Mona Vătămanu und Florin Tudor
Ausstellung, daadgalerie
2.6.-7.7.2012
Eröffnung: 1.6., 19-21h

Immer wieder wenden sich Mona Vătămanu und Florin Tudor in ihren Installationen, Performances oder Videos der Stadt und der Architektur zu, insbesondere den hier kondensierenden Spuren der Vergangenheit. In Lücken und Rissen im urbanen Gefüge spüren sie die Wunden der Geschichte auf und beleuchten die Frage nach dem gegenwärtigen Leben in einer Architektur, die immer noch von der Ideologie jenes toten Systems erzählt, in dessen Geiste sie einst errichtet wurde. In ihrer langjährigen Auseinandersetzung mit dem Erbe des real in Unterdrückungs- und Ungerechtigkeitssystemen existierenden Sozialismus geht es jedoch nicht nur um die Aufarbeitung verdrängter Geschichte, sondern immer auch um die veränderten Bedingungen der Gegenwart: um die politische und ökonomische Situation nach dem Systemwechsel und dem Leben unter der Herrschaft eines allumspannenden Kapitalismus.
Ausgehend von Motiven der Architektur und des Urbanismus verbinden Vătămanu und Tudor abstrakte Geschichte und Erinnerung in poetischen Akten und performativen Gesten. Soziale oder politische Fragen werden nicht direkt in Bildern oder Formen wiedergegeben, also keine bestimmte Lesart vorgegeben, sondern der fiktionale und konstruierte Charakter der Darstellung unterstrichen. Performative Gesten und Bruchstücke von Geschichten verorten sie oft in widersprüchlichen zeitgeschichtlichen Narrativen, wodurch ein politischer Kontext überhaupt erst sichtbar und seine Analyse möglich wird.
Die Ausstellung „The order of things“ führt mehrere neue, in Berlin entstandene Arbeiten zusammen. Darunter die Filme „Olympia“ (2010-12) und „The order of things“ (2011-12) (beide 16mm und andere Formate/ DVD), die zusammen mit dem bereits auf der Venedig Biennale 2011 gezeigten und dieses Jahr auf dem Filmfestival in Oberhausen besonders erwähnten Film „Rite of Spring“ (8mm/DVD) in einer Film-Installation präsentiert werden. „Rite of Spring“ zeigt ein typisches Kinderspiel des Frühlings auf den Straßen von Bukarest, das ein gefährliches und revolutionäres Potential zu bergen scheint. Gefilmt wurde es in noch unsanierten Straßenabschnitten im Zentrum von Bukarest, nahe Ceauşescus Volkspalast, dem Ort des heutigen rumänischen Parlaments. In den neuen, in Berlin entstandenen Arbeiten „Olympia“ und „The order of things“ wird ausgehend von der Frage, in welchem ideologischen Moment wir uns heute befinden, die Welt als komplexe Verwicklung von miteinander in Konkurrenz tretenden Realitäten verstanden: In dem Film „Olympia“ werden – u.a. vor der Kulisse des Berliner Olympiastadions – abstrakte Bilder von Körperbewegung im architektonischen, urbanen Raum mit Aufnahmen von Menschenprozessionen, die in unterschiedlicher Mission unterwegs sind, zusammengebracht. In „The order of things“ verbinden Vătămanu und Tudor Eindrücke erlebter Realität mit symbolischen Formen und Metastrukturen. Ausgangspunkt sind verschiedene Aufnahmen aus Berlin, der Versuch, aus einem Globus eine Pyramide zu machen, sowie ein Gedicht des simbabwischen Lyrikers Chirikure Chirikure. Einen weiteren Teil der Ausstellung bildet eine raumgreifende Soundinstallation, die das filmhafte Erleben einer alltäglichen Begebenheit in Berlin hervorruft („Film“, 2012).
Foto: Krzysztof Zielinski
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