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Das zentrale Thema in Teresa Margolles künstlerischer Arbeit ist der Tod. Der organisierte Drogenkrieg in ihrer Heimat Mexiko, die damit verbundene Allgegenwart von Gewalt und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft sind die Bedingungen, unter denen Margolles gegen die Anonymisierung des Todes und das Verschwinden von Körpern an-arbeitet, indem sie uns schonungslos mit dem konfrontiert, was von den Menschen übrigbleibt. Bekannt wurde die 1963 in Culiacán geborene Künstlerin unter anderem mit monochromen Leinwänden, hinter deren vordergründig abstrakt-malerischer Ästhetik sich die Tatsache verbarg, dass sie mit dem Blut auf der Straße Getöteter getränkt waren. Und erst mit diesem Wissen zeigt sich ihr radikaler Realismus. Die Leinwand ist gleichzeitig Träger von Blut und Schmutz, sowie Übermittler einer konkreten, grausamen Geschichte. Ihr Material bezieht die Künstlerin, die selbst in der Gerichtsmedizin gearbeitet hat, meist aus Leichenschauhäusern, oder direkt von den Tatorten. Die Arbeiten, die daraus entstehen, stehen formal im Kanon der Minimal Art, „berühren“ jedoch ganz unmittelbar mit Substanzen wie Blut, Körperfett oder Leichenwaschwasser, wodurch der „Betrachter“ seinen gewohnt distanzierten Standpunkt verliert. Das Kunstwerk ist bei Teresa Margolles keinesfalls autonom, sondern ein entlarvender Beweis unerträglicher sozialer Umstände.

In den letzten Jahren hat sich ihr Fokus vor allem auf die Gewalt gegen Frauen in Lateinamerika gerichtet. Insbesondere die Stadt Ciudad Juárez an der nördlichen Grenze Mexikos erlangte in den letzten zwanzig Jahren tragische Berühmtheit durch unzählige sogenannte Femizide, brutale Morde an Frauen, und die Straffreiheit ihrer Mörder. Aber auch soziale Randgruppen sind von Gewalt bedroht und werden systematisch aus dem Stadtzentrum verdrängt, indem ihre Lebensräume zerstört werden. Über lange Zeit arbeitete Margolles eng mit Transgender-Sexarbeiterinnen zusammen, die insbesondere Opfer von Diskriminierung und Hassmorden sind. Für die Fotoserie Pista de Baile (2015) hat Margolles Transgender-Sexarbeiterinnen auf den Überresten von Tanzflächen zerstörter Nachtklubs porträtiert. Eine dieser Frauen, Karla, mit der Margolles für die Manifesta 11 in Zürich ein Pokerspiel mit einer Sexarbeiterin aus der Schweiz organisieren wollte, wurde Ende 2015 ermordet.

La Sombra Bolivia (2015) für die Biennale von La Paz, Bolivien, war ein im öffentlichen Raum aufgestellter Schirm, ähnlich denen, die Marktständen Schatten spenden. Auf einem 1,70 m hohem und 1,90 breitem Metallgestell war eine Decke gespannt, die einen rechteckigen Schatten auf das Pflaster warf. Das Gewebe stammte aus dem Leichenschauhaus von La Paz und enthielt die Leiche einer kurz zuvor ermordeten Frau. Nach Angaben des Nationalen Instituts für Statistik erleben 87% aller Frauen in Bolivien körperliche Gewalt.
Das Blut, der Schatten, oder Fragmente aus gewaltsam zerstörten Gebäuden fungieren in Margolles Werk als Sensoren, mit denen die Künstlerin den unzähligen Opfern eine Stimme und eine Sichtbarkeit gibt.

Text: Eva Scharrer


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