Gäste Profil Veranstaltungen Chronik Bewerbung
Kontakt/Impressum
Publikationen
Newsletter
Blog andere Programme
Streichquartett Op.1 (2010) ist eine neue, 4-kanälige Installation auf Monitoren von Tim Lee, die während seines Aufenthaltes in Berlin entstanden ist. Tim Lees Projekt basiert auf dem Streichquartett Op.1 von Glenn Gould, der einzigen bedeutenden, doch wenig bekannten Komposition des legendären Pianisten, dessen unkonventionelle Methoden, künstlerischen Brüche und Sinneswandel Lee in seiner konzeptuellen ‚Aufführung’ des Streichquartetts im Ausstellungsraum verarbeitet.

Tim Lee ist ein Crossover-Künstler, der Konzeptkunst, Aneignungsstrategien und Performance miteinander in
Verbindung bringt. Lee entspinnt in seinem Werk ein breit gefächertes Netz von Referenzen, dessen Spektrum von Künstlern wie Robert Smithson und Dan Graham über den Komiker Steve Martin bis hin zu Rockmusikern wie Iggy Pop oder Neil Young reicht. Deren Geschichte und Schaffen bedient sich Tim Lee in seinen Videos, Fotografien, Klanginstallationen und Skulpturen, wobei er immer wieder seinen eigenen Körper in ein oft humoristisches ästhetisches Spiel bringt. So schließt Lee in seiner Vinyl-Schallplatte My My, Hey Hey (Out of the Blue)/Hey Hey, My My (Into the Black), Neil Young, 1979 (Steve Martin, 1979), (2007) Momente von Steve Martins und Neil Youngs künstlerischen Leben miteinander kurz. 1970 verkündete Martin während eines Auftritts, auf einem Banjo könne man keinen traurigen Song spielen. Prompt versucht der Nicht-Musiker Lee das Gegenteil zu beweisen, indem er den Song My My Hey Hey von Neil Youngs Album Rust Never Sleeps mit dem Banjo auf melancholische Weise zu spielen lernte.

Für die Video-Installation Streichquartett Op. 1 (2010) hat Lee sich über Wochen das Spiel von Streichinstrumenten angeeignet. In einem aufwendigen Prozess spielte er Note für Note alle vier Stimmen des Streichquartett Op. 1 von Glenn Gould auf Video ein. Die Instrumente des Quartetts werden auf synchronisierten Monitoren präsentiert, so dass die vier Stimmen erst im Galerieraum im Zusammenspiel erklingen. Goulds Streichquartett Op.1 ist eine der wenig beachteten eigenen Kompositionen von Gould, die dem Musikkritiker Max Nyffeler zufolge eher kritisch-reflektierend wirken, „wie Essays über jene Art von Musik, die ihn faszinierte, und die er statt mit Worten mit Noten niederschrieb“. Lee verweist mit seiner Version des Streichquartetts auf verschiedene Aspekte von Goulds verschlungener Biografie und Arbeitsweise, wie dem Verhältnis zwischen Neu-Interpretation und Neu-Schöpfung, Originalität und Virtuosität in der Musik, und projiziert sie auf das Feld der Performance- und Konzeptkunst: so schloss Gould ausgerechnet 1955, im Jahr seines Durchbruchs mit seiner weltberühmten Interpretation der Goldberg-Variationen von Bach, seine erste eigene Komposition ab, jenes kaum beachtete Streichquartett. Mit seiner ‚montierten’ Version des Streichquartetts bezieht sich Lee außerdem auf frühe Tonbandaufnahmen- und Mischtechniken, die Gould in seinen späteren musikalischen Experimenten verwendete.

Tim Lee (geb. 1975 in Seoul, Korea) lebt und arbeitet in Vancouver, Kanada, und in Berlin. 2009/10 war er Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. 2011 ist er Teilnehmer der Istanbul Biennale. Tim Lee hat bereits an zahlreichen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen teilgenommen, darunter waren Einzelausstellungen in der Hayward Gallery (2009), am CCA Wattis Institute for Contemporary Arts in San Francisco (2008) oder am Contemporary Arts Museum in Houston (2008) und Gruppenausstellungen wie die Sydney Biennale 2008, die Yokohama Triennale 2008, in der National Gallery of Canada, Ottawa (2008), im Mori Art Museum in Tokio (2007) und im MoMA New York (2005).

Druckversion
Öffnungszeiten
Di—So 12—19h
Gastprofessuren
curating connections
Künste & Medien
Artists in Residence am PIK