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Künstlergespräch und Finissage mit Judy Radul, Mini-Vorlesung Teletextual” von Alice Honor Gavin (Fellow des ICI Kulturlabor)
Für ihre erste Einzelausstellung in Deutschland hat Judy Radul in der daadgalerie eine raum-spezifische Installation konzipiert, die in einem komplexen Zusammenspiel von Film, Video, Fotografie und skulpturalen Elementen das zunehmend als obsolet geltende Medium Fernsehen thematisiert.

This is Television - der affirmative Ausstellungstitel suggeriert eine deutliches Statement und ist doch zugleich höchst ambivalent. Sicher erschließt sich nicht auf den ersten Blick, inwiefern eine verspiegelte Fensterfront, eine 16mm Filmprojektion, die neben einem Mondaufgang und –untergang Keramikgefäße im bläulich flackernden Licht zeigt, Hinweise auf das Medium geben können. „Bevor in den 1930er Jahren das Fernsehen allmählich Verbreitung fand, war es der Mond, den die Menschen überall auf der Welt gemeinsam betrachteten. 1969 sahen dann etwa 600 Millionen Menschen die erste bemannte Mondlandung im Fernsehen,“ schreibt Judy Radul in den Notizen zu ihrem Ausstellungsprojekt und öffnet so eine erste Assoziationskette: Mond, Licht, Spiegel, Reflexion, die sie in ihrem Film This is Television mit verfremdeten Textzitaten aus Walter Benjamins Berliner Kindheit um 1900 verknüpft.

Die krude Gleichzeitigkeit dreier Fernsehbilder der frühen Neunzigerjahre hingegen wird in einer großformatigen, auf eine Billboard-ähnliche Konstruktion montierten Fotoarbeit dargestellt: Ein Bild aus dem ersten Golfkrieg, der im Januar 1991 aus Saudi-Arabien mit seinem Sender CBS telefonierende Nachrichtenkorrespondent Bob Simon, wird überlagert von einem Still aus der Gameshow The $100,000 Pyramid sowie einer Szene, die David Lynch in der Talkshow Late show with David Letterman zeigt. Der Schriftzug „Things in the air“, ein Zitat einer Aufgabe aus der Gameshow, wird in diesem Kontext zu einem gleichermaßen poetischen wie politischen Statement: geht es um die geisterhaften Erscheinungen aus den vergangenen Fernsehbildern, die Militärflugzeuge im Golfkrieg oder um all das was einmal „on air“ gesendet wurde?

Auf einem an der Wand montierten Flatscreen werden ähnlich hybride Bilder gezeigt, generiert aus den live übertragenen Bildsignalen der Fernseh-/Videoskulptur im zweiten Raum: ein von Sven Lütticken kuratiertes „Fernsehprogramm“ aus Künstlervideos wird hier den per Fernbedienung anwählbaren Programmen des deutschen Fernsehens gegenübergestellt. Die Künstler reflektieren auf einer Metaebene über das mediale Wesen des Fernsehens, persiflieren seine Formate, nutzen es für eigene aktivistische Zwecke oder analysieren seine Produktionsbedingungen. Das 7-stündige Videoprogramm, mit Beiträgen von Alexander Kluge, Hito Steyerl, Harun Farocki, General Idea, Gregg Bordowitz, Wim T. Schippers & Willem de Ridder, Sean Snyder, Eran Schaerf & Eva Meyer, Cordula Kablitz Post & Christoph Schlingensief und Christian Jankowski ist permanent in der Ausstellung zu sehen. Mittels eines speziell erstellten Computerprogramms sieht man auf dem Flatscreen, wie das Fernsehprogramm vom Rhythmus der Bildsignale der Künstlervideos „kontrolliert“ wird.

Die Ausstellung This is Television behauptet keinesfalls, das Medium Fernsehen zu erklären, sondern sie präsentiert einen individuellen künstlerischen Blick, der sich aber selbstredend aus einer kollektiven Erfahrung speist. Die von Radul verwendeten Versatzstücke aus der TV-Welt thematisieren dabei gleichermaßen das Fernsehen als ideologische Waffe, den damit verbundenen Überdruss wie auch die starke Identifikation und Nostalgie, die mit verschwindenden Medien verbunden ist. „Es ist klar, dass das Fernsehen klein begonnen hat und groß endete. Via Satellit übertragen, bewegte es sich über den Himmel. Auf eindring-liche Weise schien es die Kolonisierung unseres „Innenlebens“ durch kommerzielle Interessen widerzuspiegeln. Es ging eine so enge Verbindung mit dem Krieg ein, dass man nicht umhin kommt, es als Waffe zu begreifen. Andererseits stand es in unseren Wohnzimmern und wir kamen nach Hause zu seiner elektronischen Präsenz. Es war ein Fenster, eine Ebene, ein Horizont. Ich bin mir nicht sicher, was Fernsehen wirklich war. Wie viele andere Technologien war es eine Ansammlung von Teilen, eine Sichtweise, eine Gewohnheit und ebenso sehr ein Wesen.“ (J.Radul)

Mit freundlicher Unterstützung der Botschaft von Kanada.

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