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„Ich bin eine Ausländerin, die auf Englisch schreibt / Weil Englisch wie ich ein Ausländer ist“, schreibt Don Mee Choi in ihrem Buch „Hardly War” (2016). Choi wurde 1962 in Südkorea geboren, als eine USA-gestützte Militärdiktatur das Land regierte. Sie floh 1972 mit ihrer Familie nach Hongkong. Zehn Jahre später zog die Familie nach Westdeutschland und schließlich nach Australien; zu diesem Zeitpunkt studierte Choi bereits Kunst an einer Universität in den USA. Sie promovierte über zeitgenössische koreanische Literatur und Übersetzung. Choi ist eine der federführenden Übersetzerinnen moderner koreanischer Dichterinnen ins Englische. Übersetzen ist für sie nicht nur eine literarische, sondern eine existenzielle Praxis: „Ich bin zuhause im Übersetzen, aber es macht mich auch zur ewigen Immigrantin.“

Don Mee Choi hat bisher drei Bücher, u. a. bei Action Books, veröffentlicht, darunter „The Morning News Is Exciting“ (2010) und “Petite Manifesto“ (2014). In ihrer Dichtung nähert sie sich dem Zustand des Verloren-seins – zerrissen zwischen Orten und Sprachen, zwischen Erinnerungen und Vergangenheiten – und vermeidet es, Differenzen und Distanzen beschwichtigend aufzulösen. In „Hardly War“ schreibt sie gleich fünf Mal „I refuse to translate“ und beendet die nachdrückliche Strophe mit der Gleichung „5=Over“. Solche Gleichungen finden sich in Chois Gedichten immer wieder: „Race=Nation Purely=Utterly me=gook Ugly=Nation President=For Life! Ugly=Translators S=SEX=FILE=EASY Hardly=Humans.“ WELCHES GEDICHT?!) Brüchige Gleichungen ohne Lösung, nicht enden wollende Denkoperationen, aus denen sich am Ende vielleicht eine Summe ergibt, vielleicht aber auch nicht.

Choi lebt seit dreißig Jahren in den USA: „...Und was haben meine Übersetzungen den LeserInnen dieser Nation zu sagen? Dass Korea keine fremde Nation ist? Dass Korea eine Mini-Version der USA ist?“ Ähnliche Gedanken finden sich auch in ihren Gedichten, in denen Korea als „Neocolony’s Colony“ bezeichnet wird. Fortwährend setzt sich Choi mit der Un-Möglichkeit auseinander, von der Sprache der KolonisatorInnen Gebrauch zu machen, die sie gleichwohl gekonnt unterwandert. Choi will ein Ende der „Grammatik des Gehorsams und des Kolonialismus“ und zitiert aus „Tausend Plateaus“ von Deleuze und Guattari: „Es gibt keine Muttersprache, sondern die Machtergreifung einer herrschenden Sprache“. Chois Gedichte wollen der Macht mit anderen Klängen und Geschichten entkommen: “Me, countless, out to tear. Sane no, lend me. / Say I can’t rain, end me.”

Don Mee Chois Poetik bedient sich verschiedenster Genres und Formen: Memoir, Libretto, Liste, Tagebuch, visuelle Poesie, Essay. „Hardly War“ ist ein hybrider Text über die Gewalt, die der Vater der Autorin, ein Kriegsfotograf, miterlebt hat, und enthält Bilder desselben. “Woe is you, woe is war, hardly war, woe is me, woe are you?” Choi scheibt: „Ich versuche, das Thema race ins Geopolitische und Geopolitik ins Poetische zu wenden. Das heißt, ich beuge mich nicht der Geschichte, kappe ihre Verbindung zur Macht. Das heißt, ich binde jene zusammen, die kaum erinnert und imaginiert und unmerklich entsorgt worden sind.“ – “Reds dead without a mark on them (hence hardly)“. So erreicht Choi schrittweise – »it was partly history... I was narrowly narrator« – etwas Ganzes, das sie bewusst unvollständig lässt.

„Für mich ist die wichtigste Technik beim Übersetzen und Dichten das Scheitern“, so Don Mee Choi. „Wir haben keine andere Wahl, wir müssen scheiternscheitern.“

Text: Priya Basil
Deutsche Übersetzung: Gregor Runge

Foto: Laura Parker


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https://bombmagazine.org/articles/don-mee-choi-and-christian-hawkey/ http://www.lanternreview.com/blog/2012/12/05/a-conversation-with-don-mee-choi/ https://www.youtube.com/watch?v=pbpQPMXWYA0
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