Name
James T. Hong
Land
Taiwan / USA
James T. Hong wurde 1970 in Minnesota, USA geboren. Bis 1995 studierte er an den Universitäten Minnesota und Illinois Philosophie bis zur Promotion, die er jedoch vorzeitig abbrach. Stattdessen nahm er ein Filmstudium in Los Angeles auf, praktische Erfahrungen als Kameramann sammelte er nebenher. Der Umzug nach San Francisco 1997 markiert den Beginn Hongs Tätigkeit als unabhängiger Filmemacher und Autor von Experimentalfilmen. Im selben Jahr gründete er seine Produktionsfirma „Zukunftsmusik“. Der Name ist Programm: die hier produzierten Filme verstehen sich als Reaktion auf die von Kino und Fernsehen propagierte Banalisierung und unreflektierte Wahrnehmung zeitgenössischer Massenmedien. Hongs Interesse für philosophische und gesellschaftspolitische Fragestellungen setzt sich in seinen Film- und Videoarbeiten fort. Er wolle die Zuschauer zum Nachdenken, zum Andersdenken bewegen, und mit seinen Filmen ihrer vorgefertigten Meinung etwas entgegensetzen.

In einigen seiner Arbeiten entlarvt Hong Amerika als pseudoliberales Einwanderungsland und fördert darin Widersprüche einer Gesellschaftsordnung zutage, die auf die gelungene Assimilierung von Einwanderern verweist, während sie durch rassenfeindliches Verhalten immer wieder auffällt. So etwa in seinem Experimentalfilm „Behold the Asian: How One Becomes What One Is“ aus den Jahren 1999/2000, der beim San Francisco International Film Festival mit dem Golden Gate Award ausgezeichnet wurde. Hongs Verhältnis zu Amerika ist zwiespältig, zumal dem ABC (American Born Chinese) seine Wunschheimat China keine wirkliche Alternative ist. Dies wird in seiner Arbeit “Taipei 101: A Travelogue of Symptoms (Sensitive Version)” (2004) deutlich, wo Hong am zurzeit höchsten Gebäude der Welt die Auswüchse der Globalisierung in China aufzeigt. „Taipei 101“ war auf zahlreichen Festivals in den USA und Taiwan zu sehen, nicht immer frei von Protest.

In jüngeren Arbeiten setzt Hong sich gezielt mit Geschichtsrevisionismus auseinander und Mißbrauch historischer Wahrheit oder deren Umdeutung durch Instanzen der Macht. Hong liegt daran, den Zusammenhang zwischen Macht und Wahrheit aufzudecken. In seinem experimentellen Dokumentarfilm “Die Entnazifizierung des MH” (2006) montiert der Regisseur den Originalton Martin Heideggers während seines Entnazifizierungsprozesses mit Filmaufnahmen von der berühmten Philosophen-Hütte im Schwarzwald. Gespenstisch führt der Film vor, wie Heidegger sich nach allen Regeln der Hermeneutik von seiner Verstrickung in das Nazi-Regime öffentlich „herausinterpretiert“. Der Film fand auf zahlreichen Festivals internationale Beachtung (Rotterdam, Zagreb, Chicago, Basel, San Francisco, u.a.). In seiner aktuellen Arbeit „731: Two Versions of Hell“ (2007) demonstriert Hong ein weiteres Mal die Deutungshoheit von Machtstrukturen und zeigt, dass Geschichtsrevisionismus im Medium Film einen gefährlichen Komplizen hat. Zweimal lässt Hong dasselbe Ereignis mit identischem Bildinventar Revue passieren (beim zweiten Mal jedoch laufen die Einstellungen rückwärts): beide Male sind die verwahrlosten Gebäude der im 2. Weltkrieg im chinesischen Pingfang stationierten japanischen Einheit 731 zu sehen. Beide Varianten erzählen von jenem Unort, an dem, laut offizieller chinesischer Seite, Experimente am lebendigen Leib tausender Chinesen durchgeführt, laut japanischer Seite jedoch Biowaffen gestestet wurden. Der Film läuft zurzeit mit großem Erfolg auf zahlreichen Festivals (Chicago, Hong Kong, Split, Busan, Osnabrück, Tel-Aviv, u.v.a.) und wurde kürzlich mit dem Best World Documentary Film Award beim International Documentary Film Festival Jihlava, Tschechien ausgezeichnet.
Während seines Aufenthalt in Berlin will James Hong vor allem die Montage seines aktuellen Dokumentarfilmprojekts „New History Zero“ abschließen. Thema ist die Verstrickung Japans in den Zweiten Weltkrieg und die dort bis heute offiziell betriebene Geschichtsklitterung.



Filme (Auswahl):

2008 New History Zero (Dokumentarfilm, in Produktion)
2007 This Shall Be a Sign (Experimentalfilm, 32 Min)
731: Two Versions of Hell (Dokumentarfilm, HD,
27 Min)
2006 Die Entnazifizierung des MH (Dokumentarfilm,
16mm, 18 Min)
Suprematist Kapital (Co-Regie: Yin-Ju Chen,
Animation, Video, 5 Min)
The Coldest War – Part 1 (Experimentalfilm, DV,
8 Min)
2005 Total Mobilization (Co-Regie: Yin-Ju Chen,
Kurzfilm, 16mm/DV, 8 Min)
The Form of the God (Experimentalfilm,
16mm/Video, 4 Min)
2004 Taipei 101: A Travelogue of Symptoms
(Dokumentarfilm, DV, 23 Min)
2003 The Spear of Destiny: A Film for Everyone and No
One (Spielfilm, 16mm, 90 Min)
2000 Exhibition: History (Installation)
1999 Decade Null (Experimentalfilm, 16mm, 1 Min)
Behold the Asian: How One
Becomes What One Is (Dokumentarfilm, 16mm,
15 Min)
1998 Condor: A Film from California (Experimentalfilm,
16mm, 7 Min)





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