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Ieva Epneres (*1977 in Liepāja, Lettland) Fotografien und Videos sind durchtränkt mit der Essenz ihres Gegenstands – sie verdichten ihn, evozieren ihn, analysieren ihn. Der Weg zu dieser Essenz führt über das Mittel einer extremen Nahsicht auf gemeinschaftliche Rituale und persönliche Erinnerungen, auf Menschen und ihre Handlungen und Erzählungen, mit einem Blick, der ebenso sezierend wie empathisch ist.

So umkreiste die Ausstellung Sea of Living Memories, gezeigt 2016 bei Art in General in New York und 2016/2017 im kim? Contemporary Art Center in Riga, gegenwärtige Spuren der Sowjetzeit an der lettischen Ostseeküste. Der Film Potom (Later) (2016), gedreht in Liepāja, folgt dem militärisch kargen, einsamen Tagesablauf eines Mannes. Die Falten seines alternden Gesichts und sind für Epnere ebenso von Interesse wie die aufgeplatzten Wandanstriche und die aufgeworfenen Holzfußböden des ruinösen und verlassenen Gebäudes, durch das er sich bewegt. Die verblassten Farben, gespiegelt im Grau des Strandes, des Meeres und des Himmels, deuten ebenso wie seine Uniform auf ein Leben, das in der Vergangenheit liegt und das sich geisterhaft ins Heute fortzieht. Immer wieder nimmt der Film die Ruine einer sowjetischen Festung am Meer in den Blick, die außerdem das Motiv eines handgewebten Wollteppichs in der Ausstellung ist, wie auch die Filzdecken seines Bettes als Objekt in der Ausstellung anwesend sind. Ein weiteres Element der Ausstellung bildeten die titelgebenden Videos Sea of Living Memories (2016), in denen Bewohner*innen des Ostseeortes Pāvilosta von ihren Erinnerungen an die Zeit erzählen, als der Ort sowjetischer Militärstützpunkt war: von den Einreisebeschränkungen und von dem Zugangsverbot zum Strand, aber vor allem von den Interaktionen zwischen den lettischen Einheimischen und dem sowjetischen Militär, von Schülergruppen und Eheschließungen. Die Erzählungen sowohl der russischen als auch der lettischen Zeitzeug*innen berichten von einer Zeit, die nach den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen der lettischen Unabhängigkeit einerseits sagenhaft weit entfernt scheint, deren Auswirkungen sich andererseits gegenwärtig fortschreiben. Wenn auch das Video Four Edges of Pyramiden (2015) einen Ort mit sowjetischer Vergangenheit fokussiert, so ist auch hier Epneres Blick kein historischer: In dieser Nahsicht auf Pyramiden, eine heute touristisch genutzte Geisterstadt sowjetischen Kohleabbaus, sind es erneut seine Anwohner*innen, deren Erzählungen im Zentrum stehen. Sie lenken den Blick von der Vergangenheit des Ortes weg hin zu seiner Spiritualität, zum Leben in der Natur: Ein Aspekt, der in Epneres Oeuvre immer wieder aufscheint, ob durch die Fokussierung von Landschaft oder durch das Interesse an ruralen Traditionen, wie etwa im Video Es mācēju danci vest (I know how to dance) (2018), in dem Epnere folkloristischen Tanz und seine Instrumente Choreografie, Musik und Tracht in den Blick nimmt. Auch hier stehen Traditionen, Rituale und Erinnerungen als Medien der Manifestation des Vergangenen im Heute und ihre identitätsbildende Wirkung im Zentrum ihres Schaffens.

Epnere lebt und arbeitet in Riga, Lettland. Allein 2018 wurden ihre Arbeiten in den Einzelausstellungen On Water, Wind and Faces of Stone in der Fogo Island Gallery auf Fogo Island im kanadischen Neufundland und Hybrid Identities in der HIT Gallery in Bratislava gezeigt; ebenso wie auf der ersten International Biennial of Contemporary Art, Riga, im Jüdischen Museum und Zentrum für Toleranz in Moskau und in der Villa Vassilieff in Paris. Im gleichen Jahr war Epnere Artist-in-Residence am Iaspis in Stockholm und auf Fogo Island.



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