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Der literarische Dialog ist stets auch ein Dialog zwischen Kulturen. Im wörtlichsten Sinne wird dieser Dialog durch die Autorinnen und Autoren des Berliner Künstlerprogramms geführt – schriftlich, verbal, als Kulturgrenzen überschreitendes Kommunikationsmodell. Ingeborg Bachmann, Wystan H. Auden, Michel Butor, Susan Sontag, Carlos Fuentes, Juan Goytisolo, Breyten Breytenbach, Mario Vargas Llosa, Gao Xingjian → Abb. 1, Jean-Philippe Toussaint, Viktor Pelewin, Juri Andruchowytsch, Slavenka Drakulić und viele andere mehr haben seit Anbeginn des Künstlerprogramms Berlin zu ihrer Wahlheimat gemacht und zum Ausbau eines Netzes von Kontakten und Partnerschaften in aller Welt beigetragen.

Dies betrifft auch den Blick auf Berlin und Deutschland. Cees Nootebooms → Abb. 2 "Berliner Notizen" über die Befindlichkeit der Deutschen zum Zeitpunkt der Vereinigung, die Analyse eines wohlinformierten Außenstehenden, beleuchtet eindrucksvoll den neuen Anfang im Zentrum des Geschehens. Dieser Neuanfang forderte selbstverständlich auch vom Berliner Künstlerprogramm Akzentverschiebungen: In den ersten Jahren nach 1989 stellten zunächst einmal die bis dahin vom Reisen weitgehend ausgeschlossenen Schriftsteller aus der ehemaligen Sowjetunion, Rumänien und der früheren Tschechoslowakei das Gros der Gäste. Zu nennen wären u.a. Gennadij Ajgi, Vladimir Sorokin, Lev Rubinstein, Ivan Wernisch, Miroslav Holub, Gellu Naum, Ana Blandiana und Mircea Dinescu. Allerdings war das Literaturprogramm schon seit langem und trotz aller politisch bedingten Schwierigkeiten vor 1989 eine Nahtstelle für Begegnungen von Künstlern aus Ost und West. Schon 1963 kam als einer der ersten Gäste überhaupt der polnische Schriftsteller Witold Gombrowicz nach Berlin und schrieb hier sein Berliner Tagebuch. Es folgten u.a. Sławomir Mrożek, Tadeusz Różewicz, Stanisław Lem, Zbigniew Herbert und Ryszard Kapuściński.

Die Rolle, die Ungarn im Berliner Künstlerprogramm spielte,, wurde treffend von György Dalos beschrieben: Es sei zu Zeiten des Eisernen Vorhangs "die wichtigste Auslandsvertretung der inoffiziellen ungarischen Kultur" gewesen. Die ungarische Gegenwartsliteratur wurde u.a. durch George Tabori, György Kónrad, Péter Esterházy, Miklós Mészöly, Péter Nádas und den Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertész vertreten → Abb. 3+4.

Zur Vorstellung seiner Gäste organisiert das Berliner Künstlerprogramm regelmäßig Lesungen in der daadgalerie → Abb. 5 und an anderen Orten in Zusammenarbeit mit zahlreichen Kooperationspartnern, deutschlandweit und international (bisher in Warschau, Budapest und Amsterdam). Zu Lesungen kommen ehemalige Gäste des Programms immer wieder gerne nach Berlin. Seit 2004 findet daher im Deutschen Historischen Museum die Lesereihe "Wahlheimat Berlin" statt.

In Berlin zu sein bedeutet für die Gäste des Berliner Künstlerprogramms eine Zeit der Kontemplation, in der sie schreiben, flanieren, Eindrücke sammeln und Kontakte zu Verlegern und Schriftstellern knüpfen können. Sie nehmen nicht nur aktiv am literarischen Leben Berlins teil, etwa beim Poesiefestival der Literaturwerkstatt und beim Internationalen Literaturfestival Berlin, sondern sind deutschlandweit bei den Buchmessen, in Literaturhäusern, auf Lesefesten und an Universitäten präsent → Abb. 6.

Seit 1994 hat sich das Berliner Künstlerprogramm, dieser Tradition folgend, gemeinsam mit dem Berliner Senat für das Projekt "Städte der Zuflucht" des Internationalen Schriftstellerparlaments engagiert. Als erstem Gast wurde dem algerischen Schriftsteller Mohamed Magani eine Aufenthalts- und Arbeitsmöglichkeit in Berlin eröffnet.

Der Berlin-Aufenthalt bildet die Brücke für Verlagskontakte, und so kommt es für viele Gäste oft erstmalig zu einer Publikation in deutscher Sprache. Übersetzungsförderung ist eines der Anliegen der Literatursparte des Künstlerprogramms. Zur Dokumentation der Arbeiten seiner literarischen Gäste gab das Berliner Künstlerprogramm von 1974 an eine kleine Buchreihe → Abb. 7 gemeinsam mit dem Literarischen Colloquium Berlin heraus. Seit 1990 knüpfte der Aufbau-Verlag mit der Reihe "Text und Porträt" an diese Tradition an. Im Jahr 2000 begann das Berliner Künstlerprogramm die Buchreihe "Spurensicherung" herauszugeben. Der Name der Reihe ist Programm: die Spuren der Autorinnen und Autoren aus aller Welt, die in Berlin waren, festzuhalten - mit besonderem Augenmerk auf denjenigen Texten, die im kommerziellen Literaturbetrieb eher zu kurz kommen: Lyrik, Essays, Erzählungen. Zu Wort kamen u.a. Memo Anjel, Bora Cosic, László F. Földényi, Viktor Pelewin, Olga Tokarczuk, → Abb. 8 der Literatur-Nobelpreisträger Gao Xingjian und der Pulitzer-Preisträger Jeffrey Eugenides.

Bedrohten und in ihrem Heimatland verfolgten Autoren Hilfe und Arbeitsmöglichkeiten zu bieten bleibt trotz aller politischen Veränderungen eine der Aufgaben des Berliner Künstlerprogramms und war nie auf den Kontext der problematischen Ost-West-Beziehungen beschränkt. Während der Zeit der Militärjunta kamen aus Griechenland Vassilis Vassilikos und Alexander Skinas, aus Chile kam Antonio Skármeta, und im Projekt "Lichtfluss" trafen 1991 einige der chinesischen Künstler, die 1989 ihr Land verlassen mussten, zu einem spartenübergreifenden Festival mit Berliner Kollegen zusammen.

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Abb. 1
Abb. 2
Abb. 3
Abb. 4
Abb. 5
Abb. 6
Abb. 7
Abb. 8
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