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Moderation: Lothar Müller

Lesung der deutschen Fassung: Maren Eggert
„Es gibt zwei Arten von guten Romanen: Die einen sind die, in denen die Autoren den schwarzen Wald von weitem beschreiben. Sie geben dem Bekannten und Vertrauten reizvolle Namen und sorgen dafür, dass das Vertraute einem noch eigener wird, und die Grenzen noch deutlicher, noch klarer bestätigt werden. ... Die Romane der zweiten Art bringen Dinge ins Wanken, sie erschüttern und wühlen auf. Manchmal hat man geradezu Angst, sie aufzuschlagen, weil sich ‚ein zottiger schreiender Fetzen’ zwischen ihren Seiten windet. Die Autoren dieser Romane gehen in den schwarzen, schwarzen Wald. Von dort betrachten sie ihr Haus und sehen, wie es auf dem Kopf steht.“ (Joanna Bator) Es erschließt sich von selbst, dass die Romane Joanna Bators zur zweiten Kategorie gehören. Das Kraftzentrum ihrer Bücher bildet das niederschlesische, einst deutsche, seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs polnische Kohleabbaugebiet Wałbrzych, das die historischen Verwerfungen dieser Region symptomatisch verkörpert. Denn die Zugehörigkeit des Ortes wechselte beständig, und ebenso beständig wechselte mit der Zugehörigkeit die Bevölkerung, die immer wieder ausgetauscht wurde. Die daraus resultierende Unruhe ist das Material, von dem Joanna Bators Romane leben und aus dem sie Funken schlagende Literatur erschafft. Sie fängt die provinzielle Enge eines kommunistischen Alltags ein – samt schwelendem Antisemitismus und Schwulenhass, Alkoholismus und Katholizismus – und verleiht den mentalen Langzeitschäden der Entwurzelung furios Stimme. Es handelt sich dabei um eine durch und durch weibliche Stimme: Frauen stehen im Mittelpunkt ihrer Romane; sie sind die Hüterinnen der Geschichte, sowohl in „Sandberg“ (2009, dt. 2011 von Esther Kinsky) als auch „Wolkenfern“ (2010, dt. 2013 von Esther Kinsky) als auch ihrem jüngsten Roman „Dunkel, fast Nacht“ (2012, dt. 2016 von Lisa Palmes), für den sie mit dem wichtigsten polnischen Literaturpreis NIKE ausgezeichnet wurde. Darin schildert sie „mit der ihr eigenen Subtilität, wie Stimmungen kippen können, wie latente Ängste und Traumata sich in jähe Ausbrüche von Wahnsinn verwandeln. ‚Dunkel, fast Nacht‘ ist ein Roman über die Brüchigkeit einer Gesellschaft, die ihre gemeinsame Sprache verloren hat.“ (Verlagstext)

Eine Veranstaltung des Berliner Künstlerprogramms des DAAD und der autorenbuchhandlung berlin.

Eintritt 8,– Euro

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