text: Eva Scharrer

Verknüpfte Archivmaterialen

30 internationale Künstler in Berlin

30 internationale Künstler in Berlin

Akrithakes, Alexes
Arakawa, Shusaku
Bertholo, René
Brisley, Stuart
Broodthaers, Marcel
Calzolari, Pier Paolo
Kaniares, Blases
Caniaris, Vlassis
Canogar, Rafael
Castillo, Jorge
Castro, Lourdes
Christmann, Gunter
Cook, William Delafield
Engelman, Martin
Filliou, Robert
Fisher, Joel
Fujiwara, Makoto
Gertsch, Franz
Hamilton, Richard
Hanson, Duane
Ipoustéguy, Jean
Kienholz, Edward
Kotík, Jan
Kowalski, Piotr
Merz, Mario
Paolozzi, Eduardo
Radovic, Zoran
Rickey, George
Sedgley, Peter
Spoerri, Daniel
Xenakes, Konstantinos
Xenakis, Constantin
1973 Text: Drucksache
10 Jahre Berliner Künstlerprogramm

10 Jahre Berliner Künstlerprogramm

Arakawa, Shusaku
Armitage, Kenneth
Baker, George
Bálint, Endre
Bertholo, René
Black, David
Broodthaers, Marcel
Brusse, Mark
Byars, James Lee
Canogar, Rafael
Christmann, Gunter
Cook, William Delafield
Colville, Alex
Dublon, Kurt
Filliou, Robert
Fisher, Joel
Francken, Ruth
Gertsch, Franz
Hanson, Duane
Iida Yoshikuni
Ipoustéguy, Jean
Kienholz, Edward
Kotík, Jan
Logothetes, Stathes
Mizui, Yasuo
Remotti, Remo
Rickey, George
Seley, Jason
Tsokles, Kostas
Tsoclis, Constantin
Ishii, Maki
Dallapiccola, Luigi
Kupkovic, Ladislav
Olah, Tiberiu
Niculescu, Stefan
Vieru, Anatol
Souster, Tim
Shinohara, Makoto
Yoshida, Hidekazu
Pablo, Luis de
Moran, Robert Leonard
Ligeti, György
Lanza, Alcides
Kopelent, Marek
Stroe, Aurel
1975 Text: Drucksache
Was ist wann? 1. Kulturinformationen aus Berlin vom vom 15.3. bis 15.5.1975

Was ist wann? 1. Kulturinformationen aus Berlin vom vom 15.3. bis 15.5.1975

Mészöly, Miklós
Filliou, Robert
Gertsch, Franz
Hanson, Duane
Lakner, László
1975 Text: Drucksache
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