Name
Aleš Šteger
Land
Slowenien
Aleš Šteger wurde 1973 in Ptuj, Slowenien, geboren. Er ist die herausragende Stimme der jüngeren Generation slowenischer Dichter sowie als Mitbegründer und langjähriger künstlerischer Leiter des internationalen Festivals "Tage der Poesie und des Weins" in Medana zugleich eine der treibenden Kräfte in der Literaturszene seines Landes.

Aleš Šteger studierte von 1992 bis 1999 Vergleichende Literaturwissenschaft und Germanistik in Ljubljana und lebt dort heute als freier Schriftsteller und Mitarbeiter des Verlags Beletrina. Von 1994 bis 1997 war er Kulturredakteur der Zeitschrift Tribuna; seit 1998 gibt er die Buchreihe Koda im Verlag Studentska Zalofba heraus. Sein Gedichtband "Šahovnice ur" (Schachbretter der Stunden) wurde mit dem Debütpreis der slowenischen Buchmesse 1995 ausgezeichnet. Für "Kašmir" erhielt er im selben Jahr den Veronikapreis für das beste slowenische Lyrikwerk des Jahres; 2002 erschien der Gedichtband "Protuberance", 2005 "Knjiga re?i" (Buch der Dinge) und ein Hörbuch. Aleš Šteger hat die Gedichte einiger der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter ins Slowenische übertragen, unter ihnen Gottfried Benn, Ingeborg Bachmann und Peter Huchel, sowie "Einbahnstraße" von Walter Benjamin.

"Štegers Gedichte", so Josip Osti, "sind ungewöhnliche, nach innen gekehrte Reisetexte, in denen Kaschmir nicht als geografisches, sondern imaginäres Faktum auftritt, das eine zur Deskription des Alltags parallele, doch um nichts weniger konkrete Welt erschafft. Die Gedichte sind Topografie einer Landschaft jenseits von Zeit und Raum und der Versuch, die Schwerkraft und Gnade der Sprache zu erfassen (...) Ausdruck der unerbittlichen und paradoxen Logik einer zerklüfteten Existenz." In dem Gedicht "Bei geschlossenen Augen" heißt es: "Wenn du die Augen schließt, siehst du ein Gedicht. / Es entbehrt der Greifbarkeit jener Dinge, nach denen du dich heimlich sehnst. / Es erinnert dich an ein frisch geweißtes Zimmer, / In dem der Sommer vergaß, Fenster und Türen zu schließen. / Aber auch dies eine unglückliche Anspielung auf Formen der dinglichen Welt."

"All his recourses to visions and dream images notwithstanding, Šteger has in a sense always been shockingly disillusioned, surprising us with his thrilling, relentless expression." (Klemen Pisk, Delo)

"Nicht für alles gibt es ein Wort" ? diese Einsicht vermeldet das Große Wörterbuch der slowenischen Sprache, und Šteger hat sie seinem "Buch der Dinge" als Motto vorangestellt. Der Lyrikband versammelt streng gebaute, leichtfüßige Texte über die selbstverständlichen und darum recht unauffälligen Kleinigkeiten des Alltags. Statt zu beschreiben, läßt Šteger die Dinge selber zu Wort kommen. In den Gedichten – mit Titeln wie Ei, Knoten, Stein, Pissoir – sind Spiegelbilder der anthropomorphen Welt am Werk; das lyrische Ich betrachtet sich in den Dingen, die es ansieht, es äugt und wird beäugt. Der Lyriker und Übersetzer Matthias Göritz befindet im Nachwort: "Das 'Buch der Dinge' bietet ein gleitendes Panorama, ein Spiegelkabinett, in dem sich alle gegenseitig belauern und in einen beunruhigenden, unabschließbaren Schauprozeß eintreten. In diesen Gedichten gibt es kein Einverstandensein, weder mit der Verfaßtheit der Welt, noch mit der Sprache."