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Tänzerische Klangdramaturgien

Als Komponistin und Klangkünstlerin schuf Charo Calvo ein Vielzahl von Klanglandschaften für Tanz, Theater, Film und audiovisuelle Installationen. Über oftmals experimentelle Zugriffe entwickelt sie in ihren Arbeiten jedes Mal aufs Neue eine ganz persönliche Klangsprache und Dramaturgie der Klangobjekte.
Zunächst studierte die 1960 in Madrid geborene Tänzerin und Komponistin Physik, zum Tanz selbst führt sie Anfang der 1980er Jahre ein Workshop mit Martha Graham. In den folgenden Jahren widmete sich Calvo zunächst dem Tanz, erarbeitet ab 1987 als Gründungsmitglied der belgischen Tanzkompanie Ultima Vez unter der Leitung von Wim Vandekeybus mehrere Stücke und ging mit diesen international auf Tour. In der Zusammenarbeit mit der Kompanie entstand aber schon bald ein Reihe von Bühnenmusiken (Immer das Selbe gelogen, 1991; Exhaustion of Dreamt Love, 1996) und Sounddesigns für Tanzfilme (In spite of wishing and wanting, 2001; Blush, 2005). Die Arbeit an dieser Schnittstelle zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie mit dem Erarbeitungsprozess auf der Bühne einhergeht und so das für diese Werke charakteristische Beziehungsgeflecht zwischen Choreographie und Klangraum entwickelt .
Bereits zu Beginn der 1990er Jahre begann Calvo mit Kompositionsstudien bei Annette Vande Gorne im belgischen Mons. Die intensive Auseinandersetzung mit akusmatischer Musik (Cette Blessure, 1995; Narciso, 1996) und der Spazialisierung elektroakustischer Werke spürt man in den Arbeiten Calvos bis heute. So spürt die Komponistin beispielsweise mit Qualia (1999) auf akusmatischem Wege den subjektiven Erlebnisgehalten des Geistes nach. Ganz persönliche, tiefgreifende Erfahrungen, so genannte ,raw experiences‘, verschiedener Künstlerkolleginnen in der je eigenen Muttersprache umgarnt und durchzieht Calvo mit klanglichen Farben und Bewegungen. Sie schafft akustische Dichten, räumlich dynamisierten Klangdramaturgien und versucht der „Qualia“, den phänomenologischen Empfindungen, außerhalb des Selbst eine Stimme zu geben. Dieses Selbst in einer Klanglandschaft zu gestalten, ist ebenso in dem preisgekrönten Phonobiographie # 1 (2013) zu beobachten. Über das Auditive blickt die Künstlerin auf die eigene Biografie und den schon mehr als 25 Jahre zurückliegenden Aufbruch aus der Heimat ins belgische Brüssel. Sie schafft ein akusmatisch raues Klangbild ihrer spanischen Erlebniswelt, das immer wieder durch scheinbar vorausweisende, klanglich scharfe, elektronisch erzeugte Impulse durchbrochen und dynamisiert wird.
Calvo folgt in ihren elektroakustischen Arbeiten erzählerischen und emotionalen Direktiven der akusmatischen Musik. Sprache erscheint dabei immer wieder als zentrale Ebene, die eingebettet in teils kontrapunktische Klangbilder oder Rhythmen etwas dokumentarisch Tänzerisches bekommt. Ihre Arbeiten werden zu vielschichtigen Erzählungen aus scheinbar wohl bekannten mentalen sowie akustischen Erfahrungsräumen und vollkommen eigenständigen, elektronisch geformten Klangwelten. Sie versteht es, konkrete Klangsplitter so in unterschiedlich dichten Atmosphären anzuordnen und miteinander zu verknüpfen, dass sich über die Klangdramaturgien spannende Narrative entfalten.

Text: Fabian Czolbe

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