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Ausstellung
Annika Eriksson ist eine Pionierin der in den frühen 1990er Jahren aufgekommenen künstlerischen Tendenz, reale Situationen und soziale Interaktionen ins Zentrum einer projektorientierten und performativen Kunst zu stellen.

Eriksson ist bekannt dafür, alltägliche Situationen, kollektive Aktionen und Präsentationen zu initiieren, die im Anschluss in Video- oder Film-Installation und auf Fotos im Ausstellungsraum gezeigt werden. Die Teilnehmer bzw. Porträtierten agieren in einem von der Künstlerin vorgegebenen, artifiziellen und spielerischen Rahmen, in dem die ‚freie Rede’ der jeweiligen Aktion weitgehend selbstständig ihren Lauf und den Kunstraum in Beschlag nimmt. Durch geringen technischen Aufwand, lange Einstellungen und fixierte Kamera markieren die filmischen Arbeiten von Eriksson die durchlässige Trennlinie zwischen Dokumentation und Inszenierung, zwischen Wahrheit und Fiktion, und spielen zugleich mit der Idee von Gruppenporträts, von August Sander bis zu den heute obligatorischen Mitarbeiter-Porträts von Firmen.

Immer wieder hat Eriksson sich mit ‚Arbeitswelten’ und dem Thema Arbeit beschäftigt. So in den Staff-Interviews, in denen sie die komplette Belegschaft von verschiedenen internationalen Museen, von einer Versicherungsgesellschaft in München oder einer VW-Entwicklungsabteilung in Wolfsburg zu Wort kommen lässt und so dem Verhältnis zwischen Individuum und Konzern, der sozialen Interaktion der Mitarbeiter – auch mit Blick auf die jeweilige Firmen-Architektur – auf die Spur kommt. Gleichzeitig deutet Erikssons soziologisches Beweismaterial ‚wie von selbst’ auf umfassende gesellschaftliche Umbrüche und einen schwindenden gesellschaftlichen Zusammenhang hin.

Zahlreiche Arbeiten von Eriksson, die den öffentlichen Raum und den Stadtraum thematisieren, spiegeln ebenfalls gesellschaftliche Prozesse und Umbrüche wider. Hier werden Unterschiede in der sozialen Interaktion, in Vorstellungen des Kollektiven und in den Bewusstseinszuständen der Menschen sichtbar. Seit 2000 dokumentiert Eriksson verschiedene, an öffentlichen Orten stattfindende Aktivitäten oder Situationen („People in Public Spaces“) auf Video und präsentiert so soziale Realitäten im Ready-Made Stil. Seit kurzem arbeitet Eriksson zunehmend mit den Mitteln der Inszenierung und der Erzählung, wie zum Beispiel in ihrer dreiteiligen Filmserie und ortsspezifischen Installation über den Londoner Regent’s Park „For the Wealthy and the Good“ (2008).

In der daadgalerie zeigt Eriksson die neue Arbeit „Wir sind wieder da“, die in Berlin entstanden ist und sich indirekt auf die Stadt bezieht. Auf einem leeren Baugrundstück hat Eriksson ein geisterhaftes Tableau Vivant inszeniert, das als Film-Installation präsentiert wird. Der Film besteht aus mehreren, sich leicht unterscheidenden langen Einsstellungen auf eine nächtliche Szene: ein Gruppenporträt mit Punks und Hunden. Die minimale Handlung, die Interaktion der Punks untereinander, zeugt von sozialer Aufgehobenheit in einer zeitlosen Mikro- oder Subkultur. Das Gesamtbild hingegen beschreibt eher eine Vacuum in einer Zeit des Umbruchs, einen Zustand, der noch Teile der Vergangenheit enthält, während die Zukunft auf sich warten läßt. Unterstrichen wird der Eindruck einer Übergangsphase von gegengeschnittenen Aufnahmen einer U-Bahnfahrt durch die zu DDR-Zeiten geschlossenen U-Bahn-Stationen in Ost-Berlin.

Annika Eriksson (geb. 1956 in Malmö, Schweden) war 2002/03 Gast des Berliner Künstlerprogramm/ DAAD. Neben der Einzelausstellung in der daadgalerie sind zur Zeit neue Arbeiten von Annika Eriksson in den Ausstellungen Squatting/Erinnen, Vergessen, Besetzen in der Temporären Kunsthalle, Berlin, und im Rahmen des Ausstellungsprojekts Hey We’re Closed! der Hayward Gallery zu sehen. Neben jüngeren Einzelausstellungen z.B.in Göteborgs Konstmuseum, im Konstmuseum Malmö und in der Cubitt Gallery, London, hat Annika Eriksson zahlreiche neue Arbeiten und Projekte im öffentlichen Raum u.a. für das Arnolfini in Bristol (2009), für UP Projects im Regents Park in London (2008), für Mobile Art Productions und für die Tensta Konsthall in Stockholm (2008), für die Dakar Biennale (2008), für die Platform Garanti in Instanbul (2007) oder für IASPIS zur Venedig Biennale 2005 realisiert. Außerdem nahm Eriksson an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen und Biennalen teil, kürzlich z.B. an „Schazam“ in der Galerie GerhardsenGerner, Berlin (2010), „Code Share“ im CAC Vilnius (2009), „The Greenroom“, Bard College, New York (2008) und an der Sheffield Biennale 2008.

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