Sri Lanka, Musik & Klang, 2025, in Berlin

Isuru
Kumarasinghe

Foto: DIana Pfammatter

Als Klangkünstler, der in Colombo, Sri Lanka, lebt und arbeitet, hat Isuru Kumarasinghe viele Jahre damit zugebracht, Klang durch eine Reihe von musikalischen und sonischen Ausdrucksformen zu erforschen. Von seiner Mitwirkung in verschiedenen Bands bis hin zur Beschäftigung mit Aufnahmetechniken und elektroakustischer Komposition ist seine Arbeit von der Neugier auf die Dynamik klanglicher Materialität sowie von dem Wunsch geprägt, ein breiteres öffentliches Bewusstsein dafür zu schaffen, wozu auch seine aktive Mitgliedschaft im Musicmatters Collective gehört. Im Mittelpunkt seiner einzigartigen Praxis steht das Interesse an Klang als immersive und potenziell transformative Erfahrung.Daraus resultiert auch ein ausgeprägtes Interesse an Resonanz, das sich in seiner Sound-Installation Gilunu: I became one with you zeigt, die 2023 auf dem CTM-Festival präsentiert wurde. In Erweiterung einer früheren Version basiert die Arbeit auf Aufnahmen, die der Künstler von sich selbst gemacht hat, während er langsam durch einen Raum geht, singt und die Esraj spielt, ein in Südasien verbreitetes Saiteninstrument.

Auf der Suche nach aktiven Resonanzen im Raum lenkt Kumarasinghe die Aufmerksamkeit auf die inhärenten akustischen Qualitäten einer Umgebung und lauscht Momenten klirrender Vibration. Wie er betont, ist Klang ein lebendiges Ganzes, dessen Bewegungen sich auf die Tonalität und Dauer, die Texturen und Rhythmen einer gegebenen Architektur auswirken. Beim Ausloten und Beschallen des Raums ordnet Kumarasinghe Mikrofone in einer spezifischen Weise an, um den Klang einzufangen und ihn über einen Vibrationslautsprecher wiederzugeben, der unter zwei selbstgebauten Resonator-Instrumenten installiert ist. Auf diese Weise errichtet er eine Schicht von Live-Klängen, die durch den Raum wandern, um die Instrumente zum Schwingen zu bringen, deren Klänge zum Soundscape beitragen. Die Arbeit mit Aufnahmen dieses Prozesses wurde – wie erwähnt – unter dem Titel Gilunu: I became one with you als Live-Performance-Installation im Kunstquartier Bethanien präsentiert; in einem mit tiefblauem Licht erfüllten Raum wurde das Publikum in einen flimmernden Frequenzton getaucht. Mit der Zeit begann Kumarasinghe, live Klänge hinzuzufügen, um ein ortsbezogenes, schwingendes Klangfeld zu erzeugen. Gilunu: I became one with you ist eine kontemplative Arbeit, die den Klang als Erfahrung hervorhebt, die uns transformiert und uns der Gegenwart, der Zeit und dem Raum des Augenblicks nahebringen kann. Dazu gehört auch die Einladung an das Publikum, ein tieferes Empfinden der eigenen körperlichen Präsenz und ein Gespür dafür zu entwickeln, dass unsere Körper Teil einer größeren materiellen Ökologie sind.

Isuru Kumarasinghe ist ein aufmerksamer Zuhörer und folgt in seiner Arbeit dem Klang: wie er in der Welt lebt und atmet. Indem er sich auf dessen ständig wechselnden Frequenzen einstellt, schafft der Künstler Erfahrungen, die uns mit der schwingenden Erde in Verbindung bringen und uns zugleich in neue Höhen des Widerhalls tragen. Es sind materielle und doch spirituelle Reisen, die den Klang als etwas Zeremonielles, Verbindendes betonen, das uns dazu befähigt, das unsichtbare, heilige Kontinuum des Lebendigen zu spüren. In der Videoarbeit Echoes of Listening: Being With (2021), die in Zusammenarbeit mit der Tänzerin Sara Mikolai entstand, sehen wir eine meditative Szene, in der die beiden Künstler*innen sich neben einem fließenden Bach befinden, der sich über voluminöse, glatte Felsblöcke ergießt. Während sich die Wassergeräusche langsam über die harten Oberflächen der Felsen bewegen, umhüllen sie, untermalt von minimalistischen E-Gitarrenklängen, die Performer*innen, die auf den Felsen liegen, die Oberflächen berühren und befühlen und ihre Körper nahe an das fließende Wasser rücken. Die Arbeit gewährt einen zarten Einblick in die Fähigkeit des Zuhörens, die es ermöglicht, mit der Natur in Kontakt zu treten und eine tiefgründige Form der Einstimmung zu erreichen. Kumarasinghes Arbeit, die zutiefst vom Zuhören und der damit verbundenen Aufmerksamkeitsarbeit geprägt ist, ist ein sensibles Handwerk, das uns in poetische Dimensionen führt und uns auf das Unaussprechliche aufmerksam macht.

Text: Brandon LaBelle
Übersetzung aus dem Englischen: Good & Cheap Art Translators

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