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Plastizität des Klangs

Die unvermittelte Kraft und die Rohheit der Klänge, Interferenzen und der performative Akt prägen die Arbeiten von Ashley Fure. Durch Verdichtung und Dekonstruktion komplexer Klangbeziehungen, die nicht selten kollabieren, gestaltet die amerikanische Komponistin musikalische Dynamiken. Bewegung, Plastizität und immersive Momente durchdringen ein Werkspektrum, das sich von elektronisch erweitertem Solo („Wire & Wool“ für Cello und Live-Elektronik, 2009) über Ensemble-/Orchesterwerke („Cyan“ für Orchester, 2009) bis hin zu Installationen und Musiktheaterformaten („The Force of Things“, 2016) erstreckt.
Es sind ihre Neugier und ein analytischer Zugriff, über den Ashley Fure das Material in eigenständige Elemente zerlegt. Einmal herausgeschält, beginnen diese Partikel im nächsten Moment durch Dehnung oder Verzerrung amorphe Gestalten auszubilden (Feed Forward, 2015) – Spektren werden dabei eingefärbt oder ineinander verschränkt und Strukturen bewegen sich gleitend zwischen verschiedenen Dichtegraden. Im Changieren zwischen Material und Form, zwischen Statik und Impulsketten werden Bewegungsenergien der Klänge und Klangschichtungen erlebbar („Bound to the Bow“, 2016). Die Komponistin sucht dabei an den Rändern instrumentaler Möglichkeiten gleichwohl nach fein ziselierenden als auch kraftvollen Klänge: So etwa in „Something to Hunt“ für Septett (2014), das allein vom Kontrabassspieler ein Klangspektrum zwischen propellerartigem Vibrieren der Luft und brachial gegen das Fingerbrett schlagender Rhythmen fordert. Die Klangerzeugung wird plastisch und scheint zum Greifen nahe.
Diese Plastizität wird am ganzen Körper spürbar und in multimedialen Installationen um sinnliche Ebenen erweitert („Veer und Hover“, 2012). In der klanglichen Gestik schließen die Installationen an die Instrumentalwerke an, ergänzen die akustische Dimension allerdings nicht nur um eine eigens gestaltete Umgebung, sondern bieten sensorgesteuerte Interaktionsräume. Dabei schaffen zunächst Materialien wie Baumwolle oder Latex Formen zwischen organisch Gewachsenem und künstlerischer Konstruktion, die darüber hinaus formbildende Bewegungsenergien des Publikums inkorporieren. Auf diesem Weg erscheint „The Force of Things“ als immersives Musiktheaterwerk nur als konsequente Weiterführung. Material, egal ob akustisch, visuell oder plastisch, wird zum Akteur. Neben einfachen Kopplungen von visueller und akustischer Ebene werden raumgestaltende Elemente wie Papierflächen oder Drahtseile zu Klanggeneratoren. Es entspinnen sich Kräftespiele zwischen menschlichen und nichtmenschlichen, organischen und anorganischen Akteuren. Jede Aktion versetzt die physische Umgebung in Vibration und formt eine Art ,Publikum umschließendes Hyperobjekt‘.
Ashley Fure begibt sich immer wieder auf die Suche nach der Kraft und Unmittelbarkeit des Klangmaterials. Aus dem Zusammenspiel von zarten, fragilen Klängen und kraftvollen Geräuschmassen einerseits sowie differenziert ausgeprägten Schichtungen oder Verschränkungen von Klangspektren auf der anderen Seite, gestaltet die Komponistin gleichermaßen akustische als auch plastische Gesten, die es zu erkunden und gegebenenfalls mitzuformen gilt.

Fabian Czolbe

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