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Lesung und Gespräch mit Lloyd Jones

Moderation: Katharina Döbler

Vortrag der deutschen Lesepassagen: Matthias Scherwenikas
Man braucht nicht Samuel Goldwyn, den sagenumwobenen Hollywoodproduzenten zu zitieren, der einst sagte, gelungene Filme zu machen, sei ganz einfach: man beginnt mit einem Erdbeben, und dann steigert man die Spannung langsam. Naturkatastrophen finden immer wieder in die Kunst und in die Literatur. So wie das Jahrhunderterdbeben von Lissabon im Jahr 1755 Kleist zu seiner Novelle „Das Erdbeben in Chili” anregte, so war das völlig unerwartete Erdbeben im neuseeländischen Christchurch Anlass für Lloyd Jones, seinen Roman „Geschichte der Stille” (dt. 2015 von Grete Osterwald) zu schreiben. Die im Titel zitierte Stille beschreibt das Phänomen, dass nach dem Beben eine ganz unwirkliche Ruhe über der Szene der Zerstörung lag. Und diese Stille ist für Lloyd Jones der Anlass, über sich und seine Herkunft zu reflektieren. So entstand ein sehr poetischer Roman, der die Recherche des Autors über seine Familie nachzeichnet. Die Beschäftigung mit seinen Vorfahren führt ihn nach Wales und behandelt, gleichsam nebenbei, das Großthema der Gegenwart: die Migration – allerdings zu einer Zeit, als die Auswanderer aus Europa kamen. Mit dem Roman ist dem bedeutendsten Erzähler Neuseelands, dem 2006 sein preisgekrönter Roman „Mr. Pip“ internationalen Durchbruch verschaffte, ein großes Buch gelungen, das Familiengeschichte und die Geschichte seines Heimatlandes aufs Beste verknüpft.

Durch den Abend führt Katharina Döbler, die Veranstaltung findet teilweise auf Englisch statt.

In Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin.

Eintritt 8 € / 5 €*

Foto: Privat

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