Name
Christian Hawkey
Land
USA
Der Lyriker Christian Hawkey wurde 1969 geboren und wuchs auf Pine Island in Florida auf. Er erhielt seine akademische Ausbildung an der West- sowie an der Ostküste und schloss sein Studium im Fach Creative Writing an der University of Massachusetts in Amherst ab. Dort war er im Jahr 2000 Mitbegründer des halbjährigen Lyrikmagazins „jubilat“, dessen Mitherausgeber er bis heute ist. Vier Jahre später erschien „The Book of Funnels“ (2004; Ü: Das Buch der Trichter), sein erster, preisgekrönter Lyrikband, dem zwei weitere folgten, die ebenfalls mit enthusiastischen Kritiken bedacht wurden. Seit 2004 ist Hawkey Associate Professor für Englisch und Creative Writing am Pratt Institute in Brooklyn, New York. Seine Gedichte wurden in Zeitungen und Magazinen wie „Conjunctions“, „Volt“, „Denver Quarterly“, „Tin House“, „Crowd“, „BOMB“, „Chicago Review“, „Best American Poetry“ und „Conduit“ veröffentlicht.
Hawkeys Lyrik steht in der Tradition des amerikanischen Surrealismus, den sein akademischer Lehrer in Amherst, James Tate, als stilbildender Lyriker national etabliert und in der amerikanischen Umgangssprache heimisch gemacht hatte. Eine weitere Einflussquelle stellt John Ashbery dar, der bedeutende Vertreter der New York School, dessen Werk am französischen Surrealismus geschult ist. Über Hawkeys Erstling urteilte er, diese Gedichte seien „Landschaftsgedichte im wahren Sinne des Wortes – nicht als ein Ausschnitt der Erdoberfläche, die für ein Bild posiert, sondern als offener, unbestimmter Raum, in dem alle möglichen verrückten mentalen und physikalischen Sachen gleichzeitig ablaufen. Heraus kommt ein Porträt eines Mediums wie desjenigen, worin wir leben, mit all seiner Unerwartetheit. ›The Book of Funnels‹ ist eines der wunderbarsten Lyrikdebüts, die ich seit langem gelesen habe.“
Die Gedichte in Hawkeys jüngstem Band, „Citizen of O“ (2007; Ü: Staatsbürger von O), bewegen sich zwischen inneren und äußeren Landschaften, zwischen imaginären und sogenannten realen Welten. Diese verschiedenen Orte werden anscheinend mühelos mit assoziativ verbundenen Themen, Situationen, Bildern, politischen Anspielungen und Worten verblendet, wobei die Syntax durch exzessiven Zeilensprung, spärliche Zeichensetzung und Ellipsen oft auf dem Rand ihrer Auflösung balanciert. Sprachliche und selbst typografische Muster deuten sich an und werden nur teilweise aufgenommen und fortgeführt. So entsteht eine rhizomatische Textur, die nicht nur überraschende Sinneffekte und Emotionen freigibt, sondern auch beiläufig, humorvoll und anregend die Sprache als Medium des Erkennens, Denkens und Fühlens vorführt. Das Gedicht „The Birth of a Nation“ beispielsweise ist ein kritisches und unterhaltsames Spiel mit kulturellen Kategorien und Gepflogenheiten. „... Haben sie eine Flagge? Ist sie ein Daumennagel, ein bemalter // Zahn, ein Tattoo auf dem Lid, schläft die Nation // wie eine Nation? Und die Farben? Lampenruß, // weil sie Nachtsicht haben? Pfirsich für Sinnlichkeit. // Neonmahagoni für ihren Hang zu Holzprodukten? // Würden andere Nationen sich weigern // so eine hässliche Flagge zu hissen? ...“
Im Übersetzungsprojekt „Ventrakl“ befleißigt sich Hawkey in noch weiterem Ausmaß eines Umgangs mit Sprache, der ihre Brauchbarkeit geflissentlich übersieht. Das Projekt wurde mit einem Creative-Capital-Stipendium ausgezeichnet. Es präsentiert Übersetzungen von Trakl-Gedichten, die allein auf der Basis von „Sound-Assoziationen“, der grafischen Erscheinungsform des Textes und biografischer Hintergrundinformationen erstellt wurden. Eingestreute „Interviews“ mit Trakls „Geist“ erkunden darüber hinaus Verbindungen zu aktuellen politischen Themen.
Hawkey wurde mit dem Kate Tufts Discovery Award und Preisen der Academy of American Poets und des Poetry Fund ausgezeichnet. Seine Gedichte erschienen auch in französischer, portugiesischer, slowenischer und deutscher Übersetzung. In der Anthologie „Schwerkraft“ (2007) war Hawkey einer von 19 jungen amerikanischen Lyrikern, die einem deutschen Publikum vorgestellt wurden. Im Frühling 2008 wird ein Auswahl seiner Gedichte, voraussichtlich unter dem Titel „Reisen in Ziegengeschwindigkeit“, erscheinen.

Erscheinungen in deutscher Übersetzung:

in: Schwerkraft. Junge amerikanische Lyrik. Übersetzt von Steffen Popp, Uljana Wolf u.a. Hgg. von Ron Winkler. Verlag Jung und Jung, Salzburg