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Der 1975 in Beirut geborene Künstler Mazen Kerbaj ist gleichermaßen Musiker und Zeichner. In unterschiedlichen Magazinen und Verlagen veröffentlichte er Zeichnungen, eine Vielzahl von Kurzgeschichten und mehrere Bücher. Seine comichaften Zeichnungen und Karikaturen erinnern dabei an Picassos Portraits der Dora Maar mit kubistisch anmutenden, synchron erscheinenden Blickwinkeln und teils deutlich deformierten Gesichtszügen. Nicht selten tritt das Dargestellte bei Mazen Kerbaj in Begleitung von Worten oder bissigen Kommentaren auf, die einerseits von der Zerrissenheit eines Lebens im Krieg erzählen und zugleich nach einem Ausdruck für die markerschütternden Klänge dieser und anderer Ereignisse ringen.
Was den Bildern zum Teil verwehrt bleibt transformiert Mazen Kerbaj in seine Musik. Ob aus Resignation, Widerstand oder zum Trotz bleibt offen, wenn er in ein improvisiertes Duett mit den Bombeneinschlägen in Beirut 2006 einstimmt. Starry Night ist eine minimalistische Improvisation, die zeigt, welche Klangvielfalt aus seinem experimentellen Umgang mit bestimmten Instrumenten entwickelt werden kann. Es überrascht daher nicht, dass Mazen Kerbaj zu den Vorreitern improvisierter Musik im Nahen Osten zählt. So gründete er verschiedene Improvisationsensembles und spielte mit Künstlerkollegen wie der Saxophonistin Christine Sehnaoui erste Konzerte experimenteller, improvisierter Musik in der Region. Zusammen mit dem Gitarristen Sharif Sehnao rief er im Jahr 2000 mit dem Irtijal Festival das erste Festival für improvisierte Musik sowie die ersten Labels für Improvisationsmusik im Libanon ins Leben. Entwickelte er zu Beginn seine experimentelle Klangwelt noch durch eine differenzierte Klangerzeugung auf dem Saxophon, so sucht er zunehmend die Verbindung zu anderen Instrumenten.
Die radikale Experimentierfreudigkeit zeigt sich u.a. in einer »Synthese« aus Saxophon und Trompete. Durch die Kombination von Saxophonmundstück und Trompetenkorpus, elektronischen Effekten und erweiterten Spieltechniken schafft Mazen Kerbaj eine vielschichtige teils meditative, teils energiegeladene Klanglandschaft. Die Potenziale einer präparierten Trompete in kompositorische Konzepte zu überführen, ist ein Ziel im Rahmen der Berliner Künstlerresidenz. Die Überlagerung verschiedener Klangbänder, die bspw. aus der unaufhörlichen Wiederholung einer einzelnen, musikalischen Geste und dem kontinuierlichen Strom von klanglichen »Mikroereignissen« entstehen, eröffnet einen kompositorisch neuen Horizont von harmonisch differenzierten Klangfeldern.
Dieser spieltechnisch und musikalisch innovative Umgang mit der präparierten Trompete machte Mazen Kerbaj zu einem in der europäischen Improvisationsszene geschätzten Musiker – etwa im Trompetentrio mit Axel Dörner (D) und Franz Hautzinger (A). Den Musikern geht es dabei nicht nur um den Effekt, sondern um Kompromisslosigkeit, Beharrlichkeit und letztlich die innere Freiheit. Als Musiker und Künstler pendelt Mazen Kerbaj seit gut 15Jahren zwischen dem Nahen Osten, Europa und den USA – egal, ob aufgrund von Ausstellungen seiner Bilder und Zeichnungen oder als Solist und Ensemblemitglied in Konzerten. Nicht zuletzt schaffen onomatopoetische Zeichenketten in der Arbeit Mazen Kerbajs die Verbindung zwischen dem Sound der Comics und den Klangstrukturen der Musik.


Text: Fabian Czolbe
Foto: Kai Bienert
Kamera/Schnitt: Uli Aumüller, Sebastian Rausch

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