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Banu Cennetoğlu studierte Psychologie in Istanbul und Fotografie in New York und Paris; 2003 schloss sie ein weiteres Studium an der Amsterdamer Rijksakademie ab. 2005 kehrte sie nach Istanbul zurück und gründete dort 2006 den nicht-kommerziellen Projektraum BAS, der sich auf das Sammeln und Verlegen von Künstlerbüchern fokussiert.

Cennetoğlus Arbeiten spiegeln ihre Faszination für Bücher, Archive und Sammlungen, ihre Form und Funktion, das Erfassen, Speichern und Verbreiten von Informationen. Große Aufmerksamkeit schenkt sie darüber hinaus dem geschriebenen Wort und dem gedruckten Bild, der Weitergabe von Ideen und Überzeugungen durch Symbole und Zeichen. Die Künstlerin arbeitet in einer Vielzahl von Medien – häufig in Form von Gemeinschaftsprojekten – und steht so bei der Produktion ihrer Arbeiten mit den verschiedensten Institutionen und Individuen in Kontakt – von handwerklich arbeitenden Buchbindern bis hin zu einem ‚Habitat and Human Energy Rebalancing Coach’.

2009 konzipierte Cennetoğlu eine Ausstellung mit dem Titel ‚CATALOG’ für den türkischen Pavillon auf der Biennale in Venedig. Das Fotoprojekt, das 452 ihrer Fotos aus den Jahren 1993 bis 2007 in 15 Rubriken in einem Buch zeigt, ist ein 904 Seiten starker Versandkatalog und ihre bislang größte Arbeit. Für die Dauer der Ausstellung stand jedes Bild als kostenloses Download auf einer Webseite zur Verfügung. Die Arbeit ist eine Hommage an das Konzept des Künstlerbuches (oder eine Ausstellung im Buchformat) und eine Würdigung der Demokratisierung der Kunst durch das Publizieren und die digitalen Technologien. Man könnte sie auch als Eigen-Retrospektive oder als öffentlich gemachtes persönliches Archiv verstehen.

In jüngerer Zeit hat Cennetoğlu eine Reihe von einzigartigen Präsenzbibliotheken ausgestellt, die sämtliche Zeitungen eines Landes an einem bestimmten Tag präsentieren. Die Zeitungen sind alphabetisch nach ihrem Titel geordnet und werden als Serie von schwarzen Hardcover-Bänden präsentiert, in denen man während der Ausstellung kostenlos blättern kann. In den Buchrücken ist jeweils das Datum eingeprägt, das auch der Titel der Arbeit ist. Dieses fortlaufende Projekt wurde bislang in verschiedenen Ländern realisiert: in der Türkei (‚28.08.2010’), in der Schweiz (‚14.01.2011’), in 20 arabischsprachigen Ländern (‚02.11.2011’), in Zypern (‚29.06.2012’), dem Vereinigten Königreich (‚04.09.2014’) und in Deutschland (‚11.08.2015’).

Dieses Anlegen eines Archivs und das Kartieren eines gewählten Territoriums – das etwas von seiner Kultur, seinen Werten und seinem Selbstbild preisgibt – findet sich auch in anderen Projekten. The Library of Spirits Part I: Romania (2013) ist die erste einer Reihe von Arbeiten, die sich mit der illegalen, aber dennoch weit verbreiteten Praxis des Schwarzbrennens beschäftigen. Sie besteht aus einer Reihe von Wandregalen mit 115 Glasflaschen à 100 ml. Jede Flasche enthält ein anderes alkoholisches Getränk und trägt den Namen der Person, die den Alkohol gebraut hat; daneben enthält sie genauere Informationen zur Destillation und zu Cennetoğlus ‚Kontaktgeist’ (d.h. der Person oder Sache, die den Kontakt zur Quelle hergestellt hat). Als die Arbeit das erste Mal in Budapest ausgestellt wurde, war sie begleitet von einer Selbstbedienungsbar, an der die Spirituosen in Originalflaschen zur freien Verkostung angeboten wurden – einer Palette von Flaschen für Softdrinks, Saft und Wasser, die neu aufgefüllt wurden. The Library of Spirits Part II: South Korea entstand 2014 für die 10. Gwangju Biennale. Aktuell arbeitet Cennetoğlu an Teil III: Deutschland für die Triennale Kleinplastik Fellbach.



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