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Die 1972 im Libanon geborene Dokumentarfilm-Regisseurin Eliane Raheb ist eine politische Filmemacherin, die in ihren inszenierten Filmen vor dem Hintergrund des libanesischen Bürgerkriegs mit Schärfe und emotionalem Nachdruck universellen moralischen Fragen nachgeht. Die Herangehensweise der studierten Filmwissenschaftlerin liegt an der Schnittstelle von politischer Kunst zu Dokumentarfilm mit Zügen von investigativem Journalismus. International für Aufsehen sorgte Eliane Raheb mit ihrem zweistündigen Langfilm-Debüt Sleepless Nights (2012): „Es ist schwer, einen libanesischen Film zu finden, der sich nicht mit dem blutigen Bürgerkrieg beschäftigte. Doch es ist weitaus schwieriger, einen besseren Streifen über dieses Thema zu finden als Sleepless Nights.“ (Variety) Ein weiteres wichtiges Branchenblatt, Sight and Sound, zählte den Film zu den 25 besten internationalen Neuerscheinungen des Jahres 2013. Eliane Raheb konfrontiert darin den ehemaligen Geheimdienstoffizier Asaad Shaftari mit der Mutter eines 15jährigen kommunistischen Vermissten. Obwohl die Ereignisse aus dem libanesischen Bürgerkrieg 30 Jahre zurückliegen, wühlte der Film nicht nur seine Protagonisten, sondern die Zuschauer im ganzen Land auf. Szenen daraus dienten sogar als Beweismaterial für zwei Massengräber vor Gericht. Sleepless Nights bietet keine einfachen Antworten, sondern untersucht das Konzept von Schuld und Vergebung auf vielschichtige Art und Weise. Beispielsweise inszeniert die Regisseurin ihre dokumentarischen Protagonisten und lässt sie in einem fiktiven Schauspielworkshop agieren. Ein weiteres Mal gebrochen wird diese filmische Realität, wenn etwa eine zweite Kamera die gesamte Drehsituation enthüllt oder trotz des festen Drehbuchs Konfrontationen live vor der Kamera stattfinden. Der Film heimste weltweit Bewunderung und Preise ein, etwa den Menschenrechtspreis beim Cine Invisible in Bilbao, den Dokumentarfilm-Wettbewerb beim Birds Eye View Festival in London und den Langfilm-Wettbewerb beim LAIFF Festival in Argentinien.
Ihr Debüt als Regisseurin gab Eliane Raheb 1995 mit dem Kurzspielfilm The last screening (1995), der von der spezielle Beziehung eines jungen Mädchens zu dem Kino, das einst ihrem Großvater gehörte, erzählt. Seither drehte sie mehrere kürzere Dokumentarfilme. In So near yet so far (2002) reist die Filmemacherin zu den Kindern im Libanon, Jordanien und Ägypten, die vom Besuch der Nachbarländer träumen. Doch die Intifada hat ihre Träume unmöglich gemacht. In Suicide (2003) reflektiert Eliane Raheb die Auswirkungen der amerikanischen Invasion im Irak auf den Libanon. Während einige Intellektuelle sich mit der Ausweglosigkeit der Situation abfinden, werden andere Opfer der irakischen Propaganda und entschließen sich, an der Seite des Regimes zu kämpfen. Der Film gewann den zweiten Preis beim Mumbai Filmfestival.
Als im Jahr 2008 die Gewalt im Libanon wieder aufflammte, drehte Eliane Raheb den einstündigen Dokumentarfilm This is Lebanon. Als Angehörige der christlichen Minderheit porträtiert sie darin diejenigen, die sich gegen das Establishment und die patriarchalen familiären Strukturen des Landes stellen. Beide Tendenzen bilden, gemäß der Filmemacherin, die Wurzel für religiöses und politisches Sektierertum. This is Lebanon (2008) errang eine besondere Auszeichnung beim Yamagata Filmfestival in Japan und wurde von ARTE, ZDF sowie Al Jadeed ausgestrahlt.

Zusammen mit ihrem Produzenten Nizar Hassan schließlich begründete Eliane Raheb, die an der Beiruter St Joseph University Dokumentarfilm unterrichtet, das transnationale medienübergreifende Dokumentarfilmprojekt Free Arabs (2011-2012) und produzierte in diesem Zusammenhang 160 Kurzfilme von jungen Filmemachern aus sieben verschiedenen Ländern des arabischen Frühlings. Außerdem stand sie sechs Jahre lang dem Filmfestival Ayam Beirut Al Cinema´ya als künstlerische Leiterin vor.

Text: Maike Wetzel
Film still: Sleepless Nights
Kamera/Schnitt: Uli Aumüller, Sebastian Rausch


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Filme (Auswahl): 2012 Sleepless Nights (Dokumentarfilm, Video, 128’) 2008 This is Lebanon (Dokumentarfilm, Video, 58’) 2003 Suicide (Dokumentarfilm, Video, 26’) 2002 So near yet so far (Dokumentarfilm, Video, 58 ‘)
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