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Freitag, 30.11. 2012, 19.30 h
(in Englischer Sprache)

Armando Andrade Tudela
UNSCH/URP
3.11.-8.12. 2012
Im Zentrum der Ausstellung „UNSCH/URP“ stehen die gleichnamige Publikation und der Film „UNSCH/ Pikimachay“ (2012). Der Film zeigt verschiedene architektonische Räume innerhalb der Universidad Nacional San Cristóbal de Huamanga (UNSCH) in Ayacucho, Peru, die der subversiven Gruppe „Leuchtender Pfad“ in ihrer Formierungsphase in den 1960er und 70er Jahren als Forum dienten. Dieser Spurensuche werden Aufnahmen der archäologischen Stätte Pikimachay in den Zentral-Anden – eine der frühesten menschlichen Siedlungen der Region und Sinnbild für frühes Gemeinwesen – gegenübergestellt. Die Publikation „UNSCH/URP“ bildet den Recherchehintergrund zum Film. Darin finden sich Interviews mit Zeugen aus der Gründungszeit des „Leuchtendes Pfades“ an der UNSCH sowie mit Mitgliedern des Architektenkollektivs „Las Bestias“, die für ein Bildungsexperiment an der Universidad Ricardo Palma (URP) in Lima zur Zeit der Explosion des Terrorismus in Peru Mitte der 1980er Jahre verantwortlich zeichnen.

In dem Gespräch mit dem Kurator Max Hernández Calvo, dem Künstler Thomas Locher und Armando Andrade Tudela soll der in Film und Publikation auf unterschiedliche Weise behandelte historische Kontext näher beleuchtet werden: von der Formierungsgeschichte der subversiven Gruppe „Leuchtender Pfad“ an der UNSCH in Ayacucho bis zum späteren, real ausgeübten Terror der maoistischen Gruppe und seiner Resonanz in der peruanischen Gesellschaft – u.a. bei der Jugend, in Subkultur und Kunst. Bereits seit längerem recherchiert Andrade Tudela die Entstehungskontexte von politischen und künstlerischen Kollektiven, wie die Architekten-Gruppe „Las Bestias“, sowie wegweisende Avantgarde-Momente in Europa und Lateinamerika, durch die sich noch nie Dagewesenes ankündigt.

Darüberhinaus wird Armando Andrade Tudelas filmisches Werk Thema der Diskussion sein. Tudelas Filme sind häufig Annäherungen an bestimmte Räume oder Orte und deren soziale Funktion. Diese werden regelrecht mit der Kamera eingekreist, abgetastet und vermessen. Dabei gilt Andrade Tudela die Aufzeichnung eines Raums immer auch als ein Schritt in Richtung Abstraktion, als ein Versuch der Entgegenständlichung, bei dem die Spiegelung zwischen dem Gegenstand des Films und der Ordnung, die durch die Kamera implementiert wird, genauso wichtig ist wie der Gegenstand selbst. So verzichtet Andrade Tudela auch in „UNSCH/Pikimachay“ auf direkte Verweise auf die gewalttätige Geschichte des „Leuchtenden Pfads“ oder einen direkten politischen oder historischen Kommentar. Vielmehr stehen auch hier die konkreten historischen Orte im Zentrum der Untersuchung: Jene architektonischen Räume, die als entscheidende Versammlungsorte und Bühnen der ideologischen und symbolischen Repräsentation in der frühen Entwicklung der Gruppierung in den 1960er und 1970er Jahren.

Max Hernández Calvo ist freier Kurator, Kunstwissenschaftler und außerordentlicher Professor der Kunstfakultät der Pontificia Universidad Católica del Perú. Er hat umfassend zur zeitgenössischen Kunst in Lateinamerika, den USA und Europa publiziert. U.a. ist er Co-Autor einer Publikation über zeitgenössische peruanische Kunst („Franquicias Imaginarias“, 2002). In 2005-07 erhielt er das Cisneros Foundation Stipendium für lateinamerikanische Kuratoren. Seit einigen Jahren ist er mit Bildungs-und Forschungsprojekten zu kulturellen und kreativen Industrien, sozialer Verantwortung in den Künsten und in der Kunstförderung in den USA und in Spanien beschäftigt. Max Hernández Calvo lebt und arbeitet in Málaga, Spanien, und in Lima, Peru.

Thomas Locher (geb. 1956 in Munderkingen, lebt in Berlin) ist durch seine raumgreifenden Textarbeiten und Installationen international bekannt geworden. Sein Werk ist richtungsweisend für die neo-konzeptuelle Kunst in Deutschland. Er beschäftigt sich seit Jahren konsequent mit prinzipiellen Grundlagen, wie der grammatikalischen Ordnung von Sprache und der Komplexität ihrer Funktionsweise, Gesetzestexten oder Ökonomie, Grundlagen, die unumstößlich wirken, aber dennoch über eine Portion Fiktionalität verfügen. Thomas Locher stellte weltweit aus, u. a. in der Tate Gallery, Liverpool (1989), im Museum of Contemporary Art, Sidney (1992), im Museum of Modern Art, Saitama/Japan (1994), in den Deichtorhallen, Hamburg (2004) und im Museum of Modern Art, New York (2006).

Armando Andrade Tudela (geb. 1975 in Lima, Peru, lebt in Berlin) hat an der Pontificia Universidad Católica in Lima und am Royal College of Arts in London studiert. In Lima war er an dem Künstlerraum und -kollektiv "Espacio la Culpable" beteiligt. 2004/ 05 war er Stipendiat der Jan Van Eyck Akademie in Maastricht. Andrade Tudela hatte Einzelausstellungen am MACBA in Barcelona und im FRAC Bourgogne (2010), in der IKON Gallery in Birmingham (2009), in der Kunsthalle Basel und im Frankfurter Kunstverein (2008). Er hat an mehreren Biennalen, wie z.B. der Lyon Biennale 2007, und internationalen Gruppenausstellungen, z.B. im Walker Art Center in Minneapolis (2007) und im MACBA in Barcelona (2009) oder in der Gallery of Modern Art, Brisbane (2010-11) teilgenommen. 2008/ 09 war er Gast des Berliner Künstlerprogramm/ DAAD.

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