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Der Künstler und Filmautor Pierre Bismuth (*1963 in Neuilly-sur-Seine, Frankreich) lässt unterschiedlichen Systeme – Kunst und Hollywood, Recht und Psychoanalyse – gegeneinander antreten um sie mit ihren eigenen Mechanismen zu sabotieren. Im Zentrum seiner auch als ‚postkonzeptionell‘ bezeichneten Praxis stehen oft der Mythos des Künstlers und sein Schaffensprozess sowie die Strukturen, die diesen ermöglichen.

Für die Serie Following the right hand of … (1999–) projizierte Bismuth einen Film auf eine Plexiglasplatte und zeichnete die Bewegung der rechten Hand ikonischer weiblicher Filmstars wie Marlene Dietrich oder Louise Brooks (später auch Freud und Lacan) mit Textmarker nach. Das letzte verwendete Filmstill liefert jeweils den Hintergrund für die abstrakt-expressionistischen Zeichnungen gespaltener Autor*innenschaft. Je nachdem wie lange der Hand gefolgt wurde, wurden die Portraitierten von schnörkeligen Linien überlagert oder von dichtem Gekritzel fast ausradiert. Certificates of Authenticity (2001) behandelt ebenfalls das Paradox von Handschrift und Autor: ein Schriftstück, das besagt, dass es sich dabei nicht um ein originales Kunstwerk etwa von John Baldessari handelt, trägt dessen Signatur.
The Jungle Book Project (2002) verwebt verschiedensprachige Ausgaben der Disney-Version des gleichnamigen Kinderbuchs von 1894 zu einer babylonischen Utopie, in der jedes Tier eine andere Sprache spricht. Die Verteilung der Nationalitäten ist sowohl dem Ausgangsmaterial geschuldet – so war beispielsweise die Schlange in der italienischen Version am überzeugendsten – und weist gleichzeitig den Tieren bestimmte Charaktere zu, die einerseits die kolonialen Untertöne des Originals aufgreifen, andererseits auf aktuelle politische Ereignisse Bezug nehmen: der Antagonist Shir Khan spricht die Sprache des Empire, während zur Zeit der zweiten Intifada die beiden Protagonisten und Freunde des Menschenkindes Mogli – der Panther Baghira und Balu der Bär – mit arabischer und hebräischer Synchronstimme besetzt wurden.
Für seine Retrospektive Der Kurator, der Anwalt und der Psychoanalytiker 2015 in der Kunsthalle Wien ließ Bismuth diese und andere Werke von je einer Person aus den im Titel zitierten Berufsgruppen in ihrem jeweiligen professionellen Kontext analysieren und die Ergebnisse als komplementäre Wandtexte drucken. So kollidieren in Bismuths Werk immer wieder unterschiedliche Wahrnehmungssysteme und Erzählweisen.
In Trailer 1 zu seinem zweiten Kinofilm Where is Rocky II? (2016) fragt Bismuth auf einer Pressekonferenz den Künstler Ed Ruscha nach dem Verbleib eines mysteriösen Frühwerks, einem 1979 in der Kalifornischen Mojave-Wüste abgestellten Felsen aus Kunstharz. Rocky II wird zu einer Art McGuffin in einem aberwitzigen Vexierspiel, das den Ermittlungen eines angeheuerten Detektivs durch den Kunstbetrieb in die Wüste folgt. „Die offensichtliche Obsession war ein Vorwand. Ich wollte eine Dokumentation in einer Fiktion verstecken. […] Ich wollte einen steten Zweifel wecken an Dingen, die total klar und real sind. Eine Strategie aus dem Bereich der Kunst ins Kino übertragen und wieder zurück in die Kunst.“ (Bismuth)

2005 wurde Bismuth (zusammen mit Michel Gondry und Charlie Kaufman) mit dem Oscar für das beste Drehbuch zum Film Eternal Sunshine of the Spotless Mind (dt. Vergiss mein nicht!, 2004) ausgezeichnet.

Er war Teilnehmer der 11e Biennale de Lyon (2011), 4. Berlin Biennale (2006), Manifesta 4, Frankfurt (2002) und 49. Biennale di Venezia (2001), und hatte Einzelausstellungen u.a. im Kunstmuseum St. Gallen (2017), Kunsthalle Wien (2016 und 2014), La Maison Rouge, Paris (2012), British Film Institute, Southbank Gallery, London (2008), Queensland Art Gallery, Gallery of Modern Art, Brisbane (2008), Centre Pompidou, Paris (2007), Villa Arson, Nizza (2006), Kunstmuseum Thun (2005), Sprengel Museum, Hannover (2002), Kunsthalle Basel (2001), Contemporary Art Center Vilnius (2001), Palais de Beaux Arts, Brüssel (1997), Witte de With, Rotterdam (1997). Pierre Bismuth lebt in Brüssel.



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