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Die Unterscheidung von Bestimmen und Erkennen ist ein zentraler Aspekt in Iman Issas Arbeit – wobei das eine auf beschreibenden Fakten beruht, das andere auf Erinnerung und Assoziation. Die 1979 in Kairo geborene und in New York und Kairo lebende Künstlerin untersucht in ihren Installationen aus Objekten, Skulpturen, Fotografie, Video, Sound und Schrift die Wechselwirkungen von Text und Abbild, sowie die Lücken zwischen Erinnerung, Fiktion und Geschichtsschreibung. Die visuelle Grammatik von Museumspräsentationen steht im Mittelpunkt ihrer Auseinandersetzung, wobei sich in den letzten Jahren der Fokus verschoben hat von historischen Ereignissen und Biografien aus dem arabischen Kulturraum und deren Denk- und Mahnmalen hin zu der formalen Sprache von Artefakten.

Material (2010-2012) besteht aus insgesamt zehn Displays mit Texttafeln und verschiedenen Objekten, die als Vorschläge für alternative öffentliche Denkmäler zu lesen sind, wobei die begleitenden Texte zugleich Titel, Beschreibung und Rätsel darstellen: „Material for a sculpture proposed as an alternative to a monument that has become an embarrassment to its people“ steht auf der Tafel neben einem Tisch mit zwei kugelförmigen Lichtkörpern, die abwechselnd aufscheinen und erlöschen. „Material for a sculpture commemorating an economist whose name now marks the streets and squares he once frequented“ beschreibt eine Vitrine mit persönlichen Gegenständen eines wohl älteren Herrn, darunter ein Paar Lederschuhe, eine Taschenuhr, ein Fotoalbum. Man kann darüber spekulieren, welches konkrete Monument, welches historische Ereignis, welche Bewegung oder Person gemeint sein könnten, doch geben weder die Displays noch die Texttafeln darüber Auskunft. In ähnlicher Weise – etwas wie Italo Calvino’s „Unsichtbare Städte“ – funktioniert Thirty-Three Stories about Reasonable Characters in Familiar Places (2011), ein Buch aus jeweils einseitigen fiktiven Kurzgeschichten, das für die Künstlerin sowohl ein literarisches wie künstlerisches Werk ist. Ohne dass etwas konkret benannt wird, lassen vage Beschreibungen aus individueller Erinnerung und persönlicher Erfahrung Bilder von Orten, Personen oder Situationen entstehen.

Eine Auswahl an Werken der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, deren Titel aus einzelnen Worten bestehen, bildet den Ausgangspunkt für Lexicon (seit 2012). Ohne Abbildungen oder weitere Informationen über Kontext, Entstehungsjahr und Material der Referenzwerke zu liefern, präsentiert Issa ihre eigene, abstrakt-minimalistische formale Umsetzung von Begriffen wie „Arbeiten“ [Laboring (Study for 2012), 2012] – eine abstrakte Holzskulptur, die Form einer Sanduhr andeutend – oder „Monologsprecher“ [Monologist (Study for 2014), 2014] – ein vertikal auf einem Dreibein angebrachter Kegel.

In ähnlicher Weise beschäftigt sich die jüngste Serie Heritage Studies (seit 2015) mit der Erforschung von kulturellem Erbe, der Anwendbarkeit akademischen Wissens und der Nutzung von Geschichte. Die skulpturalen Neuinterpretationen historischer Artefakte untersuchen den Akt der Wahrnehmung selbst und fragen nach deren Bedeutung für unser Verständnis der Gegenwart. Ohne nachahmen zu wollen, beziehen sich Issas Skulpturen in Form, Größe und Material auf die in den wissenschaftlichen Labels angegebenen Informationen, unterziehen diese jedoch einer abstrakt-poetischen Transformation.

Text: Eva Scharrer


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