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Moderation: Susanne Stemmler

Vortrag der deutschen Übersetzungen und Gesprächspartner: Hans Thill
Malek Alloula „war ein vorzüglicher Kenner des Französischen, ein Dichter, der diese Sprache bereichert und weiter verschönert hat. Lange Jahre hat er im Verlag Christian Bourgeois als Lektor gearbeitet und selbst nur wenig geschrieben, doch ein jeder seiner Texte war geschliffen wie ein Diamant. Er war ein Meister des Worts, ein Zauberer, weil er über die Kunst verfügte, für jedes Wort die haargenau passende Stelle zu finden. Die Klangreinheit seiner Verse war so vollendet, dass sie betörende Wirkung entfaltete.“ So schrieb der marokkanische Schriftsteller Tahar Ben Jelloun in seinem Nachruf über seinen frankophonen algerischen Kollegen Malek Alloula, der am 17. Februar 2015 nach kurzer, schwerer Krankheit in Berlin verstarb.

Als Malek Alloula1937 im algerischen Oran zur Welt kam, war das kollektive Gedächtnis seines Landes an die eigene kulturelle Vergangenheit durch die französischen Kolonialisten so gut wie völlig ausgelöscht. Hinzu gesellte sich bei ihm eine zweite einschneidende Erfahrung: Mitte der 1960er Jahre ging der studierte Literaturwissenschaftler und Absolvent der École Normale Supérieure nach Paris ins Exil, wo er bis zuletzt lebte. Erst vor dem Hintergrund dieses doppelten Verlusts ist die grundlegende Geste zu verstehen, die Malek Alloulas gesamtes Schaffen kennzeichnet: Ob als Lyriker, Prosaautor oder als Verfasser poetisch-philosophischer Essays – immer wieder kehrte er zu den „Ruinen“ der Kindheit und seiner Heimat zurück, um qua Wort das Vergangene wiederauferstehen zu lassen und sich gegen die Ausradierung der eigenen kulturellen Wurzeln, die nicht zuletzt die Algerier selbst betreiben – zu verwehren. In seinem 2010 publizierten Gedichtband „Approchant du seuil ils dirent“ beispielsweise erinnerte Malek Alloula – der hierzulande vor allem durch sein Buch „Haremsphantasien. Aus dem Postkartenalbum der Kolonialzeit“ (1981; dt.:1994) bekannt wurde – an die spirituelle Tradition der Marabouts und die in seinem Land bis heute lebendige Praxis, zu den Stätten der Schutzheiligen des Islams zu pilgern und dort innere Einkehr zu suchen – was den Islamisten ein Dorn im Auge ist.

In Berlin, als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD, arbeitete er bis zuletzt an seinem jüngsten Gedichtzyklus „Il vient (météorologies)“. Zum Gedenken an Malek Alloula stellen wir die deutsche Übersetzung von „Il vient (météorologies)“, die Hans Thill eigens angefertigt hat, vor, zeigen ein kurzes Filmporträt, das Uli Aumüller und das Berliner Künstlerprogramm des DAAD im letzten Jahr über Malek Alloula gedreht haben und erinnern Berliner Kollegen an ihren verstorbenen Freund.


Bildmaterial: Krzysztof Zielinski

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