Gäste Profil Veranstaltungen Chronik Bewerbung
Kontakt/Impressum
Publikationen
Newsletter
Blog andere Programme
Rekonstruktion von Erinnerung ist ein zentrales Thema in den komplexen Film- und Videoarbeiten der neuseeländischen Künstlerin Sriwhana Spong (*1979). Im klassischen Ballett ausgebildet, gilt ihr Interesse besonders dem modernen Tanz als persönlichem Ausdrucksmittel sowie der Überlieferung, Wiederbelebung und Interpretation von Tanzstücken. Aufgrund lückenhafter, wenn überhaupt vorhandener, Dokumentation und oft idiosynkratischer Notationen ist die Rekonstruktion von historischen Tanzstücken höchst problematisch. Die wenigen erhaltenen Fotografien und Filmaufnahmen ermöglichen lediglich Annäherungen an die ursprüngliche Aufführung. Spong nutzt diesen Freiraum, um moderne Tanzmythen bzw. -traditionen durch das Medium Film und mittels einer individuellen Körpersprache neu zu interpretieren.
In den Tanzsequenzen für »Costume for a Mourner« (2010) verwendet Spong als Ausgangsmaterial Igor Strawinskys Ballettmusik »Le chant du rossignol«, die, nach einer Vertonung von Hans Christian Andersens Märchen »Die Nachtigall« für die Ballets Russes, in der Ausstattung von Henri Matisse und der Choreografie von Georges Balanchine 1925 in Paris zur Uraufführung kam. Gemeinsam mit dem Choreografen Benny Ord gelingt Spong die Überwindung der historischen Distanz und eine eigenwillig abstrakte Annäherung an das impressionistische Meisterwerk. Vergessen, Erinnern und Erschaffen des Neuen wird als Teil eines kreativen Prozesses verstanden. Auch in der Doppelprojektion »Lethe-Wards« (2010), frei nach John Keats Gedicht »Ode an eine Nachtigall«, nutzt die Künstlerin eine Vorlage aus der Mythologie als inhaltliches und formales Fundament, um eine Erinnerung in Szene zu setzen. Der Titel verweist auf Lethe, den Unterweltfluss der griechischen Mythologie, dessen Wasser den Trinkenden vor dem Eintritt in das Totenreich alles vergessen lässt, und es Spong erlaubt, von hier aus Erinnerung neu zu konstruieren. Eine Erinnerungsarbeit, die nicht nur auf Recherche, Archäologie und der Erstellung von Analogien besteht, sondern auf aktiver Verwandlung und Interpretation.
in diesem Sinne sind »Beach Study« (2014) und »Learning Duets« (2012) ebenfalls Filmarbeiten, die eine persönliche Kindheitserinnerung der Künstlerin an einen fast vergessenen Ort nicht nur Illustrieren, sondern Aktualisieren: die Insel Waiheke im Hafen von Auckland, deren Existenz aufgrund wechselnder Besitzverhältnisse bedroht ist. Da ein öffentlicher Zugang zur Insel unmöglich gemacht worden ist, verschwindet Waiheke regelrecht von der Bildfläche und damit aus dem kollektiven Gedächtnis. Diesem langsamen Prozess begegnet Spong mit einer Tanzchoreografie, die auf die Natur der Insel reagiert. Unter Verwendung von Farbfiltern führt sie auf poetische Weise den Gegensatz von unberührter Natur und unbewussten Verdrängungsmechanismen vor Augen.


Sriwhana Spong
Beach Study
2012
16mm transferred to HD video
7’30
Image courtesy the artist and Michael Lett
Text: Angela Rosenberg
Kamera/Schnitt: Uli Aumüller, Sebastian Rausch

Print
Veranstaltungen beim DAAD
Im Wintergarten

Gastprofessuren
curating connections
Künste & Medien
Artists in Residence am PIK