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Gegenstand von Runo Lagomarsinos (*1977 in Lund, Schweden) Installationen, Videos, Fotografien und Zeichnungen sind Konzepte und Institutionen, die nationale Identitäten herstellen, Grenzen ziehen und Kategorien fortschreiben. Immer wieder umkreisen seine Arbeiten Orte, Mittel und Wege des Transits – als tatsächliche Bewegung von Menschen und Gütern über Grenzen hinweg, aber auch als symbolische Grenzübertretungen, die den Blick auf das Fortleben kolonialer Strukturen und Denkweisen richten, die für unsere Gegenwart konstitutiv sind.

Das alles äußert sich in seiner Kunst ganz konkret. So beispielsweise in dem Video More Delicate Than the Historians’ Are the Map-Makers’ Colors (2012–2013), das den Künstler und seinen Vater in einem Park in Sevilla zeigt. Sorgsam packen sie illegal aus Buenos Aires importierte Eier aus, die sie in der Folge gegen das riesenhafte „Ei des Kolumbus“ werfen, das Denkmal The Birth of a New Man des russischen Künstlers Zurab Tsereteli. Lagomarsinos Oeuvre ist von sich wiederholenden Elementen geprägt und so greift er auch Aspekte dieses Videos in verschiedenen seiner Arbeiten wieder auf. Die wechselvolle Geschichte des Denkmals ist Thema der Diaprojektion Following the Light of the Sun, I Only Discovered the Ground (2012–2014). Der Vater des Künstlers erscheint an anderer Stelle erneut: Seinen Spuren folgt Lagomarsino in der Fotoserie Crucero del Norte. Sie ist auf 1976–2012 datiert. 1976 steigt der Vater in einen Bus von Buenos Aires nach Rio de Janeiro, um der argentinischen Militärdiktatur zu entgehen. 2012 vollzieht der Sohn diese Reise nach. Der oben erwähnte augenzwinkernde Aktivismus des Eierwerfens findet seine Entsprechung etwa in der Installation Stolen Light (Abstracto en Dorado) von 2013. Hier werden aus dem Berliner Ethnologischen Museum entwendete Leuchtstoffröhren und Glühbirnen einer vergoldeten Wand gegenüberstellt. Lagomarsino regt ein Nachdenken an über Parallelen zwischen den Leuchtmitteln und dem, was sie ehemals anleuchteten, den ethnografischen Objekten: dem ihnen ursprünglich zugedachten Ort und Zweck entwendet unter Bedingungen zweifelhafter Legalität. Und wenn ein Wäldchen, das am Göteborger Hafen abgeholzt wurde (um die illegale Ausreise von Migrant*innen zu verhindern), vor der Polizeistation in Göteborg wiederaufersteht, werden die Bäume eine mit Kupfer zusammengeflickte Meditation über Grenzen und Kontrolle und gleichzeitig zur aktivistischen Geste (A Country’s Landscape, 2016). Diese bleibt ebenso poetisch – als Verdichtung und Abstraktion des Gegenstands, den sie umkreist – wie das nochmalige Erscheinen eines Satzes, den der Künstler 2009 auf Plakate drucken ließ: „If you don’t know what the south is / It’s simply because you are from the north“. In der Neuauflage 2015 findet er sich auf einem Gepäckband am Göteborger Flughafen, ebenso beiläufige wie pointierte Alltagspoesie.

Aus der engen Vernetzung seiner Arbeiten untereinander entwickelt Lagomarsino in seinen Einzelausstellungen – wie 2018 am Dallas Museum of Art, der Galeria Avenida da Índia in Lissabon oder auch 2015 in der Malmö Konsthall und La Criée centre d’art contemporain, Rennes – durch sich ständig wandelnde Kombinationen immer neue Konstellationen. 2006 wurde seine Diaprojektion We all laughed at Christopher Columbus titelgebend für eine Gruppenausstellung im Stedelijk Museum Bureau Amsterdam. Weitere Ausstellungsbeteiligungen fanden u.a. an der Venedig Biennale (2011 und 2015), im Guggenheim Museum, New York (2014), Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires (MALBA, 2016), Los Angeles County Museum of Art (LACMA, 2017), Museum of Contemporary Art, Chicago (2017), sowie im Museo de Arte de Lima (2018) statt. 2018 nahm er außerdem an der XIV Cuenca Biennal in Ecuador und XIII Bienal FEMSA in Zacatecas in Mexiko teil. Lagomarsino lebt und arbeitet in Malmö und São Paulo.

Abbildung: Runo Lagomarsino: Every day people follow signs pointing to some place which is not their home, 2018, Performance project on the E line train from Copenhagen Central Station to Køge and KØS Museum of Art in Public Spaces, Foto: Mads Holm



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