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Mathias Énard, Lukas Bärfuß und Michael Kleeberg im Gespräch

Moderation: Barbara Wahlster
Der französischen Schriftsteller Mathias Énard hat mit seinem Roman „Zone“ (dt. 2010 von Holger Fock und Sabine Müller) eine moderne kriegsgetränkte „Ilias“ des 20. Jahrhundert vorgelegt, die Bestandsaufnahme einer mörderischen Epoche, mit der er eine so wortgewaltige wie gewalttätige Gegengeschichte zu unserer schönen Idee eines friedliebenden und Frieden bringenden Okzidents geliefert hat. Raum und Zeit, Mythen und Fakten, Kriege und griechische Göttersagen durchkreuzend und ineinander verwebend, legt Mathias Énard – beginnend von den Trojanischen Kriegen über die Leichenberge der ermordeten Juden bis hin zu den heutigen Auseinandersetzungen in Palästina – wie ein Archäologe das verdrängte Fundament unserer Gegenwart frei: „Steinhaufen die auf ebenso viele Gräber Leichengruben Massengräber hinweisen auf eine neue Karte ein anderes Netz von Spuren Straßen Schienen Flüssen die nach wie vor vergessene verehrte anonyme oder in der großen Geschichtsrolle verzeichnete Leichen Überreste Bruchstücke Schreie Gebeine mit sich führen.“ Doch mit dem Ende des 20. Jahrhundert ist die Epoche der Gewalt noch längst nicht vorbei, die Kriege in Syrien, Irak oder auf dem afrikanischen Kontinent zeigen dies. Was vermag die Literatur angesichts der Gewalt? Wie läßt sich mit literarischen Mitteln von ihr erzählen? Und worin liegt die spezifische Kraft der Literatur – angesichts der Tatsache, dass wir Sujet der Geschichte sind: Subjekt und Objekt, Opfer und Täter zugleich? Hierüber spricht Mathias Énard mit dem schweizerischen Autor und Dramatiker Lukas Bärfuß, der mit „Hundert Tage“ (2008) ein Buch über den Völkermord in Ruanda geschrieben hat, einen Roman über einen Schweizer Entwicklungshelfer, der vier Jahre in dem afrikanischen Land verbringt und schuldig wird, als der Bürgerkrieg einsetzt, und dem deutschen Schriftsteller Michael Kleeberg, dessen Roman „Das Amerikanische Hospital“ (2010) die Geschichte eines an posttraumatischem Belastungssyndrom leidenden amerikanischen Soldaten und einer französischen Pazifistin, die durch künstliche Befruchtung schwanger zu werden versucht, ins Zentrum rückt.

Eine Veranstaltung des Berliner Künstlerprogramms des DAAD und des Deutschen Theaters Berlin in Kooperation mit dem Bureau du Livre der Französischen Botschaft.

Eintritt: 8,--

Foto: Krzysztof Zielinski

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