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Seinen ersten abendfüllenden Dokumentarfilm A World Not Ours (2012), der über dreißig internationale Preise errang, beschreibt der Filmemacher Mahdi Fleifel als „mehr als ein Familienporträt; es ist der Versuch, festzuhalten, was vergessen wurde, und zu markieren, was nicht aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht werden sollte.“ In allen seinen Filmen beschäftigt der Regisseur sich mit der Frage nach der Konstruktion von Identität: Wie sind wir geworden, was wir sind? Wo kommen wir her? Mahdi Fleifel beschäftigt sich mit diesen Fragen im Stil des Cinéma direct anhand des Alltags und der Realität von Geflüchteten. Oft über viele Jahre hinweg heftet er sich an die Fersen seiner Protagonisten, zeigt, wie aus ihren Hoffnungen und Träumen allmählich Alpträume, etwa ein Kreislauf aus Drogen und Prostitution, werden. Trotz der tristen Erfahrungen des Exils schafft Mahdi Fleifel es, diese humorvoll oder satirisch zu brechen. Verantwortlich für diese besondere, schonungslose Qualität seiner Betrachtung ist vermutlich, dass er selbst im Flüchtlingslager Ain el-Helweh im Libanon aufwuchs und viele seiner Protagonisten von dort kennt. Seine Familie lebt dort bereits in dritter Generation.
1979 in Dubai geboren, im Flüchtlingslager Ain el-Helweh im Libanon aufgewachsen sowie später in einem Vorort von Elsinore in Dänemark, schloss Mahdi Fleifel 2009 sein Studium an der National Film and Television School in London ab. Sein Kurzfilm Arafat and I (2008) lief auf Festivals weltweit und gewann zahlreiche Preise. Fleifels erster abendfüllender Dokumentarfilm A World Not Ours (2012) war 2013 im Panorama der Berlinale zu sehen, erhielt dort den Friedenspreis sowie bei den Festivals von Yamagata, Edinburgh und DOC:NYC jeweils Hauptpreise.
Mit seinem jüngsten Projekt, A Man Returned (2016), wurde er für den Europäischen Filmpreis nominiert und erhielt 2016 den Silbernen Bären bei der Berlinale. Mahdi Fleifel folgt darin einem Jugendfreund, Reda (26), bei seiner Rückkehr ins größte palästinensische Flüchtlingslager im Libanon. Die letzten drei Jahre hat er in Athen auf der Straße gelebt. Seine Bemühungen, in Europa als Flüchtling anerkannt zu werden, sind gescheitert. Er ist heroinabhängig. Doch er will sein Leben jetzt zum Besseren wenden, heiraten. „Hast Du es eilig?“, fragt Reda seine zukünftige Frau am Telefon. „Ich denke eine Menge über unser neues Leben nach“, fährt er fort, „ich meine, es kann echt schwer werden, unser neues Leben, keiner von uns hat das vorher schon mal ausprobiert. Wir müssen einfach das Unmögliche möglich machen. Mit unserer Liebe, unserem Vertrauen und unserem Verständnis für den anderen.“ Wird dieser Traum gelingen?
In dem kurzen Dokumentarfilm Xenos (2013) folgt Mahdi Fleifel ebenfalls einem Jugendfreund, Abu Eyad, auf seinem Weg aus dem Camp Ain el-Helweh heraus über Syrien bis nach Griechenland. Als sie endlich Athen erreichen, wird das Land gerade von dem drohenden wirtschaftlichen und politischen Kollaps erschüttert. Über Filmaufnahmen aus der griechischen Hauptstadt montiert der Regisseur seine Telefonate mit Abu Eyad, in denen sich sein täglicher Kampf ums Überleben abzeichnet; an einem Ort, der ihm einst als Verheißung erschien und nun für ihn zur Hölle geworden ist.
September 1993: Zwei Staatsmänner reichen sich die Hand, flankiert von einem Dritten – Yasser Arafat, Yitzhak Rabin und Bill Clinton stehen im Garten vor dem Weißen Haus. Ein historischer Moment. Mahdi Fleifel zeigt ihn in zwanzigfacher Wiederholung. 20 Handshakes for Peace (2014) nennt er seinen dokumentarischen Kurzfilm. Auf der Tonspur bringt der aus Palästina stammende Literaturwissenschaftler Edward Said in seinem letzten Interview seine Entrüstung über den mit diesem Handschlag besiegelten sogenannten „Osloer Friedensprozess“ zum Ausdruck. 20 Handshakes for Peace entstand für das Filmprojekt Suspended Time, in dessen Rahmen neun palästinensische Regisseure gebeten wurden, einen Film zum 20. Jahrestag des Osloer Friedensabkommens zu drehen. Mahdi Fleifels Beitrag wurde 2015 im Forum Expanded der Berlinale gezeigt.
Im Mai 2017 schließlich lief bei den Filmfestspielen in Cannes die Uraufführung von Mahdi Fleifels A Drowning Man, der erste fiktionale Film des Regisseurs seit fast zehn Jahren,
der für die Goldene Palme in der Sektion Kurzfilm nominiert wurde.



Text: Maike Wetzel


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Filme (Auswahl): 2017 A Drowning Man (short film, 15’) 2016 A Man Returned (Kurzfilm, 30‘) 2014 20 Handshakes for Peace (Kurzfilm, 5‘) 2013 Xenos (Kurzfilm, 13‘) 2012 A World Not Ours (Dokumentarfilm, 93’)
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