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Michèle Métail wurde 1950 in Paris, Frankreich, geboren. Sie studierte Germanistik und Sinologie und promovierte mit einer Arbeit über klassische chinesische Lyrik. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Komponisten Louis Roquin, ist sie Mitbegründerin des Vereins "Les arts contigus", der sich der Begegnung von Literatur, Bildhauerei, Musik, Tanz und Installation widmet. Métail ist Schriftstellerin, Wissenschaftlerin, Performance-Künstlerin, Photographin und Übersetzerin. Bis 1998 gehörte sie der Bewegung OuLiPo (Ouvroir de littérature potentielle – Werkstatt der potentiellen Literatur) an, die mit (lettristischen) Formzwängen experimentiert. Die Lyrik Métails versteht sich als Versuch, Zeit, Raum und Klang auszuloten. Ein wesentliches Element ist dabei die Erforschung der Sinnesgrenzen in topographischen Texten, so etwa in dem Band "Gehen und Schreiben" (2002). Ihre die Grenzen der einzelnen Künste überschreitenden Arbeiten werden vor allem in Ausstellungen, Lesungen und Performances vorgestellt, viele Gedichte sind nicht schriftlich niedergelegt. Den Text versteht Métail als Partitur, den Prozess der mündlichen Wiedergabe als kreative Endstufe des Schreibens, so auch in ihrem Hauptwerk "Compléments de noms. Poème infini", das die Sprache der Welt in sich aufnimmt. Begonnen in Wien 1972 und als work in progress seitdem fortgeführt, zählt das unendliche Gedicht mittlerweile mehr als 20.000 Verse. 2006 erschienen in der Edition Korrespondenzen erstmals "2888 Donauverse", als ein "Tagebuch" der Sprachentdeckungen Métails.

"2888 Donauverse" ist repräsentativ für die ebenso spielerische wie formal konsequente Arbeitsweise Métails: Inspiriert durch die Möglichkeit des Deutschen, anstelle von Genitivkonstruktionen, wie sie in romanischen Sprachen gebraucht werden, mehrere Wörter miteinander zu einem neuen Wort zu kombinieren ("Donaudampfschiffahrtsgesellschaftskapitän"), verfasste sie ein Langgedicht, das ausschließlich aus Substantiven und Artikeln sowie Personalpronomina besteht: "le capitaine de la compagnie des voyages en bateau à vapeur du Danube ..." Zeile für Zeile wird jeweils eine neue Kombination hinzugefügt, während dafür die letzte des vorherigen Verses wegfällt, so dass sich das Gedicht wie ein unendliches Band verändert und fortschreibt.

1587 Der Außenminister des Staates der Demokratie der Bürger des Steigs des Bügels
1588 Die Politik des Außenministers des Staates der Demokratie der Bürger des Steigs
1589 Der Strauß der Politik des Außenministers des Staates der Demokratie der Bürger

Die 2888 Verse entsprechen den 2888 Kilometern Länge der Donau. Sowohl die Assoziationen des verwendeten Wortmaterials wie auch die Veränderungen der Vortragsweise – mal gleichmäßig fließend, dann rasant zischend, zwischendurch leise plätschernd – beziehen sich auf die geographischen und kulturellen Wandlungen des Flusses auf seinem Weg von Zentraleuropa bis zum Schwarzen Meer.

Nachdem sie lange Jahre auf schriftliche Publikation verzichtete, hat Métail in letzter Zeit Texte in verschiedenen Formaten publiziert, insbesondere im Genre des Gedichtbandes, des Reiseberichts, der philologischen Studie und des Photobuches. Getreu der Devise, dass "der Wurf des Wortes in den Raum die höchste Stufe des Schreibens darstellt", hat sie ihr Werk auf rund 200 Lesereisen in einer Vielzahl europäischer Länder und in Übersee vorgestellt.

Im Sommersemester 2005 unterrichtete sie als Samuel-Fischer-Gastprofessorin für Literatur an der Freien Universität Berlin.


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Veröffentlichungen in deutscher Übersetzung
Gehen und Schreiben. Gedächtnis-Inventar. Gedichte, Fotografien, Erkundungen. Aus dem Französischen von Elfriede Czurda. Mit einem Nachwort von Herbert Wiesner. DAAD-Reihe Spurensicherung 10. DAAD, Berliner Künstlerprogramm, Berlin 2002
2888 Donauverse (aus einem unendlichen Gedicht). Edition Korrespondenzen, Wien 2006
Veröffentlichungen beim DAAD
Gehen und Schreiben. Gedächtnis-Inventar 2002
Veranstaltungen beim DAAD
Klängen, Bildern und Texten

Erkundungen von Michèle Métail (Frankreich). Band 10 unserer Buchreihe SPURENSICHERUNG

Performance - Lesung

Lesung

Gastprofessuren
curating connections
Künste & Medien
Artists in Residence am PIK