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Die Filme und Filminstallationen, Fotos und Performances des britischen Künstlers Phil Collins sind meist humorvoll und ernsthaft, emotional aufgeladen und vielschichtig zugleich. Collins Interesse gilt kulturanthropologischen und politischen Phänomenen und deren symptomatischen Manifestationen z.B. in der Populärkultur oder im Sprachgebrauch. Beispielsweise bietet Collins in der 3-kanäligen Filminstallation „The world won’t listen“ (2005) Fans
der britischen Popband „The Smiths“ in Indonesien, Kolumbien und der Türkei eine Bühne. Sie singen Karaoke-Versionen der Songs des gleichnamigen Albums der Smiths, das bereits im Thatcher-Großbritannien der 1980er Jahre bei Teenagern subversive Kräfte freisetzte.

Im Rahmen des Programms Forum Expanded der Internationalen Filmfestspiele Berlin und parallel zu dem von Phil Collins kuratierten Projekt „Auto-Kino!“ in der Temporären Kunsthalle Berlin (ab 6.2. 2010) präsentiert die daadgalerie Collins neuesten Film „soy mi madre“ (Ich bin meine Mutter) (2008, DVD, Farbe/ Ton, 28min), für den der Künstler das weltweit populäre Fernsehformat der Telenovela aufgriff. In Mexico City mit bekannten Fernsehschauspielern gedreht, gerät Collins Umsetzung des standardisierten Erzählstils der lateinamerikanischen Variante der Seifenoper zu einem hyperdynamischen, schrillen Melodram mit opulenter Ausstattung, in dem die archetypischen Identitätsmuster des Genres auf die Spitze getrieben werden. Stilistisch beruft sich Collins Film auf die Hochphase der romantischen, stereotypen Telenovela der 1980er und 90er Jahre (als diese Mexikos größter Exportschlager war), bei der Mimik und Musikuntermalung eine Hauptrolle spielen.

Der täglich ausgestrahlte Fernsehroman ist bekannt dafür, starke Identifikationsmomente zu erzeugen, die in der Vergangenheit bei den Zuschauern oftmals zu Vermischungen des fiktionalen und des außermedialen Alltags führten. Bereits in früheren Arbeiten hat sich Collins mit den Wirkungsweisen von Medien z.B. auch auf die Lebensrealität ihrer Konsumenten befasst: So in seinem Projekt für die Turner Prize Ausstellung 2006 „Return of the real“ - einer Pressekonferenz mit ‚Opfern’ von RealityTV-Shows in Großbritannien.

Eine radikale Kollision eines realen Dramas mit seinen kommunikativen Effekten durch die mediale Berichterstattung stellen die Ereignisse um 9/11 dar. In Phil Collins frühem, bisher kaum gezeigten Video „hero“ (2002, DVD, Farbe/ Ton, 40min) schildert ein Reporter aus New York - in der Art einer durch Alkohol unterstützten ‚freien Assoziation’ oder „talking cure“ - vor laufender Kamera seine persönliche Version der Ereignisse um den 11. September 2001. Zusammen beziehen sich der Film „soy mi madre“ und sein Kontrapunkt „hero“ auf die späten 1990er Jahre und die folgenden Bush-Jahre in den USA und ihre mediale Repräsentation.

„soy mi madre“ entstand 2008 als Kommission des Aspen Art Museum, Colorado, und wird dort demnächst im Lokalfernsehen ausgestrahlt. Pünktlich zur Ausstellung in der daadgalerie erscheint der das Projekt begleitende Katalog vom Aspen Art Museum, Colorado.

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