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Die politischen Veränderungen in Europa seit 1990, die im Fall der Berliner Mauer ihren so anschaulichen wie symbolischen Ausdruck gefunden hatten, haben insbesondere Berlin zu einer attraktiven Stadt gemacht. Bildende Künstler werden angezogen von den urbanen, räumlichen Umbrüchen mit ihren stofflich-skulpturalen Erscheinungsformen, die nach wie vor Faszination ausstrahlen. Die steigende Zahl von Bewerbungen im Bereich der Bildenden Kunst legte es nahe, das Auswahlverfahren effizienter zu gestalten: Seit 1992 werden die Gäste von einer internationalen Jury nominiert. Auf diese Weise konnte das Berliner Künstlerprogramm in den vergangenen Jahren aufstrebende und prominente Künstler einladen, die die urbane Berliner Situation sehr unterschiedlich und eigenwillig in ihren Werken reflektierten.

So fand der Kanadier Stan Douglas in den Schrebergärten der Vorstädte Berlins eine ideale Kulisse für seine Umschreibung eines "Sandmann-Motivs" nach E.T.A. Hoffmann → Abb. 1. Die britische Bildhauerin Rachel Whiteread nahm die jüdische Geschichte Berlins auf – ihre Erfahrungen mündeten im Entwurf eines Mahnmals für die Verfolgung der Juden für die Stadt Wien. Der englische Bildhauer Richard Wentworth entdeckte die Stadt in vielfältigen photographischen "Genreszenen", anonyme bildhauerische Eingriffe im Stadtbild, die in einem Buch publiziert wurden. Renée Green wirkte als Dozentin für die "Freie Klasse" der Hochschule der Künste in Berlin. Damien Hirst entwickelte eine der eindrucksvollsten Installationen in der daadgalerie → Abb. 2. Mit seiner Fahneninstallation thematisierte Matt Mullican → Abb. 3 Kunst und Öffentlichkeit in Mies van der Rohes Neuer Nationalgalerie wie nach ihm Douglas Gordon, Eija-Liisa Ahtila und Ann Veronica Janssens. Janet Cardiff konzipierte in Berlin den berühmt gewordenen Beitrag Kanadas zur Biennale von Venedig 2000. Ilya Kabakov trat von Berlin aus den künstlerischen Siegeszug eines aus Russland stammenden Künstlers durch alle Museen der Welt an → Abb. 4. Und schließlich ist auf ein Denkmal von Micha Ullman auf dem Bebelplatz in Berlin-Mitte zu verweisen, das der Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 gedenkt → Abb. 5+6. Ullmans Entwurf und sein Umgang sowohl mit dem urbanen Ambiente als auch mit dem ihm gestellten Thema und dessen Lösung machen dieses Werk zu einem der derzeit vorbildlichsten Denkmale Europas. Berlin als Stadt wird, wie diese Beispiele zeigen, als Ort neuer urbaner Auseinandersetzung von Bildenden Künstlern angenommen, und die eindrucksvolle Namensliste aller Gäste hat sich als ein nicht mehr wegzudenkendes kulturelles Moment in das Antlitz der Stadt eingeschrieben.

Die Gründungsidee des Berliner Künstlerprogramms, Treffpunkt zu sein, ist verstärkt zu seinem Wahrzeichen geworden. Viele Künstler gelangen unmittelbar nach und durch ihren Berlinaufenthalt zu internationaler Anerkennung. Sie verarbeiten die Phänome dieser Stadt, beeinflussen die ortsansässigen Künstler und finden schließlich in vielen Galerien der Stadt eine über die Stipendiatenzeit hinausreichende "ständige Vertretung", so dass die Arbeiten vieler Gäste im Kulturleben der Hauptstadt präsent bleiben.

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Abb. 1
Abb. 2
Abb. 3
Abb. 4
Abb. 5
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