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Marcos Giralt Torrente wurde 1968 in Madrid, Spanien, geboren. Nach dem Studium der Philosophie arbeitet er heute als Literaturkritiker für die Tageszeitung El País. Er begann sein Schreiben mit Erzählungen. Im Jahr 1999 erschien sein erster Roman "París" (In deinen Augen, 2001), der mit dem Premio Herralde, einem der wichtigsten Literaturpreise Spaniens, ausgezeichnet wurde. Der Text gehört zu einer Trilogie über die großen europäischen Hauptstädte. Der zweite Teil soll sich Rom widmen, der dritte voraussichtlich dem Mythos Berlin.

Im Zentrum des ersten Bandes steht ein Erzähler, der unaufhörlich Fragen stellt, zumeist allerdings sich selbst. In einem Geflecht aus Wiederholungen, Variationen und sprachlichen Grabungen versucht der Erzähler seiner Kindheit im Madrid der siebziger Jahre nachzugehen, dem Konflikt der Eltern, deren dauernde Streitereien, die ihm das Leben zur Hölle gemacht haben. Der Vater, ein gescheiterter Akademiker, der zum Kleinkriminellen geworden ist, verlässt die Familie; seiner Frau gelingt es erst nach vielen vergeblichen Versuchen, sich von ihm zu befreien. Mutter und Sohn wiederum leiden nicht nur an ihrem heillos zerrütteten Verhältnis, sie verbindet auch ein Geheimnis, das der Roman erst auf seinen letzten Seiten preisgibt. Vor allem aber erzählt dieses labyrinthische Erinnerungsbuch vom Wunsch nach absoluter Liebe – ein Wunsch, dessen Erfüllung eine Utopie sein mag, der aber gleichwohl die Triebfeder von Marcos Giralt Torrentes Schreiben ist: "Wenn das Leben und die Liebe unsere großen Träume sind, müssen wir den Mut haben, auch weiterhin zu träumen."

"Ich habe damals viel lieber Erzählungen gelesen als Romane", sagt Marcos Giralt Torrente über jene Zeit, als er an seinem ersten Buch "Entiéndame" (1996) arbeitete, einem Fächer kleiner Geschichten, die alle auf irgendeine, meist seltsam verdrehte Weise mit der Liebe zu tun haben, mit Verführung, Eifersucht und nicht zuletzt mit der Gier des Schreibens.

Für Giralt Torrente ist es unverständlich, dass die Erzählung in Spanien weniger geschätzt wird als der Roman – obwohl die spanische Literaturgeschichte so viele große Erzähler kennt. Denn gerade an diesem Genre könne man literarische Disziplin und die Kunst der Verkürzung lernen. Im glücklichsten Fall ermögliche es die Erzählung, die Vielschichtigkeit der Welt durch eine plötzliche Erleuchtung zu interpretieren, während der Roman diese Vielschichtigkeit widerspiegeln müsse.


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Veröffentlichungen in deutscher Übersetzung
In deinen Augen. Aus dem Spanischen von Matthias Strobel. Luchterhand, München 2001
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