Name
Felipe Bragança
Land
Brasilien
Felipe Bragança wurde 1980 in Rio de Janeiro geboren, wo er bis heute lebt. Nach seinem Studium der Filmwissenschaften an der Universidade Federal Fluminense arbeitete er als Drehbuchautor und Regieassistent. Als Filmemacher realisierte er, meist in Zusammenarbeit mit Marina Meliande, bislang drei kurze und zwei abendfüllende Spielfilme und wirkte bei zahlreichen anderen Filmen mit. Mit einem Videobrief initiierte er den experimentellen Kompilationsfilm „Desassossego“ (2011), an dem sich vierzehn brasilianische Regisseure beteiligten. Außerdem gab Felipe Bragança die Website „Cinetica“ mit heraus. Die Filmkritiken darauf genießen in Brasilien hohes Ansehen.
Felipe Braganças Filme liefen unter anderem auf den Festivals in Locarno, Rotterdam, Venedig, Oberhausen und Cannes. Für den Kurzfilm „Waterbound“ (2003) zeichneten die Festivals in Brasilia sowie Sao Paulo ihn als besten Regisseur aus. Braganças Drehbuch zu „Suely in the Sky“ (2006) von Karim Aïnouz wurde in Thessaloniki als bestes Skript ausgezeichnet. Eins seiner aktuellen Projekte, „The River’s Bend“ erhielt ein Stipendium des Hubert Bals-Fonds (Niederlande). 2012 war Felipe Bragança Gast des Californian Institute of Arts (USA).
Mit Karim Aïnouz, der 2004 Gast des Berliner Künstlerprogramms war, verbindet Felipe Bragança eine fruchtbare künstlerische Partnerschaft. Auch bei Aïnouz‘ neuestem und kurz vor der Fertigstellung stehendem Spielfilm, der deutsch-brasilianischen Koproduktion „Praia do Futuro“, kollaborierten die beiden. Eins von Felipe Braganças nächsten Projekten entsteht als Koproduktion mit der portugiesischen Produktionsfirma und Künstlerkollektiv „O Som e a Fúria“. Sandro Aguilar, der 2013 ebenfalls Gast des Berliner Künstlerprogramms ist, gehört dieser Gruppe junger Filmemacher und Produzenten an.
Jugendliche spielen häufig die Hauptrolle in Felipe Braganças Filmen. Auch der experimentelle Kompilationsfilm „Desassossego“ (2011) widmet sich im weiteren Sinn dem Thema Jugend. Liebe, Utopie und Explosionen wünschten sich Marina Meliande und Felipe Bragança von den mitwirkenden Filmemachern. Das Werk lief beim Festival in Rotterdam.
Fast ausschließlich mit Laiendarstellern wurde Felipe Braganças zweiter Langfilm „A Alegria“ (2010) realisiert. An einem Weihnachtsabend gerät John in einen Schusswechsel, verschwindet zunächst, taucht dann aber wieder auf. Ein Geist? Felipe Bragança und seine Co-Regisseurin Marina Meliande nennen die Erzählung einen „Superheldenfilm“. „Auf scharfsichtige und zugleich poetische Weise“ enthüllt der Film laut dem Programmheft des Kommunalen Kinos Freiburg „die Seele der brasilianischen Jugendlichen, die sich ins Leben stürzen und die drohende Apokalypse nicht sehen.“ „A Alegria“ lief unter anderem in Cannes und auch in Rotterdam.
„A Fuga da Mulher Gorila“ (2009) ist ein „Musical-Abenteuer-Roadmovie“ über zwei junge Mädchen, unterwegs mit einem Kleinbus. Der Film entstand auf einer acht Tage langen Fahrt durch die Umgebung von Rio de Janeiro. Die Handlung basiert auf Recherchen über den Alltag junger Leute in den brasilianischen Vorstädten. Entstanden ist ein Mix aus realistischem Kino und Alltagsbeobachtung. Beides verbindet sich mit einer Erzählung über jugendliche Abenteuer und das Universum der Musik. Beim Filmfestival in Mostra wurde „A Fuga da Mulher Gorila“ 2009 sowohl von der offiziellen als auch von der Jugendjury als „Bester Film“ ausgezeichnet. Felipe Braganças Debütfilm nahm auch in Locarno am Wettbewerb teil.
„Jonas e a Baleia“ (2006) erzählt eine kurze Geschichte vom Töten. Jonas besitzt ein Motorrad, ein Paar Schuhe und einen Revolver. Eines Tages verliebt er sich. Und tötet einen Mann. Der Kurzfilm wurde 2006 mit dem Kritikerpreis des Festivals Luso-Brasileiro de Santa Maria da Feira ausgezeichnet und lief sowohl in Oberhausen als auch in Cork.


Text: Maike Wetzel