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Konzert des Ensembles Mosaik im Rahmen des Festivals mikromusik - Festival experimenteller Musik und Sound Art
Michael Pelzel (CH): Brushing (2009) für Klavier
Klaus Lang (A): die heilige clara und der schwarze fisch (2000) für Ensemble
Gérard Grisey (FR): Périodes (1974) für sieben Musiker

Pause

Liza Lim (AUS): Ochred String (2008) für Oboe und Streichtrio
Enno Poppe (D): Rad (2003) für zwei Keyboards

Ensemble Mosaik + Gäste
Bettina Junge – Flöte
Christian Vogel – Klarinette
Simon Strasser – Oboe
Martin Losert – Saxofon
Ruth Velten – Saxofon
Florian Juncker – Posaune
Roland Neffe – Schlagzeug
Ernst Surberg – Klavier/Keyboard
Chatschatur Kanajan – Violine
Karen Lorenz – Viola
Mathis Mayr – Violoncello
Matthias Bauer – Kontrabass
Benjamin Kobler – Keyboard

Leitung: Enno Poppe

Während Mikrotonalität in der westlichen Tradition eine Errungenschaft des 20. Jahrhunderts darstellt und vielfältige Spielarten kennt, sind Mikrotöne seit jeher Bestandteil traditioneller Tonsysteme der indischen, arabischen oder indonesischen Musik. Kulturelle Differenz findet nicht selten Ausdruck im Tonsystem. Das Konzertprogramm schlägt vor, Mikrotonalität in der zeitgenössischen westlichen Welt nicht nur als Tonsystem zu hören, sondern auch als Ausdruck einer kulturellen Identität. Eines der ersten Werke des französischen Spektralismus ist Gérard Griseys Périodes von 1974, das, ausgehend von mikrotonalen Ableitungen aus Obertonspektren, über Schwingungen und Schwebungen Klangspektren erforscht und in einen vom körperlichen Rhythmus des Einatmens und Ausatmens abgeleiteten Spannungsverlauf „weicher Peridiozität“ bettet. Ganz anders spinnt Klaus Lang aus minimalen musikalischen Gesten und Mikrotönen verhaltene Prozesse besonderer Klarheit, die an östliche Philosophien gemahnen. In Michael Pelzels Komposition Brushing entstehen aus besonderen Wischtechniken, dem Einsatz von Bürsten und dem Zupfen im Inneren des Klaviers geräuschhafte Klänge, Gissandostrukturen und Tonabweichungen bzw. approximative Tonhöhen, die das diatonische temperierte Tonsystem des Klaviers zum Verschwinden bringen und die Limitationen der Tasten zugunsten eines gestischen Spiels im Innenklavier auflösen. Bei Liza Lim ist die mikrotonal anmutende Ton-Verwischung wiederum anders motiviert. Der Titel Ochred String bezieht sich auf rituelle Handlungen in der Kultur der australischen Aborigines, die Lim mehrfach besucht hat. Wenn Haare und Gesicht mit einer bestimmten Ockerfarbe eingerieben werden, entsteht als wichtige ästhetische Qualität ein 'Schimmer', ein Effekt des Glühens, des Flimmerns des Lichts, das mit Transformation und der Verbindung zu spirituellen Zuständen assoziiert ist. Enno Poppe schließlich hebelt in Rad grundsätzlich die Funktion eines Tonsystems aus, indem er als systematische Zusammenfassung seiner jahrelangen Beschäftigung mit Mikrotonalität insgesamt hundert verschiedene Skalen verwendet, manche nur für wenige Sekunden, und durch das ständige Umstimmen einen nahezu unerschöpflichen Tonvorrat möglich macht. Komplex ist für Poppe nicht ein Ereignis selbst, sondern die Vielzahl von Bezugsgrößen. Vielleicht ist hier ja der Multikulturalismus einer globalisierten Welt angedeutet.



Eintritt: € 12,- / 10,-
Tageskarte für beide Konzerte an diesem Abend: € 17,- / 15,-

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