Name
Gariné Torossian
Land
Libanon
Gariné Torossian wurde 1970 in Beirut im Libanon als Kind armenischer Eltern geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie im armenischen Ghetto Beiruts "Bourj Hamoud", bevor sie neunjährig mit ihren Eltern nach Kanada übersiedelte. Nach einem Studium in Film und Photographie an der York University Toronto und anschließender Tätigkeit als Photographin konzentrierte sie sich auf Filmregie. Gariné Torossian selbst bezeichnet sich als "self taught filmmaker", was ihre vielseitige und sehr umfangreiche Filmographie unterstreicht.

Mit 22 Jahren begann Gariné Torossian ihre ersten Kurzfilme zu realisieren, wobei sie (und dies bis heute) neben Regie auch Kameraführung und Schnitt meist selbst übernimmt. Für "Girl from Moush" (1994) wurde sie beim Melbourne International Film Festival erstmals ausgezeichnet. Diese frühe Arbeit – montierte Bildsequenzen eines erträumten, dem Unterbewusstsein der Künstlerin entsprungenen Armeniens – markiert den Anfang ihrer Erkundungen und visuellen Annäherungsversuche an eine imaginierte Form von Heimat.
Seit Mitte der 90er Jahre entstanden regelmäßig zahlreiche Kurzfilme, häufig unterstützt durch das Ontario Arts Council oder das Canada Council For the Arts. 1999 war Gariné Torossian erstmals mit einem Kurzfilm bei der Berlinale vertreten: "Sparklehorse" (1999), inspiriert von drei Songs der gleichnamigen Musikgruppe, erhielt dort eine lobende Erwähnung. 2002 wurde ihr auf der Berlinale für "Babies on the Sun" (2001), fünf eindrucksvolle Minuten, in denen Torossian nostalgisch Kindheitserinnerungen nachspürt, der Panorama-Kurzfilmpreis verliehen.

Erste Preise erhielt die Filmemacherin für ihren Experimentalfilm "Hokees" (2000) bei den Filmfestivals in Affma und Houston. "Hokees" bedeutet auf armenisch "Seele". Der Film erzählt die Geschichte von Anahida, einer Armenierin, die das Kind ihres türkischen Liebhabers im Leib trägt. Torossians Bildsprache wandelt hier zwischen Traum und Wirklichkeit, Vergangenheit und Gegenwart, die dem Film eine emotional aufgeladene, visuelle Kraft verleiht. Dieser, wie auch alle weiteren Kurzfilme, u.a. "Dust" (2000), "Garden in Khorkhom" (2003) und "Sandias Eustasy" (2004), verweisen auf Torossians breite Palette an Ausdrucksmöglichkeiten, ihre Lust am Experimentieren mit Farbe, Film- und Videoformaten, und dies im regen Austausch mit anderen Künsten wie Tanz, Malerei und Musik. Ihre Filme kreisen um die Themen Erinnerung, Sehnsucht, Identität – so auch ihre jüngste Arbeit (und zugleich erster Spielfilm) "Stone, Time, Touch" (2006), der, wie die Filmemacherin selbst sagt, eine einstweilige Antwort gibt auf ihre über zehn Jahre währende Frage nach der eigenen Herkunft. Torossians Filmografie umfasst heute 18 Arbeiten, wovon ein Großteil auf Festivals im In- und Ausland wie auch in Museen (z.B. im Modern Museum of Art in New York) zu sehen war.

Während ihres Berlin-Stipendiums möchte Gariné Torossian sich u.a. einem weiteren Kapitel ihrer eigenen Geschichte widmen, dem Leben in dem armenischen Ghetto "Bourj Hamoud" in Beirut, dem sie und ihre Familie entstammen. Gariné Torossian lebt und arbeitet als unabhängige Filmemacherin in Toronto.