Schweden, Musik & Klang, 2025, in Berlin
Dror
Feiler
Der Musiker, Komponist, bildende Künstler und politische Aktivist Dror Feiler weigert sich schon sein Leben lang, Kompromisse einzugehen. Kunst galt ihm nie als Unterhaltung – im Gegenteil ist seine Musik eine Form der Konfrontation. Feilers gesamtes Werk zielt darauf ab, das Publikum aus der Ruhe zu bringen, um es dazu zu bewegen, sich auf den Klang einzulassen, tief in ihn einzudringen, all seine elektrische Körperlichkeit zu erleben und die eigenen, einzigartigen Erfahrungen in den Prozess einzubringen. Er weigert sich, Musik zu kreieren, die passives Hören zulässt, genauso wenig interessiert es ihn aber, Bedeutung vorzugeben.
In fünf Jahrzehnten der Klangproduktion beschäftigte er sich mit freier Improvisation, immersivem elektronischem Noise sowie der rituellen Umnutzung von Glocken und antiken Spieluhren. Obwohl er auch eindrückliche Orchesterwerke für eine Vielzahl internationaler Ensembles komponierte – darunter das BBC Symphony Orchestra, das Stavanger Symphony Orchestra (mit Blixa Bargeld als Vokalsolisten), Zeitkratzer (das von Reinhold Friedl geleitete Ensemble für Neue Musik in Berlin) und das in Wien ansässige Black Page Orchestra –, versteht er die Improvisation noch immer als Grundlage seiner Arbeit.
Seine geradezu fiebrige Fantasie erlaubt es ihm, lustvoll die Grenzen zwischen freier Improvisation, Noise und zeitgenössischer klassischer Musik zu sprengen. Auf der Suche nach einem Ausdruck, der einem wie ein Schlag in die Magengrube fährt, prallen Techniken und Methoden aufeinander, mutieren und brechen schließlich zusammen. Dabei macht Feiler keine Unterschiede zwischen den diversen Strängen einer Arbeit. Unabhängig von der Besetzung, der Größe des Ensembles oder dem Kontext geht es ihm darum, sich gleichgültiger Akzeptanz zu widersetzen und sich mit Klang als einem vielseitigen Medium auseinanderzusetzen, das oft von widersprüchlichen Impulsen und Bedeutungen geprägt ist.
Er hat eine Ästhetik entwickelt, die er „Brutal Sentimental Concept“ nennt und in der er „Krach als Form“ betrachtet. Er schreibt: „Es ist wie ein Teppich, geknüpft aus widersprüchlichen, arrangierten Klangwolken und Melodien, in dem jeder einzelne Ausdruck das abwesende Ganze widerspiegelt. Die Musik ist nie eindeutig definiert, sondern oszilliert ständig zwischen den verschiedenen Ebenen der Komposition.“
Der 1951 in Tel Aviv geborene Feiler war einer der ersten israelischen „Refuzniks“, als er 1970 den Dienst im besetzten Gaza-Streifen verweigerte. 1973 zog er nach Schweden, wo er Musik studierte. Später verzichtete er auf seine israelische Staatsbürgerschaft, um die schwedische anzunehmen. Obwohl er sein Heimatland vor mehr als fünf Jahrzehnten verlassen hat, bestimmt seine komplexe Beziehung zur israelischen Politik einen Großteil seines Lebenswerks und seines Aktivismus. Die Vision und das gesellschaftliche Engagement, in das er während seiner Kindheit in einem sozialistischen Kibbuz eingebunden war, hat er nie aufgegeben. Feiler war 2010 einer der Gründer der Gaza Freedom Flotilla und ist derzeit Vorsitzender der schwedischen Organisation Jews for Israeli-Palestinian Peace.
Im Laufe seiner Karriere hat Feiler nur wenige Werke kommerziell veröffentlicht, aber zwei 10-CD-Boxen, die 2023 unter dem Titel Maavak erschienen, ermöglichen es neuerdings, das monumentale Ausmaß seiner Musik zu erfassen. Auf die Frage nach seinen kreativen Plänen für den DAAD-Aufenthalt antwortete er: „Musik, Störgeräusche und politischer Aktivismus“ – Vorhaben, die auf eine Lebensweise und nicht auf eine Liste von Projekten hindeuten.
Text: Peter Margasak
Übersetzung aus dem Englischen: Anna Jäger