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Jennifer Bornstein
"New Waves"

Ausstellung
daadgalerie

Eröffnung: Freitag, 20.4., 19-21h
Jennifer Bornsteins künstlerische Arbeit zeugt von einem experimentellen Interesse an unterschiedlichen und wechselnden künstlerischen Techniken. Immer wieder riskiert es die Künstlerin, sich neue Techniken anzueignen und in ihre Arbeit zu integrieren. In der Einzelausstellung „New Waves“ führt Bornstein verschiedene neue Projekte zu einer installativen Inszenierung zusammen. Darunter eine Videoarbeit, die auf einem
von Bornstein verfassten Radio-Text auf Jiddisch für eine polnische Radiosendung basiert, sowie Druckgrafik, die teils aus experimentellen, von der Künstlerin selbst entwickelten Druckverfahren hervorgeht.

Jennifer Bornstein ist einerseits für ihre frühen, konzeptuellen, auf Performances basierenden Videos, 16mm Filme und Fotografien bekannt. Bezeichnend für die frühen Arbeiten sind das Video „Collectors’ Favorites“ (1994), das den Auftritt der Künstlerin als leidenschaftliche Sammlerin von Fast Food Verpackungsmüll in einer bekannten Radio Show dokumentiert, oder die Fotoserie „Public Libraries and Basektball Courts“ (1996-98), für die sich Bornstein in Gesichtsausdruck, Gestik und Haltung u.a. präpubertären Jungs aus der Nachbarschaft annähert, mit denen zusammen sie sich porträtiert.

Seit einigen Jahren hat sich Jennifer Bornstein zusätzlich zu Fotografie, Video und 16-mm Film anderen Bereichen der seriellen Bildproduktion zugewandt, z.B. verschiedenen manuellen Drucktechniken. Schön früher interessierte sie sich für die Fühlbarkeit veralteter Technologien. Sie verwendete Film und lärmende Projektoren im Zeitalter der gedämpften und versteckten Videoprojektoren. Special Effects wurden in der Ära digitaler Wunder durch den erfinderischen Einsatz von Haushaltsgegenständen erzeugt. Durch die Verwendung manueller Drucktechniken wurden selbst ihre Skizzen tastbar. Anstatt Bleistiftstriche aufs Papier zu bringen, bevorzugt sie die Radierung, eine Technik, die ihre Blütezeit vor fünfhundert Jahren hatte. Ein leiser Humor verbirgt sich hinter Bornsteins, im arbeitsreichen manuellen Prozess erzeugten, Radierungen und Kupferstichen, die momenthafte Szenen wiedergeben - ganz im Widerspruch zum Aufwand ihres Herstellungs-prozesses. Die Radierungen dienen Bornstein oft als Skizzen für Filmprojekte und werden dann gemeinsam mit Filmen präsentiert. Zu diesem Zweck schafft Bornstein Ausstellungsdisplays, die das Verhältnis zwischen Betrachter und Werk ins Blickfeld rücken und die einzelnen Werke zu Requisiten in einer bühnenhaften Inszenierung werden lassen.

Auch in der daadgalerie schafft Bornstein ein Ausstellungsdisplay, dass ihre neuen Arbeiten zu Betrachter und Ausstellungsraum ins Verhältnis setzt. Hintergrund für die in „New Waves“ versammelten Arbeiten ist Bornsteins Beschäftigung mit populärer und kommerzieller Alltagssprache und mit Bildern der alltäglichen Umgebung - ganz im Sinne der Pop Art – sowie ihre Sammelleidenschaft, die hier in eine sprachliche Kategorisierung und teilweise Fetischisierung alltäglicher Eindrücke mündet. Eine Serie von Siebdrucken geben die Wort-Sammlungen der Künsterin wieder – streng sortiert in Spalten und nach selbstgewählten Kategorien. Eine ortsspezifische Installation beinhaltet einen großflächigen Druck, der vom Fußboden der Galerie gemacht wurde. Die Videoarbeit, die der Ausstellung den Titel liefert, basiert auf einem Radio-Text, den Bornstein für eine polnische Radiosendung verfaßt und in Jiddisch aufgenommen hat. Die aus dem Alltag zu verschwinden drohende, ehemalige Alltagssprache wird hier dazu verwendet, von Bornstein aufgenommene oder gefundene Schnapschüsse aus der alltäglichen Umgebung zu beschreiben, die besondere Faszination ausüben und gleichzeitig als Symptome unserer Zeit gelesen werden können.

Bornstein verwendet subtile Methoden, um mit unserer Wahrnehmung zu spielen – vor allem mit jener Art von Wahrnehmung, die vorgefasste Vorstellungen miteinbezieht –, fasziniert von der Tatsache, dass 80% dessen, was wir sehen, nicht das ist, was wir mit unseren Augen wahrnehmen, sondern das, was bereits in unseren Erinnerungen gespeichert ist.

Jennifer Bornstein (geb. 1970 in Seattle, Washington), lebt und arbeitet in Berlin. Bornstein hat an Ausstellungen in zahlreichen internationalen Institutionen teilgenommen, z.B. im Contemporary Art Museum, St. Louis, (2012), im San Francisco Museum of Modern Art (2011), im Hammer Museum, Los Angeles (2011), im CCA Wattis, San Francisco (2008) und an der 2. Moskau Biennale (2007). Sie hatte Einzelausstellung im Stedelijk Museum, Amsterdam (2011) und im Museum of Contemporary Art, Los Angeles (2005). Bornstein war u.a. Teilnehmerin des Whitney Independent Study Program und hat, neben anderen Universitäten, seit 2003 an der Yale University als Gastprofessorin gelehrt. 2010/11 war Jennifer Bornstein Gast des Berliner Künstlerprogramms.


Foto: Krzysztof Zielinski

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