Name
Georgi Gospodinov
Land
Bulgarien
Georgi Gospodinov wurde 1968 im bulgarischen Jambol geboren. Er studierte Bulgarische Philologie an der Universität von Sofia. Seit 1993 ist er Redakteur der Literaturzeitung »Literaturen vestnik«. Ein Jahr zuvor hatte er mit dem Gedichtband »Lapidarium« (1992) debütiert, dem »Tschereschata na edin narod« (1996; Ü: Der Kirschbaum eines Volkes) folgte. Dafür wurde er vom Bulgarischen Schriftstellerbund mit dem Preis für das beste Buch des Jahres ausgezeichnet.
Einem internationalen Publikum wurde Gospodinov vor allem mit seinem ersten Roman »Estestven roman« (1999; dt. »Natürlicher Roman«, 2007) bekannt. »Ein anarchisches experimentelles Debüt«, urteilte der »New Yorker«, die »Times« sprach von einem »humorvollen, melancholischen und höchst eigenwilligen Werk«. »The Guardian« wiederum schrieb, der Roman sei »sowohl diesseitig als auch intellektuell«. Er folgt postmodernen Gliederungsprinzipien und nimmt insbesondere Erzähltechniken von Borges und Pessoa auf. Das fragmentierte lyrische Ich besteht aus mehreren Personen, darunter ein gescheiterter Autor, ein Herausgeber und ein verrückter Gärtner. Rahmenhandlung ist die Geschichte eines Mannes, der sich von seiner Frau trennt, weil er nicht »Urheber ihrer Schwangerschaft« ist. Diese Handlung wird von weiteren, miteinander lose verbundenen Erzählsträngen, Abschweifungen und Reflexionsebenen durchsetzt. Das aus vielen Facetten bestehende Auge der Fliege – ihr ist eine von mehreren literarischen »Naturgeschichten« gewidmet – ist symbolträchtige Metapher dieser Erzähltechnik, die selbstreflexiv erklärt und kommentiert wird. »Es ist mein unbescheidener Wunsch, einen Roman der Anfänge zu schaffen. Einen Roman, der immer wieder anfängt, etwas verspricht, Seite 17 erreicht und dann von neuem beginnt. … Dieser Roman der Anfänge beschreibt nichts. Er gibt nur den anfänglichen Anstoß, bewegt sich subtil in den Schatten des nächsten Anfangs und überlässt es den Figuren, zueinander zu stehen, wie sie möchten. Das ist, was ich einen natürlichen Roman nennen würde.«
2001 erschien der Kurzgeschichtenband »I drugi istorii« (dt. »Gaustín oder Der Mensch mit den vielen Namen«, 2004). Er geht mit der Beschreibung von traurig-komischen Szenen dem Geheimnisvollen im Alltagsleben nach. Gospodinovs jüngstes literarisches Werk ist »Pisma do Gaustin« (2003; Ü: Briefe an Gaustin), ein Band, der Lyrik und Prosastücke vereint. 2005 veröffentlichte er »Poezija i medija« (Ü: Poesie und Medien).
In jüngerer Zeit wandte sich der Autor der Bühne zu. Das Theaterstück »D.J.« (die Initialen verweisen auf Don Juan) wurde am Satirischen Theater in Sofia aufgeführt und von der Bulgarischen Schauspielervereinigung mit dem Preis für das beste Stück des Jahres ausgezeichnet. Bei den Berliner Filmfestspielen 2005 eröffnete das Internationale Forum des jungen Films mit der osteuropäischen Filmproduktion »Lost and Found«, für dessen bulgarischen Beitrag »Das Ritual« Gospodinov das Drehbuch geschrieben hatte. Der Autor arbeitet am Literaturinstitut der Bulgarischen Akademie der Künste und ist Kolumnist der Tageszeitung »Dnevnik«. Er lebt in Sofia.


Veröffentlichungen in deutscher Übersetzung:

Gaustín oder Der Mensch mit den vielen Namen. Erzählungen. Übersetzt von Alexander Sitzmann. Wieser Verlag, Klagenfurt
Natürlicher Roman. Übersetzt von Alexander Sitzmann. Droschl Verlag, Graz