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Uraufführungen in Frankfurt am Main
Programm:

Arthur Kampela: ...tak-tak...tak... (2017, UA)

Liza Lim: Ronda – The Spinning World – for 9 musicians (2016, UA)

Daniel Moreira: Instrumentarium – for Ensemble and Video / Soundtrack (2017, UA)

Paulo Rios Filho: volvere (2017, UA)

mit

Ensemble Modern
Dirigent: Vimbayi Kaziboni

19:00 Uhr Konzerteinführung

Walter Smetak (1913-1984) gehört zu den vergessenen Figuren der Musikgeschichte.1937 emigrierte er nach Brasilien. Dort verlor er auf äußerst inspirierende Weise seine westliche Identität. Aus dem Schweizer Orchestermusiker und Komponisten wurde ein Künstler, der eine Vielzahl von Einflüssen zu einem faszinierenden Lebenswerk verknüpfte – getrieben von der Suche nach Kollektivität, innerer Transformation, Freiheit, Spiritualität und einem neuen Brasilien. Als Musiker, Dichter, Bildhauer und Instrumentenerfinder war Walter Smetak ein Vorreiter der Brasilianischen Gegenkultur und übte Einfluss auf die Tropicália-Bewegung ebenso aus wie auf die experimentelle Musikszene Brasiliens. Seine »Klangplastiken« umfassen konventionell zu spielende Streichinstrumente ebenso wie visuell, mit symbolischer Bedeutung aufgeladene Kunstobjekte. Nach Jahrzehnten des Vergessens erwecken das Berliner Künstlerprogramm des DAAD, das Ensemble Modern und Goethe-Institut diese experimentellen Klangerzeuger nun gemeinsam zum Leben.
Walter Smetak war 1982 Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

»Re-inventing Smetak« ist das Ergebnis einer eingehenden Beschäftigung von vier Komponisten mit der synkretischen Welt des Musikerfinders und Grenzgängers Walter Smetaks. Die dabei entstandenen Auftragskompositionen greifen unterschiedliche Aspekte seiner Arbeit auf: seine als Befreiungsakt von den Normen tonaler Systeme konzipierte Mikrotonalität, seine kollektiven Improvisationspraktiken, seine experimentellen Instrumente und »Klangplastiken« und ihre spirituelle Bedeutung.


Paulo Rios Filho hat in Salvador studiert und ist mit dem kulturellen Biotop der Stadt, der Wahlheimat Walter Smetaks, vertraut. An den Instrumenten interessieren ihn vor allem der Charakter des Undomestizierten und die Abwesenheit von Raffinesse. Für den aus Rio de Janeiro stammenden, in New York lebenden Arthur Kampela, Gast des Berliner Künstlerprogramms 2012, ist Walter Smetak eine begeisternde Legendengestalt. Die Instrumente, sagt er, stellen alles Sichere in Frage, sind keiner Tradition verpflichtet und lassen deshalb für den Komponisten alle Möglichkeiten offen. Arthur Kampela begegnet den Instrumenten und der brasilianischen Musikkultur mit Achtung und Dekonstruktion. Der in Deutschland lebende Daniel Moreira ist fasziniert von den Bewegungsmustern der Instrumente, die er als mehrdeutige, geheimnisvolle Objekte wahrnimmt. Mit den Mitteln des Videos will er diese Unschärfen einfangen und dadurch überhaupt erst ein klares Bild von ihnen bekommen – eines von vielen möglichen. Liza Lim, Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD im Jahr 2007, wiederum tauchte während ihres einmonatigen Aufenthalts in Salvador tief in die multikulturelle Atmosphäre der Stadt ein. Sie sieht Analogien zwischen den sozialen Strukturen, wie sie im Kreistanz der Roda oder im rituellen »Candomblé« herrschen, und den kreisförmigen Strukturen in Gestalt und Klang von Walter Smetaks kinetischen Instrumenten.

Die Resultate der »Neuerfindung« der phänomenalen Klang- und Ideenwelt Walter Smetaks werden in Frankfurt am Main uraufgeführt und sind anschließend bei MaerzMusik in Berlin und Brasilien zu erleben. Ergänzt werden die Konzerte in Berlin mit einer Ausstellung, Vorträgen und Diskussionsrunden sowie einem Workshop mit deutschen und brasilianischen Teilnehmern.

Eintritt: € 13,55 - 31,--


Ein Projekt von Berliner Künstlerprogramm des DAAD und Ensemble Modern in Kooperation mit dem Goethe-Institut. Ermöglicht durch die Kulturstiftung des Bundes. Unterstützt durch die Ernst von Siemens Musikstiftung, die Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung, das Auswärtige Amt und die Freunde des Ensemble Modern e.V.

Bildnachweise:
Ronda (Verein Walter Smetak)
Très sois (Julia Gerlach)

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