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Performance und Buchpräsentation
Carolina Caycedo setzt sich in ihrer Arbeit mit Fragen von Umwelt auseinander und beteiligt sich an Bewegungen, die sich für territorialen Widerstand, solidarische Wirtschaftsformen und Wohnraum als Menschenrecht einsetzen. Ihre besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Flüssen, den Lebensadern der Erde, die für die Menschheit und alle anderen Lebewesen von zentraler Bedeutung sind. In vielen Teilen der Welt sind diese komplexen Ökosysteme heute von Verschmutzung und Industrialisierung bedroht.
Mit der Tänzerin Marina Magalhaes und dem Tänzer Samad Guerra lädt Caycedo das Publikum zu einer gemeinsamen Performance ein, welche die Dammbrüche der letzten Zeit in den Fokus nimmt. In allen Gegenden der Welt gibt es Dämme, die von solchen Unfällen betroffen sind, wie z.B. der Hidro Ituango in Kolumbien, die Brumadinho-Auffangbecken in Brasilien oder der Oroville-Damm in California, der Xe-Pian Xe-Namnoy in Laos und der Patel dam in Kenya.
Nach der Performance präsentiert Carolina Caycedo ihr mäanderndes Künstlerbuch mit dem Titel Serpent River Book. Es handelt sich dabei um ein 72 Seiten umfassendes Leporello, das in einer langen, scheinbar ziellosen Collage Archivbilder, Landkarten, Gedichte, Liedtexte und Satellitenfotos mit Bildern und Texten der Autorin zur biokulturellen Diversität verknüpft. Die fluktuierende Publikation kann für viele verschiedene Narrative als Rahmen dienen. Das Buch kann in viele Richtungen geöffnet, gefaltet und gelesen werden. Es hat performatives Potential und funktioniert in Workshops als Partitur oder als Werkzeug. Das Serpent River Book versammelt visuelles und schriftlich fixiertes Material, das die Künstlerin zusammengetragen hat, während ihrer Arbeit in kolumbianischen, brasilianischen und mexikanischen Gemeinden, die alle unter Industrialisierung und der Privatisierung von Flusssystemen leiden.

2012 war Carolina Caycedo Stipendiatin des DAAD Artists-in-Berlin Programms.

»Attachment to Land« ist eine Veranstaltungsreihe unter anderen mit Agnieszka Brzeżańska, Carolina Caycedo, Ewa Ciepielewska, Aleksandra Jach, Xu Tan.

Die Reihe von Gesprächen und Präsentationen fragt aus unterschiedlichen Blickwinkeln nach der Bedeutung von Land. In den kommenden Jahren werden die Migrationsströme als eine Konsequenz des Klimawandels weiter anwachsen. Aufgrund der extremen Wetterbedingungen sowie der extraktiven Politik von Regierungen und Unternehmen, in der kleine Eliten die Macht und die Kontrolle über ökonomische Ressourcen innehaben, sind Menschen gezwungen, ihr Land zu verlassen. Weder eine globale Perspektive in Form von postnationalen institutionellen Organen, noch die Rückkehr zu einer Politik der Nationalstaaten oder zu den ethnischen Wurzeln: keines der bestehenden Modelle bietet eine Lösung für die planetarischen Herausforderungen. Der Klimawandel ist kein abstraktes, sondern ein materielles Phänomen, das alle Mauern und Grenzen, die Menschenströme abhalten sollen, außer Kraft setzt.

Darum müssen Fragen, die um die Relevanz und Vielschichtigkeit von Land kreisen, von funktionsunfähigen modernen Kategorien und Ökonomien entkoppelt und stattdessen mithilfe von materiellen und spirituellen Praktiken des täglichen Lebens neu überdacht werden. Die eingeladenen Künstler*innen beschäftigen sich mit verschiedenen Formen von Verbundenheit zu Land – ausgehend von persönlichen Erfahrungen oder von kollektiven Allianzen mit menschlichen und außermenschlichen Lebewesen. Dabei fragen sie nach den Bedingungen für Zugehörigkeit und dem Recht, nicht enteignet zu werden. Sie beschäftigen sich mit der Gefahr biologisch konstruierter Identitäten und dem Druck, dem jene gesellschaftlichen Gruppen ausgesetzt sind, die sich der Hypermodernisierung nicht fügen wollen.

Was die sehr unterschiedlichen Blickwinkel und Herangehensweisen der eingeladenen Künstler*innen verbindet, ist, dass sie alle über die existentielle Bedeutung von Grund und Boden nachdenken. Die oft subtilen Gesten, Handlungen und Vorstellungen zeigen einen ethischen Umgang mit Land, der konkret, beziehungsorientiert und bis zu einem gewissen Grad universal ist. Wenn Politik dort beginnt, wo Territorium identifiziert wird, regen die eingeladenen Künstler*innen dazu an, neue Wege zu finden, „Territorium“ als Lebensraum zu definieren.

Konzipiert von Aleksandra Jach und Melanie Roumiguière.

Bildnachweis: Carolina Caycedo, Rio de todos, rio de nadie, 2017, Perfomance at the Main Museum, Los Angeles (Priscilla Mars)


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