Name
Jalal Toufic
Land
Irak / Libanon
Der Versuch, die Arbeit von Jalal Toufic, einem Denker und Videokünstler, auf einen Nenner zu bringen, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Nicht nur, weil seine Arbeit sich über Theorie, Literatur und Kunst in Büchern und Videos erstreckt, sondern eher, weil so ein Versuch der Arbeit von Toufic nicht angemessen erscheint: „Meine Texte und Videos“, so Toufic, „zielen nicht auf das gleiche, vielmehr ergänzen sie sich gegenseitig.“ Während sich in seinen Büchern zum Nachdenken anregende, diskontinuierliche Stellen finden, die zusammen ein Universum formen (und gelegentlich auflösen), das „nicht nach zwei Tagen wieder auseinanderfällt“ (Philip K. Dick), so wird in seinen Videos etwas ganz anderes versucht. Ob er sich in: “‘Âshûrâ’: This Blood Spilled in My Veins” (2002) dem jährlichen Gedenken an die Schlacht von Kerbala im Jahre 680 am höchsten islamischen Trauertag zuwendet, ob er in langer Einstellung seinen schlafenden Neffen filmt (“A Special Effect Termed 'Time'; or, Filming Death at Work”, 2005), mit ruhiger Kamera teilweise abgekratzte Wahlplakate und die darauf abgebildeten entstellten Gesichter libanesischer Politiker abtastet (“Saving Face”, 2003), oder in “Credits Included: A Video in Red and Green” (1995) dem „Wegbrechen der Tradition nach einer überwältigenden Katastrophe“, namentlich der Zeit nach dem fünfzehnjährigen Krieg im Libanon widmet – ein wesentliches Anliegen der Videos von Toufic ist, durch Widerstand gegenüber dieser Welt, „Gründe“ bereitzustellen, „um an diese Welt zu glauben“ (Deleuze). Ein anderes wesentliches Anliegen der Arbeiten von Toufic, der sich selbst als „Kind des Todes“ bezeichnet, ist die Sterblichkeit, die er weniger als ein physischer Tod am Ende des Lebens begreift, sondern als eine Simultaneität von Leben und (Un-)Tod.