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In den Arbeiten der Dokumentarfilmeregisseurin und Videokünstlerin Nguyen Trinh Thi geht es um Gesellschaft und Geschichte — vor allem um die komplizierte, traumatische Geschichte ihres Heimatlandes Vietnam und deren Fortwirken bis in die Gegenwart. In ihren längeren Dokumentarfilmen lässt die Regisseurin in ruhigen Bildern ohne Voice-Over-Kommentar die Menschen des Landes zu Wort kommen. Für »Chronicle of a Tape Recorded Over« (2011) etwa begab sich Thi auf eine Reise entlang des Ho-Chi-Minh-Pfades — jenes Verkehrsnetzes, das während des Vietnamkrieges dazu genutzt wurde, die logistische Unterstützung für den Kampf gegen die US-Army zu gewährleisten — und nahm die Erinnerungen von Menschen auf, die entlang des Pfades siedeln. Gleichzeitig handelt der Film aber auch von den Schwierigkeiten, im nach wie vor repressiv regierten kommunistischen Einparteienstaat Vietnam offen und öffentlich Interviews zu führen. Auch This bisher bekannteste Dokumentation »Love Man Love Woman« (2007) setzt sich mit gesellschaftlicher Repression auseinander — genauer: mit der Situation homosexueller Männer in Vietnam. Thi porträtiert in ihrem Film Meister Luu Ngoc Duc, ein bekanntes Geister-Medium Hanois, und die »Dao Mau«-Religion, einen in Vietnam verbreiteten Muttergöttinnen-Kult, dessen Rituale und Gemeinden vielen Homosexuellen eine Heimat bietet.
In ihren kürzeren Videos und in ihren Installationen dagegen setzt sich Thi mittels konzeptueller Gesten mit verschiedenen Themen auseinander. »Landscape Series #1« (2013), eine knapp 5-minütige Diainstallation, versammelt Bilder verschiedener Menschen, die jeweils auf etwas deuten — sei es auf eine Landschaft, auf Maschinen, ins Innere einer Hütte, auf andere Personen oder auch auf den eigenen Kopf. Eine technisch avancierte Serie besteht aus den Video Installationen »Unsubtitled« (2010), »Que faire« (2012) und »Solo for a Choir« (2013). In diesen Arbeiten geht es um die Rolle und Situation von Künstlern und Kreativen in der vietnamesischen Gesellschaft und die Probleme künstlerischer Freiheit und Zensur. Thi filmte dafür eine Reihe vietnamesischer Künstler und projiziert deren lebensgroße Porträts auf freistehende Holzsilhouetten im Raum. Im Ganzen ergibt sich so eine Art begehbares Gesellschaftsgemälde einer Künstlercommunity — ein Bild, das jedem seine Individualität und Eigenheit zugesteht und dennoch auf eine bestimmte Kollektivität verweist.


Nguyen Trinh Thi: 'SOLO FOR A CHOIR' 2013 installation view, Goethe Institut Hanoi
Foto: Jamie Maxtone-Graham
Courtesy: the artist
Text: Dominikus Müller
Kamera/Schnitt: Uli Aumüller, Sebastian Rausch

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