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Alltägliches und Poetisches verbindet sich in den Filmen der 1979 geborenen brasilianischen Regisseurin Clarissa Campolina zu dokumentarisch anmutenden, impressionistischen Kinogemälden von großer Intensität. Es sind die Bilder, die die Handlung tragen – und nicht umgekehrt. Kunstvoll unaufdringlich, hingetupft sorgte diese Erzählweise spätestens seit Clarissa Campolinas Langfilmdebüt Girimunho (Der Wirbel, 2011) für internationale Aufmerksamkeit. Die Regisseurin realisierte diesen sowie weitere Filme gemeinsam mit Helvécio Marins, der 2014 Gast des Berliner Künstlerprogramms war. Beim Filmfestival von Venedig erhielt Girimunho den Interfilm-Preis. In der taz schrieb Michael Baute: „Bisweilen begegnen einem Filme, deren formale und inhaltliche Eigenständigkeit so frappierend und neuartig ist, dass es schwerfällt, ihnen mit herkömmlichen Worten beizukommen. (…) Mit einem unaufdringlich philosophischen Tonfall präsentiert ‚Girimunho‘ eine Welt, die, durchzogen von Mythen und Gesängen, eine berückende Komplexität besitzt.“ Von Hollywood bis Madrid erntete der Film begeisterte Kritiken. Auch die Kurzfilme von Clarissa Campolina wurden, etwa bei den Festivals in Rotterdam, Brasilia oder Rio de Janeiro ausgezeichnet.
Bislang realisierte Clarissa Campolina einen Spielfilm sowie fünf Kurzfilme. Außerdem montierte sie zahlreiche Filme anderer Regisseure, darunter Nascente (2005) von Helvécio Marins. Sie studierte in Brasilien bildende Kunst und Filmemachen. Gemeinsam mit fünf anderen Filmemachern gründete sie 2001 in Belo Horizonte TEIA (www.teia.art.br), ein Zentrum für audiovisuelle Kunst und Filmproduktion. Bislang hat die Gruppe weltweit über 50 Preise eingeheimst und ihre Werke wurden zu wichtigen internationalen Festival eingeladen. Darunter Venedig, Locarno, Sundance, Toronto, San Sebastian, Rotterdam, Karlovy Vary und viele andere. 2012 gehörte sie zu den Gründern der Produktionsfirma Anavilhana.
Girimunho (2011) bedeutet Wirbel. In einer ähnlichen Bewegung verbinden sich in dem Film Realität und Traum, rund um die rote Erde am Ufer des São-Francisco-Stroms. „Geduld ist sehr wichtig“, bemerkt eine der Figuren. Und Geduld bewiesen auch die Filmemacher: Die Dreharbeiten dauerten sechs Jahre. Viele der außergewöhnlichen Laiendarsteller in Girimunho sind blutsverwandt. Die Hauptrolle (Bastú) spielt die 81-jährige Maria Sebastian Martins Álvaro. Nach dem Tod ihres Ehemanns wird sie von merkwürdigen Geräuschen und Erscheinungen heimgesucht. Um den Spuk zu bannen, bricht sie auf. Sie will das Habe ihres Mannes zu dessen Bruder zu bringen. Das Roadmovie wurde auch in Nantes (Special Jury Prize und Youth Jury Prize) sowie in Havanna ausgezeichnet.
Auch Clarissa Campolinas Kurzfilm Adormecidos / Asleep (2011) ist eine visuelle Meditation über die Poesie des Alltags: In der Nacht werden die Lichter, die Leuchtreklamen und Werbegesichter lebendig. Der Film lief auf zahlreichen Festivals, wurde beim 8. Internationalen Frauenfestival in Rio de Janeiro ausgezeichnet und lief unter anderem beim Festival des Unabhängigen Films in Buenos Aires.
Das audiovisuelle Tagebuch einer acht Jahre zuvor unternommenen Reise ist dagegen der Kurzfilm Trecho / Passage (2006). Der Film begleitet Libério auf seiner Wanderung an den brasilianischen Autobahnen entlang. In einer erneut zwischen körnigen, dokumentarisch anmutenden und beinahe experimentell beschnittenen Fragmenten oszillierenden Bildsprache erzählt Clarissa Campolina in bewährter Zusammenarbeit mit Helvécio Marins von der Reise ihres Protagonisten und reflektiert dabei auch den Prozess der Entstehung des Films. Trecho erhielt beim wichtigsten brasilianischen Filmfestival in Brasilia, die Auszeichnung als bester Kurzfilm. Der Film feierte seine Premiere beim Rotterdamer Filmfestival und wurde dort für den Kurzfilmwettbewerb nominiert.

Text: Maike Wetzel
Fill Still: Odete
Kamera/Schnitt: Uli Aumüller, Sebastian Rausch


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Filme (Auswahl): 2012 Odete (Kurzfilm, HD Video, 16’) 2011 Girimunho / Der Wirbel (Spielfilm, 35 mm, 90‘) 2011 Adormecidos / Asleep (Kurzfilm, HD Video, 7’) 2009 Notas Flanantes / Wandering Notes (Experimentalfilm, HD Video, 47’) 2006 Trecho / Passage (Kurzfilm, 35 mm, 16 ‚)
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