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Abschlußkonzert der "Tage der Auswärtigen Kulturpolitik"
Menschen bewegen - Tage der Auswärtigen Kulturpolitik

Mit den "Tagen der Auswärtigen Kulturpolitik" holt das Auswärtige Amt die Auslandskulturarbeit in die Hauptstadt und zeigt sie in ihrer Vielfalt in der Temporären Kunsthalle Berlin.

Konzertprogramm:

Marcelo Toledo Resplandecencias de la nada (2002) für 7 Instrumente

Luigi Nono Post-prae-ludium Nr. 1 „per Donau“ (1987) für Tuba und Live-Elektronik

Oscar Bianchi Zaffiro (2005) für 4 Instrumente

Olga Neuwirth Musik zu „Symphonie Diagonale“ von Helmuth Viking Eggeling (2007)
für Ensemble und Video

James Tenney Timbres Nr. 1 (1967) für 4 Instrumente

Dmitri Kourliandski Four states of same (2005) für Ensemble und Stimme


Kammerensemble Neue Musik Berlin
Roland Kluttig, Leitung
Boris Filanovsky, Stimme
Robin Hayward, Tuba
Andre Bartetzki / Thomas Bruns, Klangregie
Götz Dihlmann, Technische Leitung

KNM Berlin:
Rebecca Lenton, Flöte
Gudrun Reschke, Oboe
Winfried Rager, Klarinette
Theo Nabicht, Saxophon/Bassklarinette
Naama Golan, Trompete
Matthias Jann, Posaune
Robin Hayward, Tuba
Alexandre Babel, Schlagzeug
Michael Weilacher, Schlagzeug
Tobias Schwenke, Klavier
Karin Schmeer-Rundel, Harfe
Seth Josel, Gitarre
Ekkehard Windrich, Violine
Kirstin Maria Pientka, Viola
Ringela Riemke, Violoncello


Gemischtes Doppel ist das musikalische Ergebnis eines künstlerischen Dialogs, der über einen längeren Zeitraum zwischen den Stipendiaten des Berliner Künstlerprogramms und den Solisten des KNM Berlin geführt wurde. Er spiegelt sich nicht nur in der Konstellation Komponist/Interpret wider, die durch eine gemeinsame, intensive Probenarbeit der Musiker des KNM Berlin mit den aktuellen Gästen Oscar Bianchi, Dmitri Kourliandski und Marcelo Toledo entstand. Auch im Programm setzen sich die dialogischen Momente fort: So treffen Klassiker der Avantgarde wie James Tenney, dessen »Timbres Nr. 1« erst letztes Jahr wiederentdeckt wurde, und Luigi Nono in ihren Werken auf Arbeiten der aktuellen internationalen Komponistengeneration und Olga Neuwirth entwirft einen Soundtrack zur ›Diagonal Symphony‹ des Dadaisten und Experimentalfilmers Viking Eggeling.


Marcelo Toledo

wurde 1964 in Posadas (Argentinien) geboren, lebt in New York. Mitbegründer der Multimedia-Gruppe „Indiklextomink“. Zunächst Gitarrist und Komponist in Santa Fé (Argentinien), wo er an der Universidad Nacional del Litoral Musik studierte. 1992 übersiedelte er in die USA, studierte Komposition an der Syracuse University bei Christopher Hopkins und an der Columbia University bei Tristan Murail, Fred Lerdahl und Jonathan Kramer. Kompositionskurse u.a. bei Helmut Lachenmann und Julio Estrada. Lehrtätigkeit u.a. an der Stanford University, UNAM (Mexiko-Stadt), New York University und Columbia University. 2005/06 betreute er im Rahmen von „Global Interplay“ Konzerte und Veranstaltungen am New Yorker Goethe-Institut. Zu seinen Werken gehören u.a. Para el encuentro en los abismos (2003) für das Ensemble Intercontemporain, die Rundfunkoper De qué modo en lo anónimo (2002) nach einem Text von Juan José Saer für Radio Clásica und die Oper La selva interior (Premiere 2006, Centro Experimental del Teatro Colón, Buenos Aires). Im Auftrag des Südwestrundfunks Stuttgart enstand 2007 Ondulaciones del ahora für die Cellistin Eva Böcker. Derzeit arbeitet Toledo an einem Buch zur Kartierung von Klangtechniken in der Musik des 20. Jahrhunderts.
Im Rahmen seines Aufenthaltes als Gast des Berliner Künstlerprogramms 2009 plant Marcelo Toledo u.a. ein neues Musiktheaterwerk, inspiriert durch die Tagebücher des polnischen Autors Witold Gombrowicz.

Resplandecencias de la nada (2002)
für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello, Klavier, Harfe und Schlagzeug
Ein Bild, hervorgerufen durch ein Gedicht, machte mich staunen. Es ging um die Helligkeit der Luft, um 16.40 Uhr, irgendwo im Süden des Südens. Die Gedanken kamen ohne Worte, eher in Formen und Farben, als Dichteschwankungen unbeschreiblicher Materialien und einige Momente der Stille.
Stille vor einem weit entfernten Hintergrund von Klängen, ähnlich den Klängen, die wir im Traum hören. Wir neigen dazu, an das Nichts zu denken, wenn wir von Stille umgeben sind, aber bald entdecken wir eine ganz neue Welt in ihr. Der Stille am nächsten ist der Zug der Winde, dann unsere Atemzüge und leises Wispern, das sich bald in neue Klangwelten verwandelt…
Zuweilen erweckt eine Ansammlung ferner Geräusche Eindrücke von Farben, Texturen und Formen, die wir schon gehört haben, aber nicht als Musik, nur wie einen fragilen Schleier des Lebens, während wir an einem unbekannten Fluss entlang schreiten.
Um 16.40 Uhr, im Süden des Südens, wandelt sich der Nachmittag zu einer enormen Stimmgabel. Erstarrt wird alles von ihr angezogen, reflektieret das Licht einer wachsenden Macht und lädt uns ein, Teil dieses Ereignisses zu sein…
Ein Strahlen des Nichts, das wieder zur Stille wird, vereinzelten Inseln gleich, Stille mit einem ockergelben Nachklang. Stille, die nie aufhört zu klingen. Was wir Stille nennen, ist die Erinnerung an die Klänge in einem Traum.
Ein Bild, hervorgerufen durch ein Gedicht, machte mich staunen. Jener Erfahrung entsprang diese Musik.
(In Gedenken an Adolfo de Obieta, den Archäologen des Mysteriösen)
Marcelo Toledo


Luigi Nono

wurde 1924 in Venedig geboren, studierte Komposition bei Gian Francesco Malipiero und Bruno Maderna. 1948 lernt er Hermann Scherchen kennen. Durch Scherchen kam Nono 1952 nach Darmstadt, wo die heftig diskutierte Aufführung seiner Variazioni canoniche sulla serie dell' op. 41 di Schönberg stattfand. Bis 1961 blieb er Darmstadt als Studierender und als Lehrender verbunden. 1952 wurde er Mitglied der italienischen Kommunistischen Partei. Die Uraufführung der Kantate Il canto sospeso 1956 in Köln unter Scherchen brachte ihm den europäischen Durchbruch. 1961 formulierte er mit Intolleranza eine neuartige und wegweisende musik¬dramatische Konzeption. In den 1960–70er Jahren war er politisch sehr aktiv. In dieser Zeit und für seinen musikalischen Weg entscheidend war die Begegnung mit den Möglichkeiten der elektroakustischen Musik. Berio und Maderna hatten ihn an das Studio der RAI geholt, wo er 1964 La fabricca illuminata komponierte. 1975–80 entstanden nur wenige Werke. Das Streichquartett Fragmente – Stille, An Diotima (1979/80) markiert dann eine wiederum mit extremen Reaktionen aufgenommene Zäsur und Wende in seinem Leben und Schaffen. In den Werken der folgenden Jahre treten andere Momente in den Vordergrund seines ästhetischen Interesses, am markantesten wohl verkörpert dies Prometeo (1981–85). Nono war 1986–87 Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD, er war Mitglied der beiden Akademien der Künste Berlin, Fellow des Wissenschaftskollegs Berlin (1987) und Professor für Komposition an der Hochschule der Künste (1987/88). Er starb 1990 in Venedig.

Post-prae-ludium Nr. 1 „per Donau“ (1987)
für Tuba und Live-Elektronik
Im Post-prae-ludium „per Donau“ vollzieht sich ein Prozess, der von der Entfaltung verschiedener Klangbänder zum Einzelton führt; dieser wird nicht als Einheit, als eine in sich geschlossene „fensterlose“ Monade verstanden; er ist nicht Ton-Punkt, sondern komplexer Klang. Durch Veränderungen von Lautstärke und Artikulationsweise wird er in Bewegung gesetzt, sprengt seine Hülle und bezieht benachbarte (Mikro)-Intervalle mit ein; dadurch – noch ohne Verwendung der elektronischen Klangmanipulation – wird eine Tiefenperspektive des Klangs realisiert, die das Raum-Element in den zeitlichen Verlauf der Musik einführt. Darüber hinaus ist die aleatorische Komponente zu bedenken. Anders als in den offenen Formen der postseriellen Musik ist Aleatorik weder als Mittel zur freien Gestaltung des Formverlaufs noch als Kunstgriff zur Einführung von Unvorhersehbarkeiten gedacht; sie ist vielmehr Hilfsmittel zur aufführungspraktischen Realisation der „Werkidee“, die sich in der dreifachen Dialektik zwischen Partitur, Solist und Live-Elektronik entfaltet. Denn, wie Nono des öfteren betonte, es muss der Interpret alle elektronischen Klangumformungen mithören und in „real time“ mitverarbeiten. Dabei könnten periphere, zufällige, unvorhergesehene Klangereignisse hervortreten, die jedoch nie aus dem Rahmen des Werkplans fallen. Der Solist, der ohnehin schon zur Werkentstehung beigetragen hat, avanciert zum produktiven Mit-Vollzieher der Werkintention.
Gianmario Borio


Oscar Bianchi

wurde 1975 in Mailand geboren, lebt in New York. Musikalische Ausbildung 1994–2001 (Komposition, Chormusik/Chorleitung, Dirigieren und Elektronische Musik) in Mailand und Bologna, u.a. bei Umberto Rotondi, Adriano Guarneri, Sandro Gorli und Alvise Vidolin; 2003–04 weiterführende Studien (Komposition und musikalische Informatik) am IRCAM in Paris; zahlreiche Meisterkurse und Stipendien. Gegenwärtig studiert er Komposition an der Columbia University, New York. Für seine Komposition Primordia Rerum erhielt er 2005 den Gaudeamus-Preis, 2005–07 war er Fellow des belgischen Ictus-Ensembles. 2007 brachten das Ictus-Ensemble und die Neuen Vocal¬solisten Stuttgart beim Festival Musica in Straßburg die abendfüllende Kantate Matra zur Uraufführung; die Erstaufführung des Konzertstücks Anahata gab das Ensemble Klangforum Wien im Februar 2009. Im Rahmen seines Aufenthaltes in Deutschland als Gast des Berliner Künstlerprogramms 2009 wird Oscar Bianchi u.a. an einer neuen Oper für das Ictus-Ensemble und Theatre et Musique (Paris), an einem Blockflötenquartett für das Berliner Ensemble Quartet New Generation und an einem neuen Werk für das Schlagzeugensemble Les Percussions de Strasbourg arbeiten.

Zaffiro (2005)
für Bassflöte, Bariton-Saxophon, Gitarre und Viola
Die einzigartige Kombination von Bassflöte, Bariton-Saxophon, Gitarre und Viola inspirierte mich zu der Vorstellung eines festen und doch wandelbaren Objektes, ähnlich dem Saphir. Die vier Instrumente verhalten sich wie vier verschiedene Stimmen, sie wechseln zwischen schnellen, rhythmischen Verbindungen und einem üppigen, relativ statischem harmonischem Miteinander. Im ersten Fall werden Bewegung und Aktivität durch die Interaktion von Gesten und lyrischen Spannungen ausgedrückt. Wie ein inneres Pulsieren bestimmt der Rhythmus den Großteil der dialektischen Strukturen. Während des gesamten Stücks scheint der Rhythmus die Bewegung zu polarisieren; alle Linien und Gesten unterliegen gewissermaßen einem rhythmischem Gesetz. Im zweiten Fall (zum Beispiel am Beginn des Stücks) verbinden sich verschiedene klangliche Identitäten zu einem harmonischen Miteinander.
Manchmal zeigt sich in lediglich einer der vier Stimmen bzw. Instrumente, was eigentlich das ganze Ensemble zum Ausdruck bringen wollte; etwa die „schmelzende“ Linie, die gegen Ende des Stücks in der Viola auftaucht, unterstützt durch die Komplizenschaft des restlichen Ensembles.
Zaffiro wurde mit großzügiger Unterstützung des Aargauer Kuratoriums für das Ensemble Cattral komponiert.
Oscar Bianchi


Olga Neuwirth

geboren 1968 in Graz (Österreich), studierte am Conservatory of Music San Francisco Komposition und besuchte das dortige Art College (Malerei und Film). Kompositionsstudium und Studien zur Elektroakustik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Wien. Wesentliche Anregungen erfuhr sie durch die Begegnungen mit Adriana Hölszky, Tristan Murail, Luigi Nono sowie mit der Schriftstellerin Elfriede Jelinek. 1996 war Olga Neuwirth Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.
Porträtkonzerte bei den Salzburger Festspielen 1998. Erfolgreiche Uraufführung des Musiktheaters Bählamms Fest (Libretto: Elfriede Jelinek) bei den Wiener Festwochen 1999. Weltweite Tournee des für Pierre Boulez und das London Symphony Orchestra geschriebenen Werkes Clinamen/Nodus. 2003 Uraufführung des Musiktheaters Lost Highway nach dem gleichnamigen Film von David Lynch. 2002–05 Performances, Theater- und Filmmusiken. Uraufführung des Trompetenkonzerts …miramondo multiplo… für die Wiener Philharmoniker und Pierre Boulez mit dem Solisten Håkan Hardenberger bei den Salzburger Festspielen 2006. 2007 Teilnahme an der documenta 12 in Kassel. Uraufführung der Musik zur Symphonie Diagonale von Helmuth Viking Eggeling im Rahmen des Ultraschall-Festivals in Berlin. 2008 Auszeichnung mit dem Heidelberger Künstlerinnenpreis. 2009 Filmmusik zu Das Vaterspiel von Michael Glawogger. South Bank Show Award 2009 für Lost Highway (Produktion der English National Opera im Young Vic).

Musik zu „Symphonie Diagonale“ von Helmuth Viking Eggeling (2007)
für Ensemble und Video
Helmuth Viking Eggeling war einer der führenden Stummfilm-Experimentatoren. Der Film sollte bewegte Malerei sein, eine „Bewegungskunst“. Er arbeitete mit sogenannten Rollenbildern, langen Papierstreifen, auf denen er in einzelnen Bildern geometrische Muster aufzeichnete. Auf diese Weise entstand 1919 Horizontal-Vertikal-Orchester. Die 1924 entstandene Symphonie Diagonale gilt als ein Meisterwerk des Experimentellen Films. Es ist eine Filmkomposition wiederkehrender bewegter Lichtstreifen, Linien und Diagonalen. Gedreht in Einzelbildern erinnert dieser Film an bewegte Malerei, deren Formen mit Lineal und Zirkel entstanden. Was die Malerei nicht erreichen kann – zeitliche Verläufe und Veränderungen geometrischer Figuren direkt darzustellen – gelingt dem Regisseur, der selbst die Uraufführung seines Films nicht überlebte, in imposanter Weise: ein mobiles Gemälde.
Die österreichische Komponistin Olga Neuwirth hat sich schon früh mit dem Verhältnis zwischen Musik und bewegtem Bild beschäftigt. Vor Jahren sagte sie in einem Rundfunkporträt, sie glaube nicht an synästhetische Verbindungen, denn das Bild bleibe immer stärker als die Musik. Nur wenn beide Sphären unabhängig voneinander gedacht würden und aufeinander prallen könnten, dann entstehe etwas Neues. Erfolgversprechender als die synästhetische Verschmelzung scheint ihr die Adaption von filmischen Montagetechniken zu sein. Vorbild für den musikalischen Schnitt war damals die Nouvelle Vague, die mit ihren artifiziellen Bildsprüngen „eine Struktur zerreiße“. Eine solche „Dynamik des konstanten Zerstörens“ gelte es zu schaffen – und an dieser Grundhaltung hat sich prinzipiell wenig geändert. Olga Neuwirth hat seitdem immer wieder die Grenzen zwischen den künstlerischen Gattungen überschritten und Sphären miteinander in Beziehung gebracht oder aufeinanderprallen lassen. Ihre von Deutschlandradio Kultur und dem Ensemble ascolta in Auftrag gegebene Musik zu Viking Eggelings Symphonie Diagonale fügt dem filmischen Meisterwerk eine ganz eigene musikalische Dimension hinzu.
Nina Goslar


James Tenney

wurde 1934 in Silver City, New Mexiko, USA, geboren. Tenney wuchs in Arizona und Colorado auf, wo er seinen ersten Klavier- und Kompositionsunterricht erhielt. Er besuchte die Universität von Denver, die Juilliard School of Music, das Bennington College und die Universität von Illinois. Er wurde u.a. von Eduard Steuermann am Klavier ausgebildet und erhielt Kompositionsunterricht bei Edgard Varèse und John Cage. Er war Mitbegründer und Dirigent des Tone Roads Chamber Ensemble in New York City (1963–70). Auf dem Gebiet der elektronischen Musik und Computermusik gehört er zu den Pionieren und arbeitete in den frühen 1960er Jahren u.a. mit Max Matthews in den Bell Telephone Laboratories an der Entwicklung von Software für Klangsynthese und Komposition. Tenney komponierte sowohl für Instrumente als auch für elektronische Klangerzeuger, wobei viele davon alternative Stimmungssysteme verwenden. Er ist Autor zahlreicher Artikel über musikalische Akustik, Computermusik und musikalische Form und Wahrnehmung. 1993–94 war er Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Er lehrte am Polytechnic Institute of Brooklyn, an der University of California, der York University in Toronto und am California Institute of the Arts. 2006 starb er im Alter von 72 Jahren in Kalifornien.

Timbres Nr. 1 (1967)
für Flöte, Oboe, Klarinette und Tuba
Die Komposition Timbres Nr. 1 (1967) für vier beliebige Instrumente wurde erst vor kurzem wiederentdeckt und durch das Kammerensemble Neue Musik im November 2008 bei der Berliner „3. Kulturradio Galerienwanderung im Rahmen von ohrenstrand.net“ uraufgeführt.


Dmitri Kourliandski

wurde 1976 in Moskau geboren, studierte Komposition am Moskauer Konservatorium und absolvierte anschließend ein Aufbaustudium bei Leonid Bobylev. Er besuchte Meisterkurse u.a. bei Louis Andriessen, Brian Ferneyhough und Luca Francesconi. Kourliandskis Kompositionen wurden mit mehreren Preisen ausgezeichnet, u.a. erhielt er den Grand Prix beim Internationalen Gaudeamus-Wettbewerb 2003. Seine Musik wurde bei internationalen Festivals gespielt, u.a. bei den Donaueschinger Musiktagen, bei der MaerzMusik (Berlin) und bei der Biennale Di Venezia. Zu den Interpreten seiner Musik gehören russische und europäische Orchester und Ensembles, u.a. das Klangforum Wien, das ASKO Ensemble, das Schönberg Ensemble, Aleph, die Slagwerkgroep Den Haag und das Ensemble Integrales. Dmitri Kourliandski ist Mitglied der russischen Komponistenvereinigung, Gründer und Herausgeber der russischen Zeitschrift Tribuna Sovremennoj Muzyki (Tribüne der Zeitgenössischen Musik) sowie Mitbegründer der Structural Resistance Group (StRes). 2008–09 ist Dmitri Kourliandski Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. 2010 wird er Composer-in-residence des Ensembles 2e2m in Frankreich sein.

Four states of same (2005)
für Stimme und sechs Instrumente (computergenerierter Text)
Teil des Projektes „Orthography“ der Structural Resistance Group (StRes)

Ist Musik eine Sprache? Oder ein Text?
Ist eine „Klangbotschaft“ möglich?
Was sind ihre Besonderheiten?
Wie muss ein moderner Worttext beschaffen sein, um Zustand und Entwicklung der musikalischen Sprache angemessen abzubilden?
Wir haben keine Antworten. Wir können lediglich Fragen stellen.
Klar ist nur, dass musikalische Sprache in jüngerer Zeit auf ernst zu nehmende Hindernisse trifft. Und diese Hindernisse hängen irgendwie mit der Abnutzung der Wortsprache zusammen, mit ihrem Altern und ihrer Transformation unter dem Einfluss der neuen Medien. Die Verbindung von Wort und Musik ist nicht mehr der natürliche Zustand von Wort und Musik. Vielleicht kann heutzutage diese Verbindung mithilfe einer experimentellen Interaktion wieder hergestellt werden.
StRes


Boris Filanovsky wurde 1968 in Leningrad, heute St. Petersburg, geboren. 1995 Abschluss des Kompositionsstudiums am Rimski-Korsakow-Konservatorium Petersburg bei Boris Tischenko. 1998 Musikinformatikstudium am IRCAM (Paris). Meisterkurse für Komposition bei Louis Andriessen, Paul-Heinz Dittrich und beim Arditti-Quartett. 2003 gewann Filanovsky den Irino-Kammermusikpreis in Tokio, 2005 war er Finalist des 3. Internationalen Kompositionswettbewerbs in Seoul. 2006 Stipendium des Djerassi Resident Artists Program. Mitbegründer der Structural Resistance Group (StRes). Seit 2000 künstlerischer Leiter des eNsemble des Pro Arte Instituts Sankt Petersburg. Er leitet dort seit 2003 das Programm „Neue Musiktechnologien“ sowie das von ihm gegründete Festival für Neue Musik „Pythische Spiele“. Zu den Interpreten seiner Musik zählen das Schönberg Ensemble, Nieuw Ensemble Amsterdam, Moscow Contemporary Music Ensemble, Studio Neue Musik Moskau, Orkest De Volharding, Musica Aeterna, Da Capo Chamber Players, Avanti! Chamber Orchestra. Boris Filanovski lebt in St. Petersburg.

Der Tubist Robin Hayward wurde 1969 in Brighton geboren und lebt seit 1998 in Berlin. Er studierte Tuba und Komposition am Royal Northern College of Music und an der University of Manchester. Seine Spezialität sind neue Klangwirkungen auf der Tuba durch Mikrointervalle, nichttemperierte Stimmung und Geräusche, die er in eigenen Kompositionen verwendet und die u.a. von Alvin Lucier und Christian Wolff verwendet wurden. Er trat solistisch bei den Festivals von Donaueschingen und Huddersfield, den Wiener Festwochen, beim Asia Pacific Festival und bei den Ostrava Days auf. Er arbeitete mit Marc Sabat und dem Plainsound Orchestra zusammen und ist Mitglied im Kammerensemble Neue Musik Berlin sowie im Septett Phosphor. 2005 gründete er das Ensemble Zinc & Copperworks, mit dem die Spielmöglichkeiten von Blechblasinstrumenten weiter erforscht werden.

Das Kammerensemble Neue Musik wurde Ende der 1980er Jahre von Juliane Klein, Thomas Bruns und weiteren Studenten der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin gegründet. Es widmet sich neben der traditionellen Konzertform insbesondere experimenteller, szenischer Musik und dem Musiktheater, wobei die ständige Erweiterung der klanglichen Möglichkeiten zum festen Bestandteil der Arbeit des Ensembles gehört, wie auch Projekte im Bereich der Installation und Performance. In den 1990er Jahren entwickelte das KNM Konzertinstallationen (u.a. mit Peter Ablinger, Nicolas Collins, Ana Maria Rodriguez) und arbeitete mit Regisseuren wie Jan Lauwers, Ingrid von Wantoch Rekowski und Xavier Le Roy zusammen. Wichtige Impulse kamen auch aus der Zusammenarbeit mit Komponisten wie Mark Andre, Richard Barrett, Pierluigi Billone, Beat Furrer, Georg Katzer, Helmut Lachenmann, Chris Newman, Helmut Oehring, Salvatore Sciarrino oder Dieter Schnebel sowie durch das Engagement der Dirigenten Beat Furrer, Peter Rundel und Roland Kluttig. Das KNM Berlin kooperiert mit Partnern wie Akademie der Künste, Berliner Festspielen, Konzerthaus Berlin, Ultraschall Festival. Das Ensemble realisierte Rundfunkaufnahmen und gastiert in wichtigen Musikzentren, z.B. in Brüssel, Buenos Aires, Frankfurt, Kopenhagen, Köln, London, Strasbourg, Toulouse, Wien und New York. Das KNM Berlin ist Partner im ohrenstrand.net, das durch das Netzwerk Neue Musik, einem Förderprojekt der Kulturstiftung des Bundes, gefördert wird.

Roland Kluttig, 1968 in Radeberg geboren, studierte an der Dresdner Musikhochschule und arbeitete anschließend mit Dirigenten wie John Eliot Gardiner, Peter Eötvös, Sylvain Cambreling und Lothar Zagrosek zusammen. In den 1990er Jahren Leitung des Kammerensembles Neue Musik Berlin. 2000–04 leitete er an der Stuttgarter Staatsoper u.a. eine CD-Produktion von Schönbergs Moses und Aron und Vorstellungen von Don Giovanni, Don Carlos, Morton Feldmans Neither und Helmut Lachenmanns Das Mädchen mit den Schwefelhölzern. Mit einem Repertoire vom Barock bis zur neuesten Musik Zusammenarbeit mit u.a. Rundfunk-Sinfonieorchester Stuttgart, Frankfurt, Berlin, Freiburg und München, Deutsches Sinfonieorchester, Konzerthausorchester Berlin, Dresdner Philharmonie, Residentie Orkest den Haag, Klangforum Wien, Collegium Novum Zürich, Norrlandsoper in Schweden. Mit dem KNM hat er sich immer wieder ausgewählten Komponisten gewidmet: u.a. B. A. Zimmermann (Musikbiennale 1995), Edgard Varèse (Berliner Festwochen 2000) und Hanns Eislers Filmmusik.


Die "Tage der Auswärtigen Kulturpolitik" finden anlässlich der 2. Kulturkonferenz des Auswärtigen Amts "Menschen bewegen - Kulturpolitik im Zeitalter der Globalisierung statt".

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