Name
Dalia Hager
Land
Israel
Dalia Hager wurde 1963 in Israel geboren. Sie studierte Regie und Drehbuchschreiben an der Universität in Tel Aviv und absolvierte zudem ein Drehbuchseminar bei Robert McCay in den USA. Seit 1993 ist sie als Drehbuchautorin, Produzentin, Journalistin und Dozentin tätig. Ihre Spielfilme wurden mehrfach ausgezeichnet und liefen auf vielen internationalen Festivals.
Dalia Hager und Vidu Bilu erzählen in “Close to Home” die Geschichte zweier achtzehnjähriger, israelischer Soldatinnen. Während ihres Militärdienstes müssen die aufmüpfige Smadar und die angepaßte Mirit zusammen in den Straßen Jerusalems patrouillieren. Im Auftrag des Staates kontrollieren und überwachen sie palästinensische Passanten, sind aber mit ihren Gedanken hauptsächlich mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt: Schwärmereien, Frisörtermine, Verabredungen... Doch die politische Realität bricht auch in ihren Alltag ein.
“Close to Home” ist der erste Spielfilm, der sich mit der Rolle der Frauen im israelischen Militär auseinandersetzt. Die dreijährige Wehrpflicht besteht in Israel seit der Gründung des Staates, auch für Frauen. Die Militärzeit gehört zu den grundlegendesten Erfahrungen eines jeden jungen Israeli. Anhand zweier unterschiedlicher Rekrutinnen zeigen die beiden Filmemacherinnen Dalia Hager und Vidi Bilu, wie sehr das unterschwellige Gefühl permanenter Bedrohung und die Allgegenwart des Militärs den Alltag in ihrem Land beeinflussen. Beauftragt mit Fragen nationaler Sicherheit müssen die beiden heranwachsenden Protagonistinnen herausfinden, was verantwortliches Handeln für sie persönlich bedeutet.
“Close to Home“ (2006) war in zahlreichen Ländern Europas, Asiens, der USA und Südamerikas im Kino zu sehen. Neben der Berlinale 2006 wählten auch das London Film Festival, das Festival in Pusan, Kopenhagen, Vancouver, Los Angeles und viele andere internationale Festivals den Film aus. Außerdem wurde “Close to Home” 2006 für den Europäischen Filmpreis nominiert. Beim Filmfestival in Jerusalem erhielten Dalia Hager und Vidu Bilu 2005 den Preis für das beste Drehbuch. Auf der Berlinale wurde der Film mit dem C.I.C.A.E. Preis ausgezeichnet.
In ihrem Abschlußfilm „One Summer with Erika“ erzählt Dalia Hager von dem neunjährigen Uri, der die Sommerferien bei seiner Großmutter Erika verbringen muß. Um sich ihrer Nonstop-Überwachung zu entledigen, will der Enkel seine Oma mit dem neuen, rumänisch-stämmigen Nachbarn Jacob verkuppeln. Mit fingierten Briefen und geschickten Lügen fädelt er die Treffen zwischen den beiden ein. Beiläufig und lakonisch setzt sich der Film mit der menschlichen Vergänglichkeit, vor dem angedeuteten Hintergrund des politischen Alltags, auseinander. Jakob sammelt Traueranzeigen und gehört zur großen Gruppe der nicht in Israel geborenen Bürger. Der kleine Uri soll einen Aufsatz zu dem Thema “Was passiert, wenn Frieden ist?” verfassen. Seine, von ergebnislosen Castings als Schauspielerin frustrierte Großmutter kennt darauf nur eine Antwort: “Krieg.” Als Uris Plan schließlich Früchte trägt und Jakob um Erikas Hand anhält, lehnt sie rundweg ab. Nur Uri vollendet endlich seinen Schulaufsatz...
Beim Mograby Wettbewerb in Tel Aviv heimste der low-budget Studentenfilm sowohl die Auszeichnung als bester Film, für die beste Regie, das beste Drehbuch und die beste Produktionsleistung ein. Beim Cinema Jov Filmfestival in Valencia wurde die Hauptdarstellerin aus “One Summer with Erika” 1993 als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Der Film lief auf zahlreichen weiteren internationalen Festivals und war in Israel auch im Kino und Fernsehen zu sehen.
Während ihres DAAD-Stipendienaufenthalts will Dalia Hager sich mit zwei Drehbüchern beschäftigen. Das erste Projekt "Waiting for the Dead" befasst sich auf ironische Art und Weise mit dem israelischen Totenritus: Bei einer Beerdigung entdecken die Gäste, das sich die falsche Leiche im Sarg befindet. Alle Anwesenden sind gezwungen auf dem Friedhof auszuharren, während sie auf die Ankunft des richtigen Toten warten. In Berlin möchte Dalia Hager die Endversion des Drehbuchs schreiben sowie nach europäischen Co-Produzenten für den Film suchen.
Ihr Hauptprojekt für 2009 ist jedoch die Arbeit an einem anderen Drehbuch: In einem Reisebus in der Fremde trifft eine Gruppe Israelis aufeinander - sie glaubten, einer international gemischten Touristengruppe beizutreten und entdecken nun im Ausland, das sie getäuscht wurden. Die Reise wird zu einem nationalen Selbsterfahrungstrip in der Fremde.